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Kultur im Norden Lagerfelds Karlikaturen als Buch
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17:18 29.05.2019
Ließ sich schon als Kind nichts sagen: Modezar Karl Lagerfeld – er starb im Februar mit 85 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung. Quelle: dpa
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Lübeck

Es war einmal ein Junge namens Karl Lagerfeld aus der Nähe von Bad Bramstedt – der wusste als Kind sicher nicht, dass er eines Tages einer der legendärsten Mode-Designer seiner Zeit werden würde, aber er wusste, dass er zeichnen konnte, schon damals, als der Dreikäsehoch vor den Toren Hamburgs lebte und zur Schule in Bad Bramstedt ging.

Und als der Lehrer eines Tages zu dem kleinen Karl sagte: „Du kannst gut Leute zeichnen, aber du wirst nie ein guter Landschaftsmaler“, antwortete dieser: „Wenn man dann solche Bilder malt wie Sie, möchte ich das auch gar nicht.“

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Entschuldigungen selbst geschrieben

Er war schon als Kind nicht drum verlegen, seine Meinung zu sagen und seine Sicht auf die Dinge zu haben. Er schwänzte auch gern mal die Schule und schrieb sich die Entschuldigungen selbst, weil er die Unterschrift seiner Mutter gut imitieren konnte: Karl Lagerfeld konnte zwar nicht wissen, wo sein Weg eines Tages hinführen würde – aber er wusste, was er konnte.

Über ein halbes Jahrhundert war Lagerfeld sehr erfolgreich als Designer tätig. Als künstlerischer Direktor von Chanel (ab 1984), Fendi (ab 1965) und den Linien unter eigenem Namen wurde er zu einem der wichtigsten Akteure der internationalen Modewelt. Außer Mode hat er auch Schmuck, Geschirr, Möbel, Musikinstrumente, Bücher, Spielzeug, Opern- und Theaterkostüme, Bühnenbilder und Häuser gestaltet.

Nicht zuletzt war Karl Lagerfeld, der auch als Zeichner und Fotograf bekannt war, ein begnadeter Karikaturist. Die politische Satire, die ihn schon als Jugendlichen interessierte, hat er im monatlich erscheinenden Frankfurter Allgemeinen Magazin (und auch in der Zeitung selbst) zu einer festen Einrichtung gemacht.

Von Merkel bis May

Unter dem Titel „Karlikatur“ zeichnete der Modeschöpfer dort seit 2013 das politische Weltgeschehen. Besonders gern nahm er sich die Mächtigen vor – wie die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, US-Präsident Donald Trump oder den französischen Präsidenten Emmanuel Macron. All diese „Karlikaturen“ sind nun in einem neuen Band zusammengefasst und illustriert.

Karlikatur Angela Merkel: Hier habe ich die Hosen an Quelle: Karl Lagerfeld

Von Bad Bramstedt nach Paris

Karl Otto Lagerfeld wuchs als Sohn des Hamburger Kondensmilch-Fabrikanten (Glücksklee-Milch GmbH) Otto Lagerfeld (1881–1967) und dessen Frau Elisabeth Bahlmann (1897–1978) in wohlhabenden Verhältnissen auf. Er hatte eine 1931 geborene Schwester, die seit 1957 in den USA lebte und Ende 2015 starb, sowie eine Halbschwester aus einer vorherigen Beziehung seines Vaters.

Lagerfeld wuchs in Hamburg sowie auf dem inzwischen abgerissenen Gut Bissenmoor bei Bad Bramstedt auf.

Auf dem Dachboden des Gutes fand der junge Karl einst Stapel von Illustrierten, Modezeitschriften und Kunstmagazinen. Und da es damals keine Bilderbücher zu kaufen gab, malte er mit Buntstiften die Schwarzweißfotos an. Er veränderte die Kleider in den Modejournalen und malte in abgedruckte Bilder Figuren und Arabesken hinein. Seine Mutter, zu der Lagerfeld ein enges Verhältnis hatte, versuchte das Talent zu fördern –Lagerfelds Vater reagierte eher mit Unverständnis auf die Attitüden des Sohnes.

1952 zog Lagerfeld, der bereits gut französisch sprach, nach Paris. Sein Vater hatte dort ein Büro. Der ursprüngliche Plan war es, nach einiger Zeit nach Deutschland zurückzukehren und das Abitur abzulegen, wozu es aber nicht mehr kam. Lagerfeld besuchte zunächst das Lycée Montaigne im Quartier Latin und schließlich eine private Zeichenschule. 1954 erreichte er beim Wettbewerb des Internationalen Wollsekretariats Paris für den Entwurf eines Mantels den ersten Platz und absolvierte anschließend eine Lehre als Schneider bei Designer Pierre Balmain. Später arbeitete er als freier Mode-Illustrator.

Neben der Mode und der Kostümbildnerei entdeckte Lagerfeld 1987 die Fotografie. 1993 begann eine enge Zusammenarbeit mit dem Verleger Gerhard Steidl und nannte ihn den „besten Drucker der Welt“. Bis zu seinem Tod veröffentlichte Lagerfeld zahlreiche Fotobücher im Steidl Verlag –auch seine „Karlikaturen“, der neueste Band, sind im Steidl Verlag erschienen.

Auf 160 Seiten zeigt das Buch die breite Palette von Lagerfelds erschienenen Karikaturen – von Januar 2012 bis zuletzt im Januar 2019 – hier schon war der 85-Jährige schwer an Krebs erkrankt, ließ es sich in seiner letzten Zeichnung aber nicht nehmen, noch einmal kritisch auf das politische Geschehen zu blicken. In seiner letzten Karlikatur knöpft er sich er sich die „an Gewicht verlorene CDU“ und das Jackett von Annegret Kramp-Karrenbauer vor, die als neue CDU-Vorsitzende modisch neue Akzente setzt und vom Meister kritisch verewigt wurde.

Karlikatur: Theresa May mit Rettungsweste Quelle: Karl Lagerfeld

Zu jeder Zeichnung gibt es ein Veröffentlichkeitsdatum und eine Anekdote im Buch – und schnell wird klar: Man mag Lagerfeld mögen oder nicht, er wusste immer, was er konnte. Auch schon als kleiner Junge in Bad Bramstedt.

Karl Lagerfeld, Karlikaturen, Herausgegeben von Alfons Kaiser, Steidl Verlag, 160 Seiten, 34 Euro

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