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Kultur im Norden Lübeck: Die Buddenbrooks ziehen um
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16:27 28.11.2019
Zu Weihnachten werden die Buddenbrooks lebendig: Schauspieler Paul von Windheim gibt Christian Buddenbrook (l.), Stephan Joachim von der Kulturdornse Thomas. Sie feiern auch bei der Abschiedsparty am 28. und 29. Dezember mit.
Lübeck

Der Tannenbaum ist mit Lilien geschmückt. Mit weißen Lilien. So ist es Tradition in der Lübschen Kaufmannsfamilie Buddenbrook, und so ist es alle Jahre wieder im Weihnachtszimmer auf der Beletage des Lübecker Buddenbrookhauses. Im Zimmer warten die Geschenke für den kleinen Hanno, aus dessen Sicht Thomas Mann das Weihnachtsfest geschildert hat: das Papiertheater, das Buch mit griechischen Sagen, ein Füllfederhalter mit einem bunten Glasprisma und ein Harmonium.

Last Christmas wird gefeiert

Wie im Roman ist der Raum nun zum letzten Mal hergerichtet: Am 29. Dezember schließt das Museum. „Wer es sich noch einmal anschauen will, muss den Dezember nutzen, denn in dieser Form wird es das Zimmer nicht mehr geben“, sagt Hans Wißkirchen, der Leiter der Lübecker Museen. Doch vorher soll „Last Christmas“ gefeiert werden. Zusätzlich zu den adventlichen Führungen und Lesungen gibt es am 28. und 29. Dezember bei freiem Eintritt eine Party mit zahlreichen Führungen, Gesang, Musik, und zum Kaffee und Kuchen darf man sogar in der Beletage Platz nehmen.

Bekannte Ansichten und das neue Modell des Buddenbrookhauses in der Mengstraße 4

Eine neue Ära beginnt

Wenn dann am 29. Dezember um 18.30 Uhr die letzten Gäste gegangen sind, geht eine Ära zu Ende. Dann wird das Haus umgebaut – zusammen mit dem Nachbarhaus in der Mengstraße 6, das die Stadt bereits 2011 für diesen Zweck gekauft hat. Bis auf die historischen Fassaden werden die Häuser abgerissen und zu einem neuen Museum umgebaut. „Der Eingang bleibt die historische Diele – sie steht als Beginn der Geschichte der Buddenbrooks“, erklärt Wißkirchen. Von dort aus können die Besucher dann „einen Spaziergang durch das 20. Jahrhundert mit den Augen der Familie Mann“ unternehmen. Und das sei kein nostalgischer Blick. Getreu Thomas Manns Zitat „Vom Elternhaus zur Menschheit“ werden die Mitglieder der Jahrhundertfamilie als Weltbürger gezeigt, die zwar als Deutsche geboren wurden, aber am Ende fast alle andere Staatsbürgerschaften hatten.

So feiern die Buddenbrooks Abschied

Wie es sich für so eine angesehene Familie gehört, wird diese Umzugsparty stilvoll gefeiert und alle sind dazu eingeladen.Am 28. und 29. Dezembergibt es jeweils von 10 bis 18.30 Uhr unter dem Motto „Die Buddenbrooks ziehen um“ bei freiem Eintritt allerlei zu erleben. Zahlreiche Führungen begeistern mit spannenden Themen, Musik sorgt für gute Laune, mit Kaffee, Kakao und Kuchen ist für das leibliche Wohl gesorgt und in einem Buddenbrook-Quiz können alle vermeintlichen Expert:innen ihr Wissen unter Beweis stellen. Zudem sind selbstverständlich die Akteure des Romans ganztägig vor Ort und freuen sich über tatkräftige Unterstützung bei ihrem Umzug.

Darüber hinaus geben Museumsleiterin Birte Lipinski und die Projektkoordinatorin für den Umbau Dr. Caren Heuer Ausblicke in die Zukunft und berichten vom „neuen Buddenbrookhaus“.

Weitere Veranstaltungen im Advent

„Die Liebe zu den Zaubern des Weihnachtsfestes“

Lassen Sie sich entführen in die weihnachtliche Atmosphäre bei den Buddenbrooks, und genießen Sie ein letztes Mal vor dem großen Umbau die festlich geschmückte Beletage des alten Hauses in der Mengstraße 4. Nach einem kleinen Spaziergang lauschen wir im Klassik Altstadt Hotel bei Kaffee und Gebäck der Lesung des Weihnachtskapitels aus „Buddenbrooks“. Familienerzählungen, Erinnerungen und Passagen aus dem berühmten Roman werden Sie festlich stimmen!

Sa | 30.11.|07.12.|14.12.|21.12. jeweils 14 – 16 Uhr

So | 01.12.|08.12.|15.12.|22.12. jeweils 14 – 16 Uhr

Preise: 27 € / 23,50 € / 22,50 €

„Schon war es Weihnacht draußen in der Stadt“

Wir gehen auf den Spuren der Brüder Mann durch die historische Altstadt Lübecks, besuchen Plätze und Gebäude, die in ihrem Leben oder Werken eine Rolle spielten. Die Tour beginnt beim Buddenbrookhaus in der Mengstraße; von dort gehen wir zur Marienkirche, zum Rathaus, zum Katharineum und zu vielen weiteren Schauplätzen der Weltliteratur.

An den Sonntagsterminen gibt es in einer Schokoladenmanufaktur heiße Schokolade á la Tony.

