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Kultur im Norden „Moulin Rouge“ in der Zwickmühle
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17:19 26.07.2019
Die Chemie stimmt nicht: Karen Olivo als Satine und Aaron Tveit als Christian. Quelle: Al Hirschfeld Theatre/dpa
New York

Wenn im Englischen ein „Elefant durchs Zimmer“ geht, wird etwas offensichtlich Problematisches nicht angesprochen. Im Al Hirschfeld Theater am New Yorker Broadway können die Zuschauer diesen Elefanten jetzt in gleich dreifacher Ausführung erleben: Zum einen ist er groß im Bühnenbild der gigantischen Musicalproduktion „Moulin Rouge! The Musical“ zu finden, zum anderen funktioniert er als Kritik an den Problemen des Stücks. Und er steht drittens symbolisch für eine Branche, die einen Film- und