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Kultur im Norden Max Liebermann und Hans Meid in Lübeck
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07:00 13.09.2019
Museumsleiter Alexander Bastek vor einem Selbstporträt Max Liebermanns in Öl am Eingang der Sonderausstellung. Quelle: Foto: Lutz Roeßler
Lübeck

Sonnenstrahlen flirren durch die Blätter der Birken, Lichtflecken scheinen über die Wiese zu tanzen auf dem bekannten Wannsee-Gemälde von Max Liebermann, einem Beispielwerk des Impressionismus. Ist so eine Leichtigkeit mit Nadeln auf Radierungen herzustellen? Ja, die Radierungen Liebermanns zeigen es. Etwa 500 Blätter umfasst das grafische Werk von Liebermann, und diese Seite des Künstlers kann man ab Sonntag in Lübeck entdecken. Dazu stellt Museumsleiter Alexander Bastek eine andere Neuentdeckung: den Grafiker und Illustrator Hans Meid. Inspiriert wurde er dabei von den Hans-Meid-Stiftung, die den Großteil der Werke von Hans Meid zur Verfügung gestellt hat.

Im Museum Behnhaus Drägerhaus in Lübeck sind Grafiken und Gemälde von Max Liebermann und Hans Meid zu sehen. Hier ein kleiner Einblick.

Goethe brachte beide zusammen

Auf der einen Seite also der Berliner Weltbürger und Malerstar Max Liebermann (1847–1935), auf der anderen Seite der in Pfortzheim geborene Hans Meid (1883–1957) mit einem Herzfehler, er war auch stark weitsichtig. Was eint die beiden Zeitgenossen, die eine Generation voneinander getrennt hat? „Ihre Wege haben sich mehrfach gekreuzt, und beide haben für den Kunsthändler und Verleger Paul Cassirer gearbeitet“, erklärt Bastek. So haben sie beispielsweise Gedichte von Goethe und Bibelszenen illustriert. Die Arbeiten hängen nebeneinander und lassen die unterschiedlichen Handschriften erkennen: Liebermann konzentriert sich auf einen entscheidenden Moment, verdichtet die Szene, polarisiert mit starken Licht- und Schatten-Effekten. Hans Meid erzählt in Geschichten, er gestaltet die Motive kulissenhaft und folgt seiner Neigung „zum Idyllischen und Märchenhaften“, sagt Bastek.

Illustrationen für Kriegsblätter

Beide sind auch als Illustratoren für Cassirers Künstlerflugblätter „Kriegszeit“ zu Beginn des ersten Weltkrieges tätig. Auf Betreiben Liebermanns musste der gesundheitlich geschwächte Meid nicht an die Front, sondern konnte als Kartierer arbeiten, so kam er auch in die Kriegsgebiete im Osten. Während Liebermann patriotische Titelbilder produzierte, sehen wir bei Meid das Elend der Soldaten an der Front und der Zivilisten.

Inspiration aus Holland und Italien

Die Schau im Behnhaus ist in fünf Kapitel unterteilt. Neben den Illustrationen und der Kriegszeit nehmen die prägenden Jahre im Ausland je einen Raum ein. Max Liebermanns Malerheimat war Holland, jährlich fuhr er im Sommer dorthin und malte Alltagsmotive. Berühmt ist sein Ölgemälde „Die Netzflickerinnen“, das in der Hamburger Kunsthalle hängt. In Lübeck ist die Radierung mit einem abgewandelten Motiv der Netzflickerinnen zu sehen – fünf Jahre später entstanden. Hans Meid fand seine künstlerische Heimat nach einem Stipendium in der Villa Romana in Italien, dort wurde er zu Serien zu „Othello“ und „Don Juan“ inspiriert.

Vom 15. September bis 5. Januar geöffnet

Vernissage

Die Ausstellung wird am Sonntag, 15. September um 11.30 Uhr eröffnet. Es sprechen

Senatorin Kathrin Weiher sowie Dr. Paul Franken, Vorstand der Hans-Meid-Stiftung.

Eine Einführung in die Ausstellung gibt Museumsleiter Dr. Alexander Bastek.

Die Ausstellung wird bis 5. Januar im Museum Behnhaus Drägerhaus zu sehen sein.

Führungen

Öffentliche Führung jeden Sonntag, 11.30 Uhr, 4 Euro zzgl. Eintritt

Mittagsführungen 9. Oktober, 13. November und 11. Dezember, 12 Uhr, 4 Euro zzgl.

Eintritt

Abendführungen 19. September, 17. Oktober, 21. November und 19. Dezember, 17

Uhr, 4 Euro zzgl. Eintritt

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der für 19,90 EUR im Museumsshop und über

den Michael-Imhof-Verlag erhältlich ist.

Workshop

„Alles geritzt“ Druckgrafik-Workshop für Kinder ab 10 Jahren. Ausgestattet mit Radiernadel

und Druckpresse werden unter Anleitung Bilder der liebsten Freizeitvergnügen

gestaltet. Samstag, 5. Oktober, 14 Uhr, 11 Euro, Anmeldung bis 3. Oktober erbeten

unter Kasse Behnhaus, Telefon: 0451-1224148, behnhaus@luebeck.de

Buchbares Angebot für Schulklassen

Kunst und Krieg Ausstellungsgespräch – nach Wunsch mit Flugblatt-Workshop

Thematisiert werden die unterschiedlichen künstlerischen und gesellschaftspolitischen Positionen der beiden

Künstler zum Ersten Weltkrieg anhand ihrer in der Zeitschrift

„Kriegszeit“ veröffentlichten Grafiken. Optional kann ein Kreativteil mit Gestaltung

eines modernen Flugblatts angefügt werden.

Dauer: 60 Minuten, mit Kreativteil 90 Minuten, Preis: 30 Euro / 45 Euro zzgl. 1,50 Euro

pro Schüler:in (2 Begleitpersonen frei), Information und Buchung bei Esther-Maria

Rittwagen, Telefon: 0451-1224260, esther-maria.rittwagen@luebeck.de

Badende, Polospieler, Flaneure

Den Großteil der Ausstellung macht das Thema „Impressionismus in Schwarzweiß“ aus. Die Grafiken zeigen Szenen aus dem Alltag – Badende am Strand, Polospieler, Flaneure, Straßenszenen. Liebermanns Gemälde mit diesen Sujets sind bekannt. die Radierungen der beiden Künstler lasen erkennen, dass es diese Leichtigkeit des Strichs, das Flirren des Lichts auch in Schwarzweiß gibt.

Insgesamt 122 Werke

Insgesamt sind 122 Werke zu sehen, darunter fünf Gemälde Liebermanns. Einige aus den Beständen der Lübecker Museen, viele sind Leihgaben der Stiftung Stadtmuseum Berlin.

Alle Adressen der Lübecker Museen und Kulturstätten erfahren sie hier

Von Petra Haase

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