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Kultur im Norden Mehr Vamp als Weib - „Jedermanns“ Buhlschaft
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17:25 22.07.2019
„Da ist Geselligkeit am End“: Valery Tscheplanowa als Buhlschaft und Tobias Moretti als Jedermann. Quelle: Foto: DPA
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Salzburg

Die Jedermann-Rufe und das Glockenläuten am Beginn sind immer noch etwas ungewohnt. Sie verkünden den nahen Tod des reichen Mannes und waren bis zu Michael Sturmingers Neuinszenierung von Hugo von Hofmannsthals Mysterienspiel immer erst in der zentralen Bankettszene zu hören. Ungewohnt ist auch das neue Outfit der Buhlschaft: Jedermanns Geliebte trägt bei der diesjährigen Premiere des Traditionsstücks am Sonnabend zur Eröffnung der Salzburger Festspiele einen durchbrochenen, fast durchsichtigen Hosenanzug. Und die gebürtige Russin Valery Tscheplanowa, die erstmals in der Rolle agiert, ist auch kein fesches Festspiel-Girl, sondern eine emanzipierte Frau mit rauchiger Stimme, mehr Vamp als Weib.

Buhlschaft singt mit rauchiger Stimme

Der Hype um die Buhlschaft ist in den vergangenen Jahren etwas abgeklungen. Zwar wird noch pflichtgemäß darüber berichtet, was Jedermanns Lebensabschnittsgefährtin diesmal trägt, aber es wird zugleich darauf hingewiesen, dass es sich bei der Buhlschaft eigentlich um eine sehr kleine Nebenrolle handelt. In der diesjährigen Premiere der Wiederaufnahme von 2017 darf Tscheplanowa ihrem Jedermann noch ein zusätzliches Ständchen singen, mit rauchiger Stimme im Stil der zwanziger Jahre. Später schlüpft sie noch in das knallrote Buhlschaft-Gewand.

„Da ist Geselligkeit am End“

Sturminger hatte 2017 den bisher modernsten „Jedermann“ kreiert und den Text gekürzt und umgeschrieben. Tobias Moretti spielt ihn etwas fahrig und weinerlich im Investmentbankermilieu. Bei einer Party an modischen Stehtischen ereilen ihn Wahnvorstellungen, Vorboten einer tödlichen Krankheit. Das ist alles ziemlich prosaisch, doch „Jedermann“ auf dem magischen Domplatz ist ein unverwüstliches Stück. Und schließlich geht es darin ja auch um ein zeitloses Thema: den Tod, der jeden jederzeit treffen kann: „Da ist Geselligkeit am End“.

Peter Lohmeyer als Sensenmann

Den Sensenmann gibt Peter Lohmeyer gewohnt souverän als punkig-androgynes Mischwesen mit Körperbemalung und Stöckelschuhen. Neu im Ensemble ist dieses Jahr neben Tscheplanowa auch Gregor Bloéb. Morettis Bruder gibt „Jedermanns guten Gesell“ als öligen Adlatus und spielt auch den „Teufel“, bleibt dabei aber etwas blass. Moretti selbst hatte das von 2002 bis 2005 in Christian Stückls noch recht klassischer Inszenierung bedeutend besser drauf.

Nächstes Jahr ist 100-jähriges Jubiläum

Anders als in den Vorjahren konnte die Premiere diesmal in gewohnter Weise auf dem Domplatz aufgeführt werden. Erst nach dem Schluss setzte Regen ein. Mit fast 700 Vorstellungen in einem knappen Jahrhundert – kommendes Jahr begehen die Festspiele ihr 100-jähriges Bestehen – ist Hugo von Hofmannsthals Mysterienspiel „Jedermann“ auf dem Salzburger Domplatz ein zentraler Bestandteil des weltgrößten Musik- und Theaterfestivals.

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