Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Kultur im Norden Mischa Maisky brachte die russische Seele nach Lübeck
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Mischa Maisky brachte die russische Seele nach Lübeck
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:51 25.11.2019
Er beherrscht alle Spielarten des Instruments: Cello-Star Mischa Maisky mit den Lübecker Sinfonikern in der MuK. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Ein rein russisches Programm boten GMD Stefan Vladar und die Lübecker Philharmoniker beim dritten Sinfoniekonzert in der MuK. Rein russisch, aber wie unterschiedlich! Dem vor genau 60 Jahren entstandenen ersten Cellokonzert von Dmitri Schostakowitsch stand die Schicksalssinfonie, die Fünfte, von Peter Tschaikowsky aus dem Dreikaiserjahr 1888 gegenüber. Weltklasse-Cellist Mischa Maisky war sicher ein zusätzlicher Anreiz zum Konzertbesuch.

Maisky spielte nicht „auf Teufel komm raus“

Schostakowitsch hat während der Stalin-Ära jahrzehntelang unter der Kulturdiktatur gelitten, musste neue Ideen in der Schublade verwahren. Stalin starb 1953. Sechs Jahr später arbeiteten der Komponist und der große Cellist Mstislaw Rostropowitsch zusammen am Es-Dur-Konzert, das Rostropowitsch 1959 aus der Taufe hob. Mischa Maisky nahm den Kopfsatz mit dem markanten Vier-Töne-Motiv erfrischend forsch, spielte aber nicht „auf Teufel komm raus“. Er arbeitete Atempausen ein, verstand sich bestens mit dem exakt begleitenden Orchester. Der langsame Satz ließ aufhorchen. Da wurden Passagen zelebriert, die fast zum Träumen einluden. Durch alle Schattierungen der Spieltechnik führte die fünf Minuten lange Kadenz.

Zugabe ebenfalls mit Cello und Orchester

Im Schlusssatz konnte man die Kunst des Komponisten bestaunen, Motive und Themen der vorhergegangenen Sätze noch einmal anklingen zu lassen. Auch für die Zugabe taten sich Maisky und das Orchester zusammen. Tschaikowsky wurde angekündigt, das Nocturne op. 19, Nr. 4, das der Komponist ebenfalls 1888 für Cello und Orchester bearbeitet hatte.

Klagen und Seufzer bei der Schicksalssinfonie

Zehn Jahre liegen im Schaffen von Tschaikowsky zwischen der vierten und der fünften Sinfonie. Er fühlte sich leer, ausgeschrieben, stürzte sich dann aber offenbar wie im Rausch in die e-Moll-Sinfonie. „Völlige Ergebung in das Schicksal“ notierte er zum ersten Satz der Fünften. Natürlich wurden zu Beginn in Stefan Vladars straffer Interpretation Klagen und Seufzer hörbar.

Finale als Hymne auf das Leben

Natürlich klangen immer wieder elegische, ja tragische Moment an. Der GMD ließ jedoch in keinem Satz langatmiges Lamentieren zu, machte notfalls aus Klagen Verzweiflungsrufe. Das Horn (Emanuel Jean-Petit-Matile) durfte sein Andante cantabile im zweiten Satz wunderschön aussingen. Weich klangen die korrespondierenden Orchesterstellen. Schnell aber malten die Musiker wieder aufgewühlten Seelenlandschaften im Fortissimo.

Der Walzer hatte nichts Unterhaltendes oder gar Wienerisches an sich. Entsprechende Stimmungen wurden von gröberen Einwürfen zerrissen. Ohne schicksalsschwere Passagen zu unterschlagen, geriet das Finale zu einer Hymne auf das Leben. Kein schlechter Kommentar zum Totensonntag! Die homogenen Streicher verbanden sich mit den geschmeidigen Holzbläsern und dem starken Blech zu einer geschlossenen Leistung, die Beifallsstürme und Bravorufe auslöste.

Spende von der Philharmonischen Gesellschaft

Um Musiker der Größenordnung von Mischa Maisky zu engagieren, bedarf es einer Aufstockung des regulären Konzertetats des Orchesters. Die Philharmonische Gesellschaft Lübeck/Lübecker Philharmoniker unterstützt die Sinfoniekonzerte mit einer Spende von 15 000 Euro für diese Spielzeit und ermöglichte damit unter anderem das Konzert mit dem Weltstar.

Von Konrad Dittrich

Mitte Juni lädt der Jazz wieder zum Festival nach Timmendorfer Strand. Bei der 30. Ausgabe werden unter anderem Viktoria Tolstoy, die NDR Bigband und Wolfgang Haffner erwartet.

25.11.2019

Prinzessinnen, Trolle, schusselige Raben, Elche, Wichtel und Schweinchen sorgen auf den Bühnen für eine aufregende Adventszeit. Sehen Sie hier einen Überblick der Stücke in Lübeck und der Region.

24.11.2019

Drei Schafe wurden vergessen, während die Herde zum Heiland trabt. Aus Sicht der Wolltiere erzählt das Theater Combinale in diesem Jahr die Weihnachtsgeschichte für Erwachsene. Ein tierischer Spaß mit Tiefgang – Premiere ist am 29. November.

25.11.2019