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Kultur im Norden „La Traviata“ kommt nach Lübeck
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18:18 11.06.2019
Regisseur Lorenzo Fioroni über „La Traviata“: „Es ist ein zeitloses Spiel über die Einsamkeit und über die Angst vor dem Tod“. Am Freitag ist Premiere im Theater Lübeck. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

„La Traviata“ von Giuseppe Verdi ist eine der am häufigsten gespielten Opern. In Lübeck inszeniert der Schweizer Lorenzo Fioroni das tragische Spiel um die verlorene Liebe der Kurtisane Violettta. „Gleich der erste Satz von Violetta sagt alles über ihre Welt. Sie sagt: ,Obwohl ich unter Menschen bin, fühle ich mich wie in der Wüste‘“, sagt der Regisseur. „Sie lebt in einer Welt des schönen Scheins, muss immer die fröhliche und strahlende junge Frau darstellen, obwohl sie zutiefst einsam und todkrank ist. Darin liegt ihre Tragik.“ Neben den schönen Schein stellt Lorenzo Fioroni das wahre Sein, eine Zweitwelt, in die sich Violetta zurückzieht, wenn es ihr schlecht geht oder sie Blut husten muss. Fioroni: „Das ist dann eine Hinterhof-Szenerie, bedrückend und hässlich. Sie zieht sich dorthin aber nur selten zurück, denn sie hat Angst vor der Stille – mit der Stille kommt die Einsamkeit.“

Violetta war nur ein Spielzeug

Ihre rauschenden Feste lässt der Regisseur in einem leicht heruntergekommenen Saal stattfinden, auch die Kostüme sind der Zeit um 1830 nachempfunden – aber grotesk überzeichnet. „Wir wollen deutlich machen, wie künstlich ihre Welt ist. Im dritten Akt gibt es wieder ein Fest, hier lassen wir Violetta sich selbst erleben, wie sie war. Aber sie hat mittlerweile erkannt, dass sie nur ein Spielzeug war, und sie weiß, dass ihr Tod immer näher rückt. Sie zieht ihr Kostüm aus und schminkt sich ab – so geht sie in den Tod.“

Die ganze Geschichte steht in den Noten

Lorenzo Fioroni bewundert in „La Traviata“ auch die Entwicklung der Personen. „Violetta entdeckt für sich die große Liebe. Sie verzichtet jedoch auf ihren Geliebten Alfredo, um dessen Familie zu schützen. Dahinter steckt Alfredos Vater, der erst ganz am Schluss erkennt, dass er einen verhängnisvollen Fehler begangen hat, als er Violetta dazu drängte, sich von seinem Sohn zu trennen. Dieser Sohn Alfredo steht Violettas Treiben anfangs wie ein Fremdling gegenüber, erst im Verlauf entwickelt sich seine Liebe zu ihr. Aber es ist eine possessive Liebe, es dreht sich letztlich alles nur um ihn selbst. Das alles sind Entwicklungen, die Verdi ganz wunderbar in Musik umgesetzt hat. Eigentlich steht die ganze Geschichte in den Noten.“

Aktuell ist der Opernstoff für den Regisseur immer noch. „Es ist ein zeitloses Spiel über die Einsamkeit und über die Angst vor dem Tod. Und es ist echte Tragik darin enthalten, die das Glück der handelnden Personen letztlich verhindert. Erst, als alles zu spät ist, kommt die Erkenntnis – aber dann stirbt Violetta.“

Premiere am Freitag um 19.30 Uhr im Großen Haus des Theaters Lübeck.

Hier schon ein Blick auf den kommenden Spielplan

Jürgen Feldhoff

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