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Kultur im Norden Lübeck: Killerkäfer greifen Filly-Pferde an
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Lübeck: Killerkäfer greifen Filly-Pferde an
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07:00 05.10.2019
Rieseninsekten und Killerkäfer der Lübecker Künstler Ute Lübbe und Rüdiger Fischer bevölkern ab Sonnabend die Lübecker Galerie Artler. Quelle: Fotos: 54° / John Garve
Lübeck

Die meisten dürften sie in der Kindheit entdeckt haben, diese koexistierende Welt des Krabbelns und Kriechens und Flatterns, die später irgendwie aus unserem Fokus gerät. Die Neugierde am Studium der komplexen Strukturen von Assel, Schnake und Marienkäfer weicht später oft dem Desinteresse oder dem Ekel. „Findet sich auch Schönheit in der Welt der Bugs? Diesen heimlichen Herrschern der Welt?“, fragen Ute Lübbe und Rüdiger Fischer. Oder gar Güte, „tief verborgen unter ihren harten Chitinpanzern?“

Nashornkäfer gegen Filly-Pferde

Wohl nicht. Fischer lässt einen wuchtigen Nashornkäfer ausgerechnet in die bonbonsüße, friedvolle Schönwelt der Fillypferde einfallen. Nichts an dem dunklen, pelzigen Gesellen passt da hinein und – man ahnt es – den ewig lächelnden, rosa-rundlichen Spielzeugpferdchen geht es an den Kragen. Mitleidlos. Die Auswirkungen sind absehbar verheerend, wie verstörende Zeichnungen der Posttraumaklasse von Filly Castle belegen. Jetzt ist fundierte Küchenpsychologie gefragt: Wie sollen die Angriffsopfer damit fertig werden?

Zu sehen bis 2. November

Die Ausstellung „Bugworld“ von Ute Lübbe und Rüdiger Fischer in der Galerie Artler an der Großen Burgstraße 32 wird am 5. Oktober um 17 Uhr eröffnet und ist bis Sonnabend, 2. November, zu sehen zu den Öffnungszeiten: donnerstags und freitags 17 bis 19 Uhr, sonnabends von 12 bis 14 Uhr. Infos zum Kunst-Kollektiv unter www.artler.net und www.gemeinschaft-luebecker-kuenstler.de.

Fohlen werden zu Schnitzeln

Die klobige und offensichtlich stoisch-langsame Behäbigkeit des Käfers nimmt ein Stück weit die Schärfe; „nicht ganz bierernst“ sei das zu sehen, sagt der Künstler mit einem Augenzwinkern. Auch wenn er dem Angreifer eine „ungeheure Brutalität“ zuschreibt. Aber ein wenig boshafte Freude ist Fischer doch anzumerken an der Zerstörung einer realitätsfernen und -verfremdenden, pinkfarbenen Filly-Harmonie aus den Kinderzimmern. Und wehe dem, der genauer hinschaut: In einer Zeichnung entseelt und entbeint er nüchtern ein niedliches Fillyfohlen, um es zu appetitlichen Schnitzeln zu zerlegen.

Insektenwesen aus Abfall

Mit Insekten werden wir eben nie ganz warm, sie bleiben stets alien-artig fremd, sogar die vertrauten Arten. Ute Lübbe macht sich ein Bild auch von jenen, die wir nie zu Gesicht bekamen, weil sie vielleicht – auch dank uns Menschen – zuvor ausgestorben sind, weil sie in Sphären leben, zu denen wir keinen Zugang haben oder denen wir uns verwehren. Diese Vorstellung wirke beflügelnd, sagt Lübbe, die sich schon seit Jahren künstlerisch mit diesem Thema auseinandersetzt. Dem Betrachter zeigt sich bei ihren Arbeiten erst mal das Insekt als Ganzes. Doch dann setzt ein schrittweises (Wieder-)Erkennen ein, denn das „wilde Material“, wie Ute Lübbe es nennt, hat sie auf den Straßen und am Strand aufgelesen: Müll, Abfall, Liegengelassenes, das sie dort aufklaubt, wo es nicht hingehört, und zu skurrilen Körpern zusammenstellt: Fetzen und Bruchstücke von Schwimmbrille oder Luftmatratze, von Verpackungen und Folien. Feinflügelige Texturen, wie wir sie bei lebenden Exemplaren mit bloßem Auge kaum erfassen können, sind hier profan-glänzende Plastikflächen. Eine ganz andere Art des Grauens, denn diese Wesen haben wir alle mit erschaffen.

Nehmt euch in acht vor den Insekten!

Vielleicht ist es Zeit, mal wieder auf einer Wiese die Welten der kleinen, mehrbeinigen Mit-Erdbewohner zu beobachten. Sobald man eine Weile stillhält, regen sie sich und tauchen auf, jene Wesen, die es lange vor uns gab und die uns aller Voraussicht nach überleben werden. Beware of the Bugs – nehmt euch in acht vor den Insekten!

Von Margitta True

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