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Kultur im Norden Lübeck erinnert an Willy Brandts Kniefall
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12:55 09.12.2019
Bundeskanzler Willy Brandt kniete am 7. Dezember 1970 vor dem Mahnmal im einstigen jüdischen Ghetto in Warschau, das den Helden des Ghetto-Aufstandes vom April 1943 gewidmet ist. Quelle: dpa
Lübeck

Der Weg der Verheißung“ stand über einem denkwürdigen Konzert in St. Aegidien. Eingeladen hatte die „Stiftung zum 7. Dezember 1970“. Das Datum mag manchem nicht sofort etwas sagen. Wenn man das Stichwort „Kniefall“ und den Namen Willy Brandt hinzufügt, ist die Sache klar. Das Bild aus dem Warschauer Ghetto vom Brandt-Besuch 1970 ist vielen noch vor Augen.

Gekürzte Fassung der „Verheißung“

Die von Rolf Grasse 2016 in Lübeck gegründete Stiftung erinnerte in diesem Jahr mit einem besonderen Konzert an jenes Ereignis. Eckhard Bürger und der Bach-Chor boten zusammen mit den Hamburger Symphonikern und Solisten Teile des Oratoriums „Der Weg der Verheißung – The Eternal Road“. Das Werk wurde 1937 in New York uraufgeführt und dort rund 150 Mal gegeben. Den Text verfasste Franz Werfel, die Musik stammt von Kurt Weill. Regie führte seinerzeit der Theaterzauberer Max Reinhardt. In der vollen Aegidienkirche erklang nicht das gesamte Oratorium. Das hätte mindestens drei Stunden beansprucht. Eckhard Bürger bot eine gekürzte Fassung von etwa 60 Minuten Dauer.

Szenen aus der Geschichte Israels

Das Oratorium lässt prägende Abschnitte der Geschichte Israels lebendig werden. Es beginnt mit Abraham, der noch Abram hieß, begleitet das Volk nach Ägypten und auf die Suche nach dem verheißenen Land. Kurt Weills Musik mischt geschickt Chorszenen mit solistischen Abschnitten und gesprochenen Dialogen. Auch ein „Widersprecher“ (Kolja Martens) ergreift das Wort, ebenso der „Dreizehnjährige“ (Friedemann Schneiders) mit seinen Fragen und Erkenntnissen.

A cappella-Gesang und Soli

Mit Fanfarenstößen begann der Reigen der Szenen, mit Erzählungen des Rabbis, denen immer wieder Orchesterklänge unterlegt waren. Zu Höhepunkten gestaltete Eckhard Bürger die Chorszenen, insbesondere wenn sie vom Orchester im Forte verstärkt wurden. Aber auch A cappella-Gesang überzeugte oder Soloeinsätze der Frauen- beziehungsweise Männerstimmen.

Rauschender Applaus dann Minuten des Schweigens

Nicht immer erklangen schöne Harmonien. Aber das gehört zur Musik des 20. Jahrhunderts, vor allem passt es zum dramatischen Inhalt. Voll präsent waren die Gesangssolisten: Tania Renz mit wohltönendem Alt, Jeremy Almeida Uy und Hardy Brachmann mit höhensicherem Tenor, Andreas Jäpel mit geschmeidigem Bass. Chor und Orchester malten unter Bürgers straffer Leitung die Wanderungen in der Wüste ebenso farbig aus wie die gelegentlich einfließende Idylle. Nach Minuten des Schweigens bei Glockengeläut ertönte rauschender Beifall.

Nächstes Jahr ist Jubiläum

Birgit Grasse, nach dem Tod ihres Mannes Vorsitzende der Stiftung, hatte zu Beginn des Abends daran erinnert, dass die beiden jüdischen Künstler das Oratorium im Exil geschaffen haben; in einer Zeit, in der auch Willy Brandt im Ausland leben musste. Sie rief die Zuhörer auf, wachsam zu sein, denn Begriffe wie Wut und Hass machen wieder die Runde. Bettina Greiner, Leiterin des Willy Brandt-Hauses, sprach vom Widerstand, den der frühere Bundeskanzler wegen seiner Ostpolitik im eigenen Land erfuhr. 2020, zum 50. Jahrestag des berühmten Kniefalls, ist wieder eine besondere Veranstaltung geplant.

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