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Kultur im Norden „Liverpool Oratorium“: So klang Paul McCartney in Lübeck
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18:20 16.09.2019
Tenor Stefan Hahn – hier im Duett mit Gabriella Guilfoil – prägte in der Rolle des Shanty die Aufführung. Quelle: Foto: Christoffer Greiss
Lübeck

Ein musikalisches Werk mit besonderer Geschichte wurde am Wochenende dem Lübecker Publikum vorgestellt. Im Schuppen C der nördlichen Wallhalbinsel erlebte Paul McCartneysLiverpool Oratorium“ zwei ausverkaufte Vorstellungen. Gabriele Pott, Leiterin des Festivals „Kunst am Kai“, bot an die 200 Mitwirkende auf. Bei der zweiten Vorstellung am Sonntag mussten Interessenten wieder umkehren; es gab keine Karten an der Abendkasse.

Opernhafte Szenen in Lübeck

Über den Gattungsbegriff mag man streiten. Im strengen Sinne wird ein Oratorium hierzulande als konzertante Aufführung geboten. Bei McCartney aber gibt es eine spielbare Handlung, und in der Lübecker Einstudierung von Gabriele Pott und Johannes Kritzinger waren durchaus opernhafte Szenen zu erleben. Zudem hat McCartney am Anfang seine Lebensgeschichte eingebracht, mit der Geburt 1942 in einem Liverpooler Stadtteil. Später wird die fiktive Geschichte des jungen Shanty erzählt.

Im Schuppen C verbanden sich Gesang, Musik und Tanz zu einem eindrucksvollen Gesamtkunstwerk.

Pop, Klassik, Schlager, Filmmusik

Acht Stationen durchläuft Shanty, Geburt im Krieg, Schule, Tod des Vaters, Eheschließung, Arbeitswelt, Ehekrisen, am Ende folgt schließlich der Appell zum Frieden in der Welt. Musikalisch werden unterschiedliche Stile verwendet, Pop, Klassik, Schlager, Filmmusik. Oft darf das groß besetzte Orchester voll aufdrehen. Nicht selten schmeichelt die Musik dem Ohr. Dann wieder gibt es moderne Reibungen oder auch die zarte Kantilene der ersten Geige. Die Briten sind Pragmatiker, entscheiden sich für Lösungen, die Neu-Töner bei uns als veraltet bezeichnen mögen. Gabriele Pott am Dirigentenpult hielt die vielen Mitwirkenden energisch zusammen. Das war nicht einfach, weil der etwa 120 Personen umfassende Chor in ihrem Rücken agierte, pralles Leben spielte.

Auf Latein und Englisch

Einige Orte waren kulissenhaft angedeutet: der Altar für Trauung und Beerdigung, Grabsteine, Arbeitsalltag. Der erste Satz des Werkes erklang in Latein, der Rest in Englisch. Glockenrein sang ein Mädchen des Chores CANTA das Motto, das zwei Stunden später wiederholt wurde: „Non nobis solum sed toti mundo nati“ – Nicht für uns allein, für die ganze Welt sind wir geboren.

Die Tänzerinnen – was fürs Auge

Unter den Gesangssolisten hatte Stefan Hahn die Hauptlast zu tragen. Sein kräftiger Tenor wurde in der Höhe stark gefordert. Chantale Nurse spielte die Ehefrau der Hauptfigur. Ihr Sopran hatte gerade soviel Vibrato wie nötig. Wohltönend der Mezzo von Gabriella Guilfoil. Mario Klein, der Bassist, gab unterschiedlichen Figuren seine Stimme. Abwechslung fürs Auge bescherten die jungen Tänzerinnen der Ballettschule Johannes Kritzinger.

Der Ort – für solche Aufführungen geschaffen

Das Publikum ging begeistert mit, war offenbar dankbar, das unbekannte Werk an einem Ort kennenzulernen, der für Ungewöhnliches wie geschaffen scheint. Der Ort der Uraufführung in Liverpool, der letzte neugotische Kathedralbau Englands, ist ein eher düsterer Klotz. Aber von dort kamen sie, die Beatles, von deren Ruhm die Stadt am Mersey-River heute geprägt ist; mit Beatles-Museum, Beatles-Touren und dem Nachbau des legendären Cavern Clubs in der Matthew Street Nr. 10.

Am Sonnabend, 21. September, geht „Kunst am Kai“ mit einer „magischen Reise in die Welt Harry Potters“ zu Ende. Von 12 bis 18 Uhr gibt es Mitmach-Aktionen, Workshops, Ausstellungen, Lesungen und ein Konzert

Von Konrad Dittrich

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