„Legendäre Dinner“: Festlich tafeln mit Glanz und Gloria
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Kultur im Norden „Legendäre Dinner“: Festlich tafeln mit Glanz und Gloria
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„Legendäre Dinner“: Festlich tafeln mit Glanz und Gloria

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18:00 20.12.2020
Festmenü im Weißen Haus für die Astronauten „Apollo 11“-Mission mit Flusskrebsen, Lachs und gedünstetem Kohlrabi.
Festmenü im Weißen Haus für die Astronauten „Apollo 11“-Mission mit Flusskrebsen, Lachs und gedünstetem Kohlrabi. Quelle: Kathrin Koschitzki/Prestel Verlag
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München

Ein Fest sei immer ein Kompliment an das Leben, schreibt Herausgeberin Anne Petersen im Vorwort zum reich an Rezepten und üppig mit Bildern dekorierten Band „Legendäre Dinner. Unvergessliche Rezepte berühmter Gastgeber“. Man weiß nicht so genau, was ist das nun: ein Kochbuch, ein Bildband, eine Anekdoten- und Geschichtensammlung? Es ist von allem etwas. Es ist vor allem eine Erinnerung daran, den Tisch zu decken, Gäste einzuladen und das Leben zu feiern bei den sich bietenden Gelegenheiten.

Die Partys der High Society

Nun stehen mit Weihnachten und Silvester zwar die Anlässe ins Haus, die Gästeschar aber wird aufgrund der aktuellen Corona-Beschränkungen sehr überschaubar sein. Umso mehr vielleicht ein Grund, sich die großen Gelage zum Vorbild zu nehmen und die Weihnachts- oder Silvesterfeier mit einem Festmahl im kleinen Kreis an einer stimmungsvoll gedeckten Tafel ganz besonders zu zelebrieren.

Anne Petersen (Hrsg.): „Legendäre Dinner. Unvergessliche Rezepte berühmter Gastegeber“, Prestel Verlag, 36 Euro Quelle: Prestel Verlag

Anregungen bieten die „legendären Dinner“ genug. Zum einen ist die exklusive Sammlung bestückt mit 90 Appetit anregenden Rezepten zu den Festmenüs, zum anderen bieten die Fotos von edel eingedeckten Tafeln und auf den Anlass abgestimmten Dekorationen praktisch die Vorlage dafür, selbst als Gastgeber zu Tisch zu bitten – und wenn der Abend verklungen ist, noch ein bisschen in den Geschichten und Anekdoten über die Partys der High Society und Polit-Prominenz, die Herausgeberin Anne Petersen hier versammelt hat.

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Petersen leitet das Hamburger Stilmagazin „Salon“. Die vorgestellten Dinner sind die Highlights aus einer Artikelserie, die in der Zeitschrift erschienen ist – und geben Einblick in „legendärste Partys, denkwürdigste Anlässe“. Kein Detail ist bei diesen spektakulären Inszenierungen unbeachtet geblieben, sie sind durchkomponiert von der Auswahl der Gäste bis zum Motto der Party und der Gestaltung der Einladungskarten.

Truman Capote triumphiert

500 Persönlichkeiten aus Film, Kunst und Politik hat der Schriftsteller Truman Capote 1966 zum „Black and White Ball“ ins New Yorker Plaza Hotel geladen, monatelang hat er an der Gästeliste gefeilt, nicht eingeladen zu sein, kam einem gesellschaftlichen Bankrott gleich. Unter der Decke des Saals schweben 150 Luftballons, die Tische sind scharlachrot gedeckt, Kerzen brennen in silbernen Lüstern. Auf eine Blumendekoration hat Capote verzichtet: seine Gäste seien ihm Dekoration genug. Natürlich sind sie alle gekommen, die Schönen, die Reichen und die Berühmten. Es wurde eine legendäre Nacht, die den Klatschspalten der Zeitungen noch monatelang Stoff liefern sollte.

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Kleiner Mann, ganz groß: Der Schriftsteller Truman Capote ( l.) empfängt 1966 in New York die Verlegerin Katharine Graham zu seinem legendären „Black and White Ball“. Quelle: AP

Audrey Hepburn im Vogelkäfig

Unvergleichlich und nicht weniger glamourös sind die Feste der Bankiersgattin und Salonlöwin Marie-Hélène de Rothschild. 1972 richtet sie auf dem familieneigenen Landsitz bei Paris, auf Schloss Ferrières, ihr Meisterstück aus, den „Surrealist Ball“. Der Dresscode: Smoking, Abendkleid, surrealistische Köpfe“. Audrey Hepburn trägt einen Vogelkäfig über dem Kopf, Parfum-Erbin Héléne balanciert ein Grammophon auf dem Haupt, die Gastgeberin selbst verbirgt ihr Gesicht hinter einem vergoldeten Hirschkopf. Das Dinner beginnt mit einer „Verwirrung exquisiter Kadaver“ (Wachtelpastete auf Wintersalat) und endet mit „Vor Trauer heulenden Ziegenkäse-Pfirsichen“.