Sa | 30.11. | 07.12. | 14.12. | 21.12. jeweils Start um 16 Uhr 13€ / 9,50€ / 8,50 €

So | 01.12. | 08.12. | 15.12. | 22.12. jeweils Start um 11 Uhr 19 € / 15,50 € / 14,50 €

Weihnachten bei Buddenbrooks“ - Weihnachtslesung

Eine feste Institution ist die alljährliche Lesung des Weihnachtskapitels aus »Buddenbrooks«. Die musikalisch untermalte Lesung findet im Licht des mit Lilien geschmückten Weihnachtsbaumes in der Beletage statt.

Mi | 18.12. und Fr | 20.12. | Beginn 19:30 Uhr | Preis pro Person 12/10 €

Weihnachtscafé im historischen Gewölbekeller

Genießen Sie vor dem Umbau des Buddenbrookhauses ein letztes Mal die stimmungsvolle Atmosphäre des historischen Gewölbekellers und schlemmen Sie nach Herzenslust die himmlischen Köstlichkeiten nach Originalrezepten aus „Buddenbrooks“.

Sa | 30.11. | 07.12. | 14.12.

So | 01.12. | 08.12. | 15.12.

Kostenschätzung: 18 Millionen Euro

Und was passiert mit der Ausstellung während des Umbaus? Die Familie Mann wird ins Museum Behnhaus-Drägerhaus umziehen, sagt Hans Wißkirchen. An sieben Stationen in der Diele und im Seitenflügel können sich Besucher dort informieren, es werde auch spezielle Führungen geben. „Das passt wunderbar in das bürgerliche Wohnambiente des Behnhauses.“ Modernität, eine Videowand und den Museumsshop finden Besucher dann in einem Info-Center am Markt – Bunte Plakate weisen jetzt schon in den Schaufenstern darauf hin. Dort soll es auch Infos zum Baufortschritt geben. Drei Jahre Bauzeit sind geplant, erste grobe Kostenschätzungen gehen von 18 Millionen Euro aus.

So soll das neue Buddenbrookhaus aussehen: TMH Architekten haben die Ausschreibung gewonnen. Quelle: Lutz Roeßler

80 000 Besucher sind angepeilt

Hans Wißkirchen freut sich, dass es nun nach einem Jahr Verzögerung endlich losgeht. „Aber Wehmut ist auch dabei“. Als er 1991 nach Lübeck kam, hat er das Buddenbrookhaus mit konzipiert und aufgebaut. 1993 wurde es eröffnet, im Jahr 2000 runderneuert. Knapp 45 000 Besucher kommen jährlich, nach der Neueröffnung rechnet Wißkirchen mit bis zu 80 000 Besuchern. „Wir haben eine aufregende Zeit mit viel Arbeit vor uns“, sagt Wißkirchen. Bevor es losgeht, wird aber noch mal richtig gefeiert.

Das neue Buddenbrookhaus

Das Buddenbrookhauswird runderneuert und vergrößert. Die Ausstellung wächst von 1000 auf dann gute 2000 Quadratmeter. Dazu wird das jetzige Buddenbrookhaus in der Mengstraße 4 zum großen Teil umgebaut. Das Nachbarhaus mit der Nummer sechs hat die Stadt 2011 mit Bundesgeld gekauft. Dort soll das Museum erweitert werden. Die Idee: Das Haus wird abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Doch mit der Entscheidung der Denkmalpflege ist dieser Plan jetzt gestorben. Zwar wird das Gebäude an der Mengstraße 6 abgerissen – aber die Fassade bleibt bestehen – ab dem ersten Stock.

Die denkmalgeschützte Fassade des Buddenbrookhauses in der Mengstraße 4 ist eine kulturelle Ikone und als solche weltberühmt. Auch die Fassade der Mengstraße 6, um dessen Grundstück sich das Buddenbrookhaus erweitern wird, steht unter Denkmalschutz. Darüber hinaus vermitteln die mittelalterlichen Keller einen Eindruck der historischen Bausubstanz. Die architektonische Herausforderung besteht darin, abseits der Fassaden und oberhalb der Keller einen geeinten, barrierefreien Museumsraum zu errichten, der Architektur und Ausstellung in optimalen Einklang bringt. Es gilt, die bürgerliche Tradition architektonisch zu reflektieren und baulich um die Weltgeltung der Familie Mann und ihres Werks zu erweitern. Das NEUE Buddenbrookhaus will eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlagen und es ermöglichen, das überlieferte Baumaterialien und traditionsreiche Architektur nicht nur als Zeugen der Vergangenheit aufgesucht werden, sondern sich an einem gleichermaßen vitalen wie öffentlichen Ort der zukünftigen Nutzung stellen.

In einem europaweiten Planungswettbewerbwurde die Gestaltung einer neuen Dauerausstellung ausgeschrieben. Das Preisgericht hat Anfang März 2018 über die Entwürfe entscheiden. Vergeben hat die Jury folgende Preise:

1. Preis: TMH Architekten - Többen und Mueller-Haagen, Lübeck in Zusammenarbeit mit Jörn Simonsen

2. Preis: DFZ Architekten, Hamburg

3. Preis: DBCO GmbH mit BOK+Gärtner, Münster

4. Preis: Raumwerk Gesellschaft für Architektur und Stadtplanung GmbH mit Seehof, Frankfurt am Main

Einblicke in die eingereichten prämierten Entwürfe sehen Sie hier

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