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Kultur im Norden Meese-Ausstellungen vor der Eröffnung
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17:56 29.03.2019
„Nur die Kunst beheimatet uns! Basta, fertig ist die Laube“: Einige der großformatigen Gemälde von Jonathan Meese in der Kunsthalle.. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Die Familien-Aufstellung nach Jonathan Meese erreicht die zweite Stufe. Tragen die bisherigen Ausstellungen in der Petrikirche die Großeltern im Titel, sind die neuen in der Kunsthalle St. Annen und in der Overbeck-Gesellschaft Vater und Mutter gewidmet. Am Sonnabend, 30. März, werden sie eröffnet.

In der Kunsthalle sind etwa 120 Arbeiten zu sehen, eine Werkschau von den Anfängen an der Hamburger Kunsthochschule bis zu Bildern, die Meese eigens für die Lübecker Ausstellung gefertigt hat. Zeichnungen, Gemälde, Videos, Skulpturen, Objekte – es gibt eine ganze Bandbreite an Genres, und immer wieder taucht das Mutter-Thema auf. Wobei die Mutter bei Meese auch ein Mann sein kann, wie die Leitende Kuratorin Antje-Britt Mählmann bei der Vorstellung der Retrospektive sagte.

Vernissage und Signierstunde

Die Vernissage in der Kunsthalle beginnt am Sonnabend, 30. März, um 16 Uhr (Einlass ab 15 Uhr), in der Overbeck-Gesellschaft um 18 Uhr. Dort wird Jonathan Meese gegen 19 Uhr auch Drucke einer Zeichnung signieren, die er im Februar für die Lübecker Nachrichten gefertigt hatte. Man kann sie für 20 Euro kaufen.

So begegnen einem als mannshohe Bronzeskulptur Isis und Horus, Gottheiten aus der ägyptischen Mythologie, die für Geburt und Wiedergeburt stehen, für Zauberkraft und Vertrauen. Richard Wagner taucht immer wieder auf, der Übervater, der den kleinen Jonathan-Parsifal großformatig in die Welt entlässt. Es gibt autobiografische Collagen und kleine Puppenhäuser. Eine schlanke, schmale Arbeit erinnert an Japan, wo Jonathan Meese 1970 geboren wurde, ein Ritterbild an das mittelalterliche Erbe des Museumsquartiers St. Annen. Im Keller wartet neben Videoarbeiten auf drei Wänden ein Schwarm aus Plüschtieren und Objekten, als zögen sie wie eine Armee in die Schlacht. Und auf einem Gemälde steht: „Der Sohn des Führers: 2023“ – das Jahr also, in dem nach Meese die Diktatur der Kunst beginnen könnte.

Jonathan Meese ist in diesem Jahr in Lübeck gleich an fünf Orten zu erleben. Am 30. März werden die Stationen drei und vier eröffnet.

In der Overbeck-Gesellschaft hat er binnen drei Tagen einen Fries geschaffen, ein Panorama an Wänden und auf dem Fußboden. Aber ein Fries als Dekoration an herrschaftlichen Häusern sei für Meese mit Ideologie behaftet, also zu bekämpfen, sagte Overbeck-Direktor Oliver Zybok. Und damit man gleich orientiert ist, empfängt einen neben dem Eingang die Weisung: „Nur die Kunst beheimatet uns! Basta, fertig ist die Laube.“

Meese arbeitet auch hier mit Versatzstücken, die immer wieder auftauchen in seinen Werken. Zardoz, Conan, Alex de Large – sie transportieren eine Reinheit und Entschiedenheit, die wesentlich ist für seine Kunst. Eine Kunst im Übrigen, die er nur für sich mache, so Oliver Zybok. Deshalb sei in der Ausstellung auch „Go Home“ zu lesen. Aber wer bleibe, der müsse sich darauf einlassen. Der oft harschen Kritik an seiner Installation in der Petrikirche sei Meese denn auch mit dem Satz begegnet: „Wie schwach muss eine Kirche sein, wenn sie das nicht aushält.“

Performance in der Gollan-Werft

In St. Petri wird die Ausstellung jetzt abgebaut. Der Sonntag (31. März) ist die letzte Gelegenheit, alle vier Meese-Aktionen an einem Tag zu sehen. Im Grass-Haus und in der Kunsthalle laufen die Ausstellungen noch bis zum 4. August, in der Overbeck-Gesellschaft bis zum 9. Juni. Am 6. Juni findet in der Kunsthalle bei der Vorstellung des Ausstellungs-Kataloges ein Künstlergespräch mit Jonathan Meese statt. Und am 7. Mai macht er in der Gollan-Kulturwerft eine Performance. „Kind/Schlaf“ ist sie betitelt, der Schlusspunkt der Familien-Saga (Karten gibt es für 25/15 Euro unter: www.kulturwerft-gollan.de).

Allerdings sei Jonathan Meese erst der Anfang, sagte Hans Wißkirchen, der Chef der Lübecker Museen. Es sollten weitere Projekte folgen, um Lübeck auch jenseits seines Rufs als mittelalterliches Weltkulturerbe und Nobelpreisträger-Stadt bekannt zu machen. Die Reaktionen aus der Republik jedenfalls seien sehr positiv.

Peter Intelmann

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