Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Kultur im Norden Schenkung: Zwei Briefe von Thomas Mann für das Lübecker Buddenbrookhaus
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Schenkung: Zwei Briefe von Thomas Mann für das Lübecker Buddenbrookhaus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
16:26 21.02.2020
Frank Bornemann (M.) brachte die Briefe seines Großvaters mit seiner Frau Evelyn (l.) nach Lübeck und übergab sie der Buddenbrookhausleiterin Birte Lipinski (r.). Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Anzeige
Lübeck

„Glauben Sie mir, ich weiß Ihren schönen Gedanken und die Art, wie Sie ihn mir vortrugen, hoch zu schätzen“, schrieb Thomas Mann im Dezember 1948 in einem Brief. Es war seine Absage auf eine Einladung und eines von zwei Schreiben an einen Mann namens Erich Ott. Sie gehören jetzt dem Buddenbrookhaus, Nachfahren Otts haben sie dem Museum samt der Abschrift eines Ott-Briefes geschenkt. Es sind Zeugnisse aus einer für den Nobelpreisträger sehr wichtigen Zeit.

Erich Ott (1902-1952) wurde nahe Stettin geboren. Er hat Drucker gelernt, war ein linker Sozialdemokrat, Gewerkschafter, Journalist, Reichstagswahlkandidat und entschiedener Kämpfer gegen den Nationalsozialismus. Er war in vielem einem jungen Mann in Lübeck nicht unähnlich, der damals noch Herbert Frahm hieß und sich später Willy Brandt nennen sollte. Die Nazis sperrten Ott ins KZ, er überlebte. Und als er Thomas Mann einlud, 1949 beim Festakt zu Goethes 200. Todestag in Leipzig zu sprechen, unterschrieb er den Brief als Stadtdirektor. Man hatte ihn nach dem Einmarsch der Roten Armee dazu ernannt (später war er Landtagsdirektor in Schwerin). Aber Thomas Mann kam nicht.

Alle Rechte beim Verlag

Das Buddenbrookhaus besitzt eine Reihe von Briefen Thomas Manns. Aber die Rechte daran wie an allem, was der Nobelpreisträger geschrieben hat, gehören dem Fischer Verlag. 70 Jahre nach dem Tod, bei Thomas Mann also 2025, läuft das postmortale Persönlichkeitsrecht aus.

Die dem Museum jetzt geschenkten Briefe werden gescannt, um sie digital zur Verfügung zu haben. Die Originale wandern zunächst in säurefreiem Papier in das momentan ausgelagerte Archiv des Buddenbrookhauses. Derzeit werden die Datenbanken mehrerer Thomas-Mann-Häuser vernetzt.

Das Buddenbrookhaus ist seit Ende vergangenen Jahres geschlossen. Es wird komplett umgebaut und erweitert und soll 2023 wiedereröffnet werden. In der Zwischenzeit weicht das Museum ins Behnhaus aus, wo ab 27. März die Ausstellung „Buddenbrooks im Behnhaus“ zu sehen ist.

Er lebte damals noch im kalifornischen Pacific Palisades. Er zog erst 1952 in die Schweiz, drei Jahre vor seinem Tod. Er hatte sich in Weimar und später im Exil vom Konservativen zum überzeugten Demokraten mit Neigungen zu sozialistischen Gedanken entwickelt und haderte mit einer möglichen Rückkehr nach Europa oder gar in seine Heimat. „Es war für ihn eine Findungszeit“, unterstrich Birte Lipinski, die Leiterin des Buddenbrookhauses. „1948 sagte er noch alles ab, was mit Deutschland zu tun hatte.“ Dafür waren die Wunden zu tief, dafür waren die Anwürfe zu schwer, die er immer noch zu ertragen hatte.

Die Einladung Erich Otts vom Oktober 1948 aber war äußerst geschickt formuliert. „Wenige erkannten, daß Sie einst Deutschland mitnahmen ins Exil“, schrieb er, „daß Ihre Stimme, die uns durch den Äther erreichte, Deutschlands Stimme war – und daß, wenn von Heimkehr die Rede wäre, im Gegenteil wir Deutschen heimzukehren hätten in jenes Deutschland, das Sie repräsentierten.“ Da hatte er dem Schriftsteller Brücken gebaut. Er baute weitere, und am Ende schrieb er: „Der durch Ihre Anwesenheit geadelte Festakt schlösse zugleich eine zweite, beinahe noch erhabenere Feier ein: die der endgültigen Heimkehr Deutschlands nach Deutschland.“ Allein, es half alles nichts. Thomas Mann sagte ab.

