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Kultur im Norden Lübecker Opernchefin schmeißt hin
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17:53 06.09.2019
Die Lübecker Operndirektorin Dr. Katharina Kost-Tolmein hört zum Ende der Saison auf und kündigt vorzeitig ihren Vertrag. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Das Lübecker Theaterbeben geht weiter: Katharina Kost-Tolmein wird zum Ende der aktuellen Spielzeit ihr Amt niederlegen. „Ich war lange in Lübeck, im kommenden Sommer werden es 15 Jahre sein. Eine gute Zeit, um noch einmal neu anzufangen“, sagt sie. Erst im vergangenen Jahr war ihr Vertrag bis Ende der Spielzeit 2021/22 verlängert worden. Warum der plötzliche Sinneswandel? Als Gründe nennt sie die Entwicklungen der vergangenen Monate am Theater. Der finanzielle Druck sei sehr hoch, eine Planungssicherheit sei nicht gewährleistet. „Dinge ändern sich. Mit dem Weggang des Geschäftsführenden Theaterdirektors Christian Schwandt zum Ende dieser Spielzeit und dem Amtsantritt des neuen GMD Stefan Vladar ist eine Zäsur in der Entwicklung des Theaters erreicht. Ich möchte dem Haus Raum geben, sich neu zu orientieren.“

Entscheidung kam überraschend

„Ihre Entscheidung kam total überraschend für mich“, sagt Theaterdirektor Christian Schwandt. „Der Druck in allen Sparten des Theaters ist einfach sehr groß, wir kämpfen finanziell ums Überleben.“ Insofern kann er ihre Entscheidung nachvollziehen. Dennoch sei ihr Weggang ein Verlust für Lübeck. „Sie hat unglaublich tolle Arbeit geleistet.“ Er erinnert etwa an das deutschlandweit beachtete Wagner-Mann-Projekt am Theater Lübeck, die Lübecker „Don Carlo“-Inszenierung von Sandra Leupold, die den Theaterpreis „Faust“ erhielt, und an Leonard Bernsteins peppige Totentanz-Vision „Mass“. „Sie hat sich mit ihrer Auffassung von zeitgenössischen Inszenierungen manchmal gegen viele Widerstände durchgesetzt.“

So prägte Operndirektorin Katharina Kost-Tolmein das Musiktheater in Lübeck: Wir blicken zurück mit den schönsten Bildern der Opern-Inszenierungen in Lübeck

Katharina Kost-Tolmein, geboren 1973 in Ludwigshafen, studierte Klavier in Karlsruhe und Brüssel sowie Musikwissenschaften und Philosophie in Heidelberg. Erste Engagements führten sie ab 1997 in die Operndramaturgie des Nationaltheaters Mannheim und ans Theater Heidelberg. Seit der Spielzeit 2005/06 war sie am Theater Lübeck zunächst als Dramaturgin, dann als Stellvertreterin des Operndirektors und ab 2013/14 als Leiterin des Musiktheaters im Rahmen eines Direktoriums tätig.

Profilierte Künstler nach Lübeck geholt

Kost-Tolmein holte für Regie, Choreographie und Ausstattung profilierte Künstler wie Lorenzo Fioroni, Cordula Däuper, Peter Konwitschny, Sandra Leupold, Florian Lutz, Aniara Amos, Jochen Biganzoli oder Tilman Knabe an die Trave, spielte erstmals regelmäßig Barockopern und erreichte ein breites Publikum durch populäre Produktionen wie BernsteinsWest Side Story“.

Zustimmung, aber auch Kritik beim Publikum

Kost-Tolmein stand jedoch vor allem für zeitgenössisches und experimentierfreudiges Musiktheater, das beim Lübecker Publikum durchaus auch für heftige Kontroversen sorgte wie etwa die „Freischütz“-Aufführung in der vergangenen Saison. „Wir haben neue Spielformen ausprobiert, sehr unterschiedlichen, wagemutigen und experimentellen, spielfreudigen Künstlerinnen und Künstlern Raum gegeben und sind für unser breit aufgestelltes Repertoire mit intensiver Kommunikation, Zustimmung und Kritik durch das interessierte Publikum dieser Stadt belohnt worden.“ Deswegen habe ihr die Arbeit auch unter bisweilen schwierigen Rahmenbedingungen Spaß gemacht. „Meine Zeit hier war so toll, spannend und produktiv, dafür bin ich sehr dankbar.“

Nächste Premiere „Christophe Colomb

Gemeinsam mit dem GMD Stefan Vladar werde sie in dieser Spielzeit noch viele spannende Projekte umsetzten, die nächste Premiere ist am 12. Oktober die Oper „Christophe Colomb“ von Darius Milhaud. „Wir betreten mit dieser Erstaufführung Neuland.“

Moderne Musik findet man in diesem Jahr nicht im Konzertprogramm des neuen Generalmusikdirektors. „Ich bin kein Avantgarde-Freak“, sagte Stefan Vladar kürzlich im LN-Gespräch. „Aber zeitgenössische Musik hätte nicht in mein Konzept für diese Spielzeit gepasst.“

Welche Wege der neue GMD Stefan Vladar gehen will, lesen sie hier

Was Christian Schwandt sich für seine letzte Saison vorgenommen hat, lesen Sie hier

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