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Kultur im Norden Klangmagie beim Brahms-Festival
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18:48 09.05.2019
Prof. Rico Gubler, Präsident der Musikhochschule Lübeck, erläutertedas Kammermusik-Programm des Brahms-Festivals unter dem Titel „Fan(t)a(s)tisch – Diabolus in musica“. Quelle: Agentur 54°
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Lübeck

Lediglich ein Scheinwerfer leuchtete einen kleinen Kegel auf dem Podium aus, auf dem MHL-Rector Rico Gubler ein paar einleitende Worte zum Kammermusik-Programm des Brahms-Festivals am Mittwochabend fand und auf bewundernde Äußerungen Heines und Liszts über den Violin-Hexenmeister Niccolò Paganini verwies. Unter dem Titel „Fan(t)a(s)tisch – Diabolus in musica“ war der so genannte Tritonus nur am Rande gemeint, sondern vielmehr die an Zauberei grenzende erblühte Virtuosenkunst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts angesprochen. Dabei war Niccolò Paganini quasi die Initialzündung dieses Zweiges des musikalischen Publikumsmagneten der Virtuosenkunst.

Geläufigkeit und Perfektion

Auf mehreren Schwerpunkten fußte das Programm: den überwiegend auf aberwitzige Virtuosität angelegten Solo-Stücken Paganinis für Violine, außerdem einer Opernparaphrase über die „Wahnsinnsarie“ aus Donizettis Belcanto-Oper „Lucia di Lammermoor“ für Oboe und Klavier eines französischen Oboisten und Komponisten namens Henri Brod, die Diethelm Jonas und Christian Ruvolo mit der nötigen Geläufigkeit und Perfektion darboten.

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Dorothea Schupelius hatte den Abend mit der ehedem sensationell berühmten 24. Caprice a-moll aus Paganinis Opus 1 für Solo-Violine mit energischem Auftritt und quasi atemlosem Einsatz eröffnet – doch blieb insgesamt die etwas ratlose Frage offen, ob denn Virtuosität und Tonschönheit sich ausschließen müssen. Dieser Eindruck änderte sich, als Elisabeth Weber die 13. und Mariko Miwa die 11. Caprice akkurat und klangschön vortrugen. Paganinis Vorbild auf der Violine nutzten auch Franz Liszt, Robert Schumann und Johannes Brahms für das Klavier. Hier muss der Pianist Catalin Serban zuerst genannt werden, der vor allem bei Liszts 1. Mephisto-Walzer mit bravourösem Spiel und mit der gebotenen Dämonie an Horowitz’ späten Carnegie-Auftritt denken ließ.

Kurzweilig und anregend

Den dritten Akzent setzten moderne Kompositionen wie die Sciarrinos mit Mariko Miwa (Violine) und Angela Firkins (Flöte), die ebenfalls ihre Stücke mit dem angemessen beherzten Zugriff umsetzten. Diethelm Jonas und Rafael Sousa bewiesen, dass die Moderne mit Heinz Holligers „A Reedy Double“ für zwei Oboen ihre Schrecken verloren hat. Das Prinzip des Vergnügens war schließlich auch noch in Berios Duetti für 2 Violinen und Lutosławskis Paganini-Variationen für zwei Klaviere zu verspüren – kurz: ein exquisites Programm mit hervorragenden Musikern, kurzweilig und anregend.

Dieter Kroll

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