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Kultur im Norden Lübecker Kartograph macht auf seiner Hamburg-Karte „Spuren der Zeiten“ sichtbar
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Lübecker Kartograph macht auf seiner Hamburg-Karte „Spuren der Zeiten“ sichtbar
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08:36 27.10.2019
Stephan Hormes hat die Hamburg-Karte mit interaktiven Spaziergängen erstellt. Quelle: Foto: Regine Ley
Lübeck/Hamburg

Stephan Hormes ist ein Flaneur. Der Lübecker Kartograph erschließt sich eine Stadt zu Fuß, doch wenn Hormes durch Straßen, Gassen und über Plätze spaziert, heftet sich sein Blick nicht nur an das, was ist – der Mann ist ein Wandler durch die Zeiten, er sieht vor allem auch das, was einmal war, und sucht die Spuren der Geschichte im Hier und Jetzt. Ein Nostalgiker mit einem leisen Heimweh dem Vergangenen gegenüber.

Karten, die Geschichten erzählen

Das hat den Westfalen und seine Frau Silke Peust 2006 auch nach Lübeck geführt, wo nahezu jeder Backstein Zeugnis ablegt von einer Hunderte Jahre alten Historie. „Wo immer ich bin, suche ich mir solche Ecken heraus“, sagt Hormes. Mit seiner Familie bewohnt er ein Haus in der Innenstadt, es sei ihm sehr wichtig, in einem Altstadthaus zu leben – einem steinernen Zeugen, dessen Mauern von dem erzählen, was war.

Hier sind die einstigen Positionen des Hamburger Hafens zu sehen. Quelle: LN

Diese Geschichten erzählen auch seine Karten. Es gibt eine über die Historie der Hanse, Pilgerkarten für Deutschland und Europa, einen Atlas über Goethes Reisen und einen über die wahre Bedeutung der Ortsnamen. Und jetzt gibt es eine Karte über die Geschichte der Hansestadt Hamburg, mit der man – so der Untertitel – „Auf den Spuren der Zeiten“ spazieren gehen kann.

Vom Millerntor zur Hammaburg

Um dabei nicht verloren zu gehen zwischen Alster und Elbe, Fleeten und Brücken, zwischen altem Hafen und neuer Hafencity, hat Stephan Hormes zwei Routen eingearbeitet: „Vom Millerntor zur Hammaburg“ und einen „Historischen Weg entlang der Alster“. Das Smartphone wird dabei zum Stadtführer, der den Weg vorgibt und den Flaneur mit detaillierten Informationen über die Zeugnisse der Geschichte und die Veränderungen im Stadtbild versorgt: Das Scannen eines QR-Codes auf der Hamburg-Karte vernetzt die papierne zweidimensionale Karte mit der Webseite des Kartographen und dem dank modernster Technik geführten Spaziergang vor Ort.

Über die Ellerntorsbrücke führte einst der Weg in die Stadt. Quelle: LN

Mit Hormes Hamburg-Karte wird eine Stadt erkennbar, die einem ständigen Wandel unterworfen ist. „Hamburg ist so oft überbaut worden, dass alte Strukturen zum Teil gar nicht mehr zu erkennen sind“, sagt Stephan Hormes. „In dieser Stadt steht die Wirtschaftlichkeit über allem.“ Der Hafen ist im Laufe der Zeiten über mehrere Positionen immer weiter nach außen gewandert zur Elbe hin. Der erste Hafen um 900 befand sich bei der heutigen Rolandsbrücke am alten Reichenstraßenfleet, das um 1878 zugeschüttet wurde.

Die Keimzelle Hamburgs

Nach dem Ursprung Hamburgs haben Archäologen und Historiker lange gesucht, es liegt einen Steinwurf von Hamburgs Einkaufsmeile, der Mönckebergstraße, entfernt, am alten Domplatz. Hier errichteten Siedler im 8. Jahrhundert die Hammaburg, Bischof Ansgar ließ dort wahrscheinlich die erste Kirche, einen Holzdom, errichten. Im 13. Jahrhundert wurde an dieser Stelle der 1805/06 wieder abgerissene Mariendom gebaut, Hamburgs älteste Kirche. Heute ist der Domplatz, die Keimzelle Hamburgs, eine schlichte Grünfläche mit 39 weißen, quadratischen Bänken, die für die Pfeiler der fünfschiffigen Haupthalle des Doms stehen.

1842: Der große Brand wütet in Hamburg. An der Zollenbrücke steht ein Entlade-Kran für die Warenanlieferungen. Quelle: LN

Dass eine Stadt so mit ihrer jahrtausendealten Geschichte umgeht, macht Stephan Hormes etwas fassungslos. Um das alte Antlitz der Stadt erkennbar werden zu lassen, hat er Hamburg zunächst am Rechner erkundet, ist mit Google Streetview durch jede Straße geflogen und hat die Stadt dann zwei Monate lang mit dem Fahrrad durchstreift und zu Fuß durchlaufen, um alle alten Gebäude und Zeugnisse der Geschichte zu verorten.

Heute liegt die Ellerntorsbrücke mitten in der City und wirkt wie ein Relikt zwischen den modernen Fassaden der Bürohäuser. Quelle: LN

In der Karte sind nun 14 000 Altbauten aus der Zeit zwischen den Jahren 1250 und 1925 markiert, fast 1000 Stadtdetails erfasst: besondere Gebäude, Stadttore, Kontorhäuser, Fabriken – und versteckte Plätze wie das Café im Bahnhof Hasselbrook, wo alte, lasierte Kacheln die Wände schmücken und die Zeit stehengeblieben scheint. Solche Orte liebt Stephan Hormes. Seine Hamburg-Karte rückt diese Zeitkapseln wieder in den Blick – fast 1000 Stadtdetails sind zu entdecken: Kontorhäuser Wohnterrassen, alte Fabriken. Visualisiert sind aber auch künftige Projekte wie der Elbtower. Auf den Spuren der Zeiten geht der Blick auch in die Zukunft – mit leiser Nostalgie.

Info:Die Hamburg-Karten Teil 1 (Zentrum, 7,95 Euro) und Teil 2 (Zentrum und Vorstädte, 11,90 Euro) ist zu beziehen über den Buchhandel und das Internet.

Von Regine Ley

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