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Kultur im Norden Lust und Neugier auf das Wort
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18:10 29.06.2018

Der dänische König ließ das Weiße Haus neben dem Kloster Cismar 1828 für seinen Amtsschreiber errichten. Geschrieben wird dort immer noch: Die Lyrikerin Doris Runge verwandelt dort die Welt in Verse.

Seit 25 Jahren wird dort auch gelesen und über Literatur gesprochen. Nach einer privaten Lesung im Freundeskreis entstand 1993 die Idee, einen Verein zu gründen und Literatur von Relevanz in die Provinz zu holen. „Der Auftakt war furios“, sagt Doris Runge rückblickend. Ihr langjähriger Freund Klaus Happrecht stellte seine noch unveröffentlichte Mann-Biografie vor, mit ihm kamen die Schriftsteller Monika Maron und Hanjo Kesting nach Cismar.

Inzwischen blickt der Verein auf 250 Lesungen und literarische Gespräche zurück, Autoren wie Nobelpreisträgerin Herta Müller, Cees Nooteboom, Sarah Kirsch, Alisa Walser, Lars Gustafsson, Walter Kempowski und Birgit Vanderbeke waren zu Gast in dem Haus, in dem die schönen Worte wohnen. Auch Lyriker wie Jan Wagner sind immer wieder dort und lesen Gedichte. „Wo, wenn nicht hier?“, fragt Doris Runge.

Es soll ausdrücklich keine Literaturelite angesprochen werden. „Wer zu uns kommt, braucht keine literarische Vorbildung oder besonderen Kenntnisse. Die einzigen Voraussetzungen sind Lust und Neugier auf das Wort und die Literatur“, sagt die Vereinsvorsitzende.

Literatur auf dem Lande – das Konzept funktioniert, etwa 100 Mitglieder tragen den Verein heute. Etwa 80 Besucher passen ins Weiße Haus, „wir waren noch nie weniger als 50“, sagt Doris Runge. Das ist nicht selbstverständlich bei Lesungen. Es hat einerseits mit den handverlesenen Autoren zu tun, andererseits mit der besonderen Atmosphäre an diesem fast schon magischen Ort. Man trifft sich in der großen Küche mit dem fast 200 Jahre alten Ofen, auf dem Köstlichkeiten der Hausherrin stehen. Man isst, trinkt, kommt ins Gespräch. In einer Festschrift zum 25. Jubiläum erinnern sich Autoren an ihre Besuche. „Der entrückte Ort, die private Atmosphäre, das lyrische Klingeln und das prosaische Wehen an allen Ecken und Enden des Weißen Hauses schaffen einen unvergesslichen Ort zum sich Preisgeben und Mitteilen“, schreibt dort der Kieler Autor Arne Rautenberg.

Morgen zum 25. Jubiläum wird in einer Lesung an verstorbene ehemalige Gäste des Weißen Hauses erinnert, die Veranstaltung ist ausverkauft. Doch es gibt in diesem Jahr noch zwei Gelegenheiten, den „entrückten Ort“ zu besuchen: Am 2. September erinnert sich Matthias Zschokke an einen „Sommer mit Proust“ und am 18. Oktober ist der Lyriker Heinrich Detering wieder einmal zu Gast. ph

LN

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