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Kultur im Norden C’est la vie – ein Lübecker geht seinen Weg
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18:51 30.12.2018
Künstler Marcus Kuperschmidt aus Lübeck hat sich in Paris einen Namen gemacht. Quelle: Marcus Kupferschmidt
Lübeck/Paris

Paris ist ihm anzuhören. „Entschuldigung, aber ich komme schon ein wenig mit den Sprachen durcheinander“, sagt Marcus Kupferschmidt am Telefon und versucht sich aufs Deutschsprechen zu konzentrieren. „Das bleibt irgendwie nicht aus“, gibt der 41-Jährige zu.„Kupfer“, wie ihn Freunde nennen, lebt zwar erst einige Jahre in der französischen Hauptstadt, aber wenn man den ganzen Tag dort lebt und arbeitet, geht einem der heimische Sprachbezug schon etwas verloren. Aber lübsch bleibt lübsch und nach anfänglichem Eingrooven ist Marcus auch wieder ganz der gute alte Jung aus Lübeck, wie man ihn kennt.

Natürlich war es die Liebe, die ihn vor fünf Jahren nach Paris zog: Marcus hatte sein Studium in Hamburg gerade abgeschlossen, den Abschluss im „Kommunikations-Design, Kunst und Neue Medien“ ganz frisch in der in der Tasche, als seine französische Freundin und er beschlossen, es gemeinsam in Frankreich zu versuchen. Von der Waterkant an die Seine. Von Bier zu Wein. Von Plattitüde zu Attitüde.

Das Abenteuer war unbedarft, aber unbedarft war Marcus schon immer.

Bilder und Werke des Lübecker Künstler Marcus Kupferschmidt,. Quelle: Marcus Kupferschmidt

Vom Holstentor zum Eiffelturm

Aufgewachsen in Lübeck Karlshof hat er schon als Kind immer gern den Stift in die Hand genommen und mit seiner Spielfreundin aus der Nachbarschaft gemalt – bis deren Mutter feststellte, wie gut der Knirps das bereits konnte und ihn schon in jungen Jahren darauf aufmerksam machte. In der Grundschule malte Marcus fleißig weiter und irgendwann auch mal einen Hahn, der so gut gelungen war, dass die Lehrer ihn noch 15 Jahre im Flur hingen ließen.

Später auf der Otto-Anthes-Realschule ging es weiter mit dem Malen und erste landes- und bundesweite Wettbewerbe folgten, die Marcus mit seinem Talent nutzte. Und trotzdem wollte er zunächst gar kein Künstler werden – sondern Komissar! Aber der Weg ist ja bekanntlich das Ziel und so führte er Marcus immer wieder in Richtung Papier.

Seinen „ersten ernsthaften Zugang zur Kunst“, wie er sagt, gewann er durch den Lübecker Künstler Uwe Rieckhoff. Später machte er sich auch in einigen Stadt-Projekten in Lübeck einen kleinen Namen. Und irgendwann war es klar, dass er seine Leidenschaft zu seinem Beruf macht. Er ging nach Hamburg, um zu studieren. Er hatte Kommilitonen aus aller Welt und tolle künstlerische Einflüsse, die ihn weiter prägten.Der Aufschlag in Paris war groß: „Die Szene hier ist natürlich riesig und es gibt ein Vielfaches mehr an Galerien als zum Beispiel in Hamburg.“ Aber es gibt auch ein Vielfaches an Ausschreibungen. Wettbewerben. Messen.

Die Szene in Paris ist groß

Marcus nutzte dieses Angebot. Immer wieder. Immer mehr. „Paris ist sehr offen und herzlich“, erzählt er. Er konnte seine Chance nutzen. Immer wieder. Immer mehr. Heute wohnt er mit Frau und Tochter Josephine in einem idyllischen Vorort von Paris und lebt ausschließlich von seiner Kunst. „Mal einen Monat besser. Mal schlechter. Aber es geht.“

DerLübecker Marcus Kupferschmidt und seine Arbeiten in Paris.

Und: Kupferschmidt ist inzwischen „Permanent Artist“, sprich fest ausstellender Künstler, in einer Pariser Galerie in der Nähe des Eiffelturms. Hier kann er seine „freie Arbeit“ zeigen. Hauptsächlich aber arbeitet er als Auftragskünstler, weil die Nachfrage nach seiner Arbeit so groß ist, dass sich private wie auch gewerbliche Auftraggeber direkt mit einem Motivwunsch an ihn wenden. Seine Arbeiten sind auch auf seiner Webseite ausgestellt. Kleinere Arbeiten verkauft Kupferschmidt schon ab 100 Euro, weil er möchte, dass er für jedes Budget etwas im Portfolio hat. Größere Aufträge haben nach oben natürlich keine Grenzen.

Inspiration bei einem Spaziergang an der Seine oder stundenlanges Sitzen vor einem leeren Blatt Papier am Eiffelturm ... ganz so malerisch darf man sich das Leben eines Modernen Künstlers in Paris nicht vorstellen: Marcus arbeitet hauptsächlich von Zuhause zwischen Bauklötzen und Kuscheltieren – und meistens arbeitet er nachts oder nachmittags, wenn seine kleine Tochter schläft.

Die Zeit ist knapp, die Auftragslage im Moment ziemlich gut.

Großes Spektrum an verschiedenen Stilen

Schaut man sich seine Arbeiten auf seiner Webseite an, ist es schwer, den Stil zu definieren aber es kommt ein Gefühl von Vielschichtigkeit auf. „Ja, das stimmt. Ich versuche ein großes Spektrum mit vielen Stilen zu bedienen“, erklärt Kupferschmidt. „Ich hab in den vergangenen Jahre viel an meiner Technik gearbeitet.“Die Bilder, die auf expressionistische Art und Weise entstehen, also aus seinem Gefühl und seiner Persönlichkeit heraus, sind die Arbeiten, die er als „seine Kunst“ versteht. „Da aber viele Leute auf realistische Sachen stehen und ein Boot auch als solches erkennen möchten, hab ich meinen ganz eigenen modernen Stil erarbeitet, weil ich aufgrund meines Studiums auch Grafik-Design beherrsche.“

Ein Bild aus der „Blauen Serie“ von Künstler Marcus Kupferschmidt, der in Paris lebt. Quelle: Marcus Kuperschmidt

Das heißt: Es entsteht eine vielschichtige, vielfältige Kunst. „Manchmal erscheinen verschiedene Motive in Serie auf verschiedenen Hintergründen. Manchmal entstehen Serien durch Farben. Grüne Bilder, blaue Bilder, rote Bilder.“ Es wirkt als lägen in einem Bild viele verschiedene Bilder aufeinander.

Details und weitere Infos gibt es bei Marcus Kupferschmidt auf der Webseite www.way2kool.de direkt per Mail unter der Adresse mk@way2kool.de.

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