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Kultur im Norden Mit dem bösen Blick durch die Republik
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18:10 24.11.2017
Es gilt das gesprochene Wort: Walter Sittler liest Denk- und Lachwürdiges des Kabarett-Altmeisters Dieter Hildebrandt. Quelle: Foto: Felix König
Lübeck

2013 ist er gestorben, am vergangenen Montag vor genau vier Jahren. Er war einer der großen alten Männer des politischen Kabaretts. Münchner Lach- und Schießgesellschaft, „Notizen aus der Provinz“, „Scheibenwischer“ – er hat über Jahrzehnte mit Spott und scharfem Blick den Lauf der Dinge kommentiert. Das war für die, die die Dinge am Laufen hielten, nicht immer schön, die Zuschauer aber freute es umso mehr.

Hildebrandt war dabei nicht allein. Er stand in einer Tradition, und er stand auf den Schultern von Riesen. Kurt Tucholsky, Carl von Ossietzky, Erich Mühsam, überhaupt der Kreis um Siegfried Jacobsohns „Weltbühne“, das war sein familiärer Hintergrund. Und Erich Kästner, der vor allem. „Kästner war und ist mein Vorbild“, sagte er in einer Rede, als man ihm kurz vor seinem Tod den nach dem Dichter benannten Preis überreichte.

Sittler trug diesen Text im gut gefüllten Kolosseum vor, diesen und andere aus dem großen Hildebrandt-Fundus. Und er tat das in einer Manier, die den alten Meister immer wieder durchscheinen ließ.

Dieses Hildebrandt’sche Haspeln und Stolpern, dieses Stutzen und Innehalten mitten im Wort, das schon Hildebrandts Werner Finck zu einer schönen Meisterschaft geführt hat, das hat sich Sittler anverwandelt. Er ist Schauspieler, bekannt unter anderem aus der TV-Serie „Nikola“, aber er ist auch ein politischer Mensch und schon seit einiger Zeit mit den Texten Dieter Hildebrandts auf deutschen Bühnen unterwegs. Manche kommen aus alten Zeiten, und man zuckt leicht zusammen, wenn Namen wie Filbinger oder Leisler Kiep auftauchen und einem klar wird, dass das ja auch schon wieder einige Jahrzehnte her ist. Ähnlich ist es bei Herbert Wehner, den er als „eine Mischung aus Gysi, Wagenknecht, Trittin und Trapattoni“ vorstellt. Der böse Scharfsinn aber, mit dem Hildebrandt sie und andere ins Visier genommen hat, der hat nichts von seinem Funkeln verloren.

So geht er in seinen Texten staunend durch die Welt. Durch dieses große Rätsel Bayern, wo er lebte, aber bei Wahlen nie zu den Gewinnern zählte. Durch Berlin, wo Wowereit und Platzeck beim neuen Flughafen von gar nichts wussten, noch nicht mal, dass sie in dessen Aufsichtsrat saßen. Durch Kohls Bimbesrepublik, in der der Altkanzler „in aller Offenheit und Entschlossenheit, meine lieben Freunde“, Matthias Claudius rezitierte – viel Applaus, zwei Zugaben. int

LN

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