Post vom Nobelpreisträger: Einen Brief schrieb Thomas Mann 1948 aus den USA, den zweiten 1949 aus Zürich. Dazu gibt es noch die Abschrift eines Briefes von Erich Ott an den Schriftsteller. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Aber Ott versuchte es ein zweites Mal, im Sommer 1949. Thomas Mann war jetzt tatsächlich in Europa, zum ersten Mal seit zehn Jahren. In Weimar erhielt er den Goethe-Nationalpreis, in Frankfurt am Main den Goethe-Preis der Stadt. „Ich kenne keine Zonen, mein Besuch gilt Deutschland selbst“, sagte er.

Ott schickte ihm ein Telegramm nach Zürich, und der Dichter antwortete in kleiner, gestochener Handschrift und mit einiger Ausführlichkeit. „Böse Abenteurer“ hätten Deutschland in die „Katastrophe“ geführt, schrieb er. Man habe nicht erwarten können, dass so kurz danach „Erholung und eine ausgeglichene Geistesverfassung dort walten würden“. Außerdem sei die Weltlage dafür nicht dienlich: „Überall herrscht Verwirrung, und der Mensch überhaupt leidet.“ Aber Hoffnung wachse aus Verzweiflung, und die Hoffnung für Deutschland lasse sich nicht trennen von der „für Europa und für die Menschheit“. Dem „deutschen Geist“ seien „große Aufgaben zugewiesen beim Aufbau der neuen Welt“. Deutschland werde „ehrenvoll dastehen und glücklich sein, wenn es Trotz, Dünkel und Eigennutz“ ablege und helfe, „eine reifere, menschliche Gesellschaft“ zu schaffen.

„Hier sind sie bestens aufgehoben“

Frank Bornemann aus Leipzig ist der Enkel Erich Otts. In seiner Familie waren die Briefe bekannt. Er hat sie vor Jahrzehnten schon in die flache Lade einer Münzsammlung gelegt, wo sie trocken und lichtgeschützt lagerten. Nach dem Tod seines Vaters vor zwei Jahren und seiner Mutter im Januar hat er sie noch einmal zur Hand genommen und entschieden, sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Über seine Anfrage an die Deutsche Thomas-Mann-Gesellschaft sind sie jetzt im Buddenbrookhaus gelandet. Er hat sie mit seiner Frau Evelyn und den Kindern auf einer Urlaubsreise in den Norden und dem Besuch einer Verwandten in Travemünde vorbeigebracht. „Hier sind sie bestens aufgehoben“, sagte er. Und zumindest der zweite, ausführlichere Brief Thomas Manns soll auch in der neuen Dauerausstellung zu sehen sein, wenn das Haus nach dem Umbau 2023 wieder öffnet.

Lesen Sie auch:

Abschiedsparty im Buddenbrookhaus

Buddenbrooks ziehen um

„Eugénie oder Die Bürgerzeit“: Heinrich Manns fast vergessener Lübeck-Roman erscheint neu

Von Peter Intelmann

Sie war wieder da, Ulla Meinecke, die vielseitige Interpretin der poetischen deutschen Popmusik. Wieder im Volkstheater Geisler, so sie bereits vor vier Jahren begeistert hatte. Das gelang ihr am Mittwoch erneut. Mit samtig-tiefer Stimme und poetischer Sprache schlug sie ihr Publikum im nicht voll besetzten Saal in ihren Bann.

20.02.2020

Von Anne-Sophie Mutter bis Tom Jones: Der SHMF-Musiksommer zieht wieder großartige Künstler in den Norden. In Kiel wurde jetzt das Programm für die mehr als 200 Konzerte vorgestellt.

20.02.2020

20. Februar, 9 Uhr: Der Ticketvorverkauf für das Schleswig-Holstein Musik Festival startet. Online und per Post sind die Karten schon zu haben, per Telefon erst im März.

20.02.2020