Das US-Präsidentenpaar Michelle und Barack Obama empfängt 2011 die Bundeskanzlerin im Weißen Haus. Quelle: Shawn Thew/Shutterstock/Prestel Verlag

Ein Gartenmenü für die Kanzlerin

Wesentlich prosaischer, aber mit nicht weniger Grandezza empfing die einstige First Lady, Michelle Obama, im Weißen Haus. 2011 hat das Präsidentenpaar die Bundeskanzlerin zum Staatsdinner in den Rosengarten gebeten und Michelle stellt das Menü ganz auf die bodenständige Kanzlerin ab. Es ist inspiriert vom Küchengarten, den Michelle Obama 2009 selbst angelegt hat: ein Gartensalat als Vorspeise, Thunfischtatar mit Erbsen und Schinken, Rinderfilet mit Krabbenravioli und zum Abschluss eine Hommage an den deutschen Staatsgast: Apfelstrudel mit Rosinen und Schlagsahne.

Schneeweiß, ein sechsstöckiges Wunderwerk war die Hochzeitstorte, als die amerikanische Schauspielerin Grace Kelly 1956 Fürst Rainier III. von Monaco heiratete. Die Feier wird zur Blaupause für die Traumhochzeit schlechthin – ein rauschendes Fest für mehr als 600 Gäste. Quelle: Jonas von der Hude/Prestel Verlag

Die „Party des Jahrhunderts“

Im Weißen Haus zu Gast ist gut 40 Jahre zuvor, damals unter US-Präsident Richard Nixon, auch die Besatzung der „Apollo-11-Mission“ mit den Astronauten Neil Armstrong, Buzz Aldrin, Michael Collins und ihren Ehefrauen. 1400 Gäste sind am 13. August 1969 zu Ehren der ersten Männer auf dem Mond ins neu erbaute Century Plaza Hotel geladen, darunter Botschafter aus 83 Ländern, Gouverneure, Senatoren, Hollywood-Prominenz. Feinste Spezialitäten sind geordert, der Saal ist mit goldenen Vorhängen und Kandelabern und Blumenbouquets aus Rosen und Chrysanthemen geschmückt, die Tische eingedeckt mit Silbertellern und feinstem Porzellan. Das Festmahl endet mit einem Dessert aus Baiser-Monden, Vanilleeis und Brombeer-Coulis namens „Clair de Lune“. Die Nationalhelden trinken Scotch und halten durch bis 2.30 Uhr morgens – es ist „die Party des Jahrhunderts“, titelt die Los Angeles Times.

Weihnachten bei den Manns

Und es geht noch grandioser, zu Gesellschaftsereignissen werden die Hochzeiten von Queen Elizabeth und Prinz Philipp, von Grace Kelly mit dem Fürsten von Monaco, der Besuch John F. Kennedys in Berlin, aber auch die kleineren, privaten Einladungen der Modeikone Coco Chanel, des Künstlerehepaars Jackson Pollock und Lee Krasner und die Gartenpartys der Schauspielikone Audrey Hepburn.

Kulinarischer Auftakt zum Weihnachtsmenü bei Thomas Mann: Gebeizter Saibling an Kaviar und Salat, Brioche-Chips Quelle: Jonas von der Hude/Prestel Verlag

Fast bescheiden nehmen sich da die Weihnachtsfeste im Hause des Dichters Thomas Mann aus. Die Gestaltung des Festes unterlag einer Abfolge familiärer Rituale, unabdingbar, damit sich im Hause eine andächtige, festliche Stimmung entfalten konnte. Leichte Änderungen waren allerhöchstens in der Menüfolge des „Champagner-Dinners“ akzeptabel, das bis auf das schäumende Getränk ganz regional und saisonal angelegt war mit Rehrücken, Stampfkartoffeln Knollensellerie, gestovtem Wirsing mit Maronen und Orangen-Möhren. Was auch immer die Welt draußen an Turbulenzen erlebte, Heiligabend bei den Manns sollte so sein „wie jedes Jahr“.

„Gib das Beste und mach das Leben zum Feste“

Das Jahr 2020 ist nun wahrhaft nicht wie jedes Jahr, aber vielleicht kann man ihm noch etwas Glanz verleihen, ganz im Sinne eines anderen Dichterfürsten, Johann Wolfgang von Goethe, und dessen erklärter Maxime: „Gib das Beste und mach das Leben zum Feste!“

Von Regine Ley