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Kultur im Norden Morgens um halb zehn im Kino
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18:42 01.11.2019
Gabi und Dierk Seger haben sich Karten für zehn Filme gekauft. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

„Es ist zu früh für den Zirkus“, singt Tom Waits, „und zu spät für die Bars.“ Eine Zwischenzeit, schwierig, schwierig. Was fängt man an mit einer solchen Stunde? Ins Kino gehen vielleicht. So wie Gabi und Dierk Seger, die jetzt hier gegen neun Uhr morgens im Eingang der Stadthalle stehen und auf „Jakob, Mimmi und die sprechenden Hunde“ warten, ihren ersten Film für heute. Den ersten von vieren.

Die Segers sind Ende vorigen Jahres von Schleswig-Holsteins Westküste nach Lübeck gezogen. „Eine lebenswerte Stadt“, sagen sie. „Ein schöner Ort, um älter zu werden.“ Auch wegen der Filmtage, bei denen sie schon im vergangenen Jahr gewesen sind. Jetzt haben sie am Sonnabend drei Stunden in der Schlange gestanden und Karten für zehn Filme gekauft. „Und diese Schlange“, sagt Dierk Seger, „das ist ein Mikrokosmos, psychologisch hoch interessant. Man müsste mal einen Film darüber drehen.“

Kürbis und Prosecco

Langsam wird es rege im Foyer, auch hinter den Theken gibt es erste Bewegung. Links in der Vitrine stehen Wein und Prosecco, rechts Bananen, Kartoffeln und Kürbisse. Dazwischen gibt es allerlei, was man sonst noch so braucht im Kino. Man hat die Wahl.

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Rainer Mennicken hat sich schon entschieden. Er wird jetzt erst „Die Spionin“ sehen, dann „Herzdame“ und danach zwei weitere Filme. Insgesamt werden es wohl ein Dutzend sein während des Festivals, sagt er. Auch er ist zugezogen, vor drei Jahren aus Linz, wo er als Intendant das dortige Landestheater geleitet hat. Die Filmtage hat er bisher „nur kursorisch“ mitbekommen, in diesem Jahr soll es intensiver sein.

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Bern, Pellworm, Lübeck

Julia Riez kennt das Festival seit Jahren. Sie kommt aus der Schweiz, eine evangelisch-reformierte Pfarrerin aus der Nähe von Bern. Sie ist immer mit einer Gruppe nach Lübeck gekommen, alle zwei Jahre mit bis zu 30 Kollegen, für die die Filmtage eine Weiterbildung waren. Jetzt im Ruhestand ist sie mit einer Freundin und Kollegin da. Vorher waren sie ein paar Tage auf Pellworm, „es hat stark gewindet“, jetzt schauen sie sich in Lübeck Filme an. „Bis zu vier am Tag kann man schaffen“, sagt sie. „Das ist die oberste Grenze.“

Am Dienstagabend haben sie „Olanda“ gesehen, fast drei Stunden über „Pilzpflücker in den Karpaten, absolut faszinierend“. Überhaupt seien die Filme hier thematisch „unglaublich interessant“. Sie mag die nordische Kultur, „das Melancholische“. Und sie mag Lübeck, „die Gänge, die Kirchen. Ich habe schon auf dem Bahnhof das Gefühl, nach Hause zu kommen. Ich denke, ich werde es schwer haben, auf Lübeck zu verzichten.“

„Das muss aufhören“

Während an den Schaltern bei Andrea Krüger-Hansen und ihren Kollegen noch immer einige der rund 500 angemeldeten Journalisten, Branchenvertreter, Schauspieler und anderen Gäste ihren Rucksack mit den Unterlagen und die Akkreditierung abholen müssen, stehen draußen Dinah Höing und Elke Hoffmann und protestieren gegen den Walfang auf den Färöer-Inseln. „In diesem Jahr sind wieder Hunderte Wale abgeschlachtet worden“, sagen sie. „Das muss aufhören. Früher hatte die Jagd wirklich Sinn, da ging es um Nahrung. Heute isst das toxische Fleisch doch keiner mehr. Jetzt ist es einfach nur noch Mordlust. Es gibt Traditionen, die man abschaffen muss.“

Vor der falschen Tür gewartet

Ein paar hundert Meter, im Kolosseum läuft gerade „Taiki“, ein Kinder- und Jugendfilm aus den Niederlanden. Schulvorstellung. Und auch die Jungs, die vorhin noch vor der verschlossenen Stadthalle gestanden und irgendwann gemerkt haben, dass das die falsche Tür ist, sind inzwischen drin.

Im Foyer sitzt Linda Lu Wulf und sagt: „Sie kommen meist anders raus, als sie reingehen.“ Sie reden über den Film, heißt das. Der Film hat etwas mit ihnen gemacht. Sie haben sich eine Zeit lang auf eine Geschichte konzentriert, und sie hat sie offenbar erreicht. So wie bei dem Fußballfilm im vergangenen Jahr, als die jungen Leute begeistert waren und wie wild applaudiert haben und der anwesende Regisseur gar nicht recht wusste, wie ihm geschah.

Linda Lu Wulf betreut den Einlass im Kolosseum. Seit Jahren macht sie das und nimmt sich dann für das Festival immer frei an der Technischen Hochschule, wo sie arbeitet. Das Kolosseum mit seinen rund 500 Plätzen ist der größte Kinosaal bei den Filmtagen. Vorne in der Lobby gibt es eine Lounge mit Craft Beer, Sesseln und Büchern.

Wer es ein bisschen ruhiger mag, ist hier gut aufgehoben. Nein, sagt Frau Wulf, ein Bier morgens um zehn hat sie noch bei keinem Gast erlebt. Kaffee schon eher, auch bei den Lehrern, die mit ihren Schulklassen kommen. Andererseits wäre ein frühes Bier auch so unmöglich nicht. „Während der Filmtage verschwimmen ja Tag und Nacht“, sagt sie. „Da wird alles eins.“

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Von Peter Intelmann

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