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Kultur im Norden Hermann Zierath in der Galerie Siebert
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Hermann Zierath in der Galerie Siebert
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06:00 18.03.2019
Gearbeitet wie ein Schweizer Uhrwerk“: Hermann Zierath zeigt seine Bilder bis zum Mai in Lübeck.
Lübeck

Seine farbstarken Bilder sind voller ungezügelter Dynamik. Was so wirkt, als wären die Farben wild geworden, ist jedoch komponiert. Seine Bilder seien gearbeitet wie ein Schweizer Uhrwerk, sagt der Berliner Maler Hermann Zierath. 20 seiner Werke auf Papier sind in der Galerie Siebert zu sehen.

Jedes dieser Bilder besteht aus fünf bis sechs Schichten pastos aufgetragener Acrylfarbe. „Lauter Kleckse“, sagt Zierath, „über jeden einzelnen Klecks weiß ich Bescheid.“

Eigentlich spricht er nicht so gern über seine Arbeiten. Die Bilder selbst sollen den Zugang zum Betrachter herstellen. Weil sie nichts Verschlossenes, Bedrohliches oder Verrätseltes haben, machen sie es den Betrachtern leicht. Man kann in ihnen mit den Augen herumspazieren. Die Farben - viel Rot, viel Gelb, aber auch Grün und andere Farben in vielen Schattierungen - scheinen zu beben, zu wogen, zu fließen, manchmal sogar zu explodieren. Nein, korrigiert der Maler, es handele sich nicht um Farbexplosionen, sondern um gehaltene Spannung.

Hermann Zierath, Jahrgang 1949, kam auf Umwegen zur Malerei. In Franken aufgewachsen, ging er nach dem Abitur nach Berlin, um dort Religionswissenschaften, Philosophie und Psychologie zu studieren. Er begann, Aquarelle zu malen. Nach einem mehrjährigen Aufenthalt in Ägypten schuf er sehr großformatige Bilder von bis zu drei mal sechs Metern.

Die Massivität der Pyramiden und das dortige Licht haben sich bei ihm eingegraben. Die Pyramiden seien ohne das dortige Licht nicht denkbar, sagt er. In jüngster Zeit waren es eine Venedig-Reise und das venezianische Licht, was Spuren hinterlassen hat. Es gebe keine klare venezianische Malerei, sagt der Maler. Venedig habe, was wohl am Wasser liege, eine andere Art von Schärfe. „Das Licht changiert ständig, ist immer in Bewegung.“

Eindrücke und Erinnerungen an die Venedig-Reise finden sich in Bildern der Lübecker Ausstellung wieder. Entstanden sind sie jedoch allesamt im vergangenen Jahr in seinem Atelier. „An dem Ort, an dem ich meine Erfahrungen mache, male ich grundsätzlich nicht“, sagt Zierath.

In seinem Schaffen gab es eine mehrjährige Pause, weil ihm seine Arbeit als Psychologe in einer Klinik keine Zeit zum Malen ließ. Was ihn überhaupt dazu gebracht habe zu malen? „Es geht nicht anders“ , sagt er. „Es ist ein Prozess, dem man nicht ausweichen kann.“ Diesen Prozess beschreibt er so: Er trage Farbe auf das Bild auf, dadurch entwickele sich etwas. Was dabei herauskomme, habe mit dem Anfang nichts zu tun. Das Sujet entstehe durch den Akt des Malens.

Es handele sich um sehr anstrengende Arbeit, sagt Zierath. Der Lohn ist das Glück, das er empfindet, wenn ein Bild fertig ist. Und dass Schönheit und Trost darin lägen.

Bis 4. Mai, Galerie Siebert. Große Burgstraße 39

Liliane Jolitz

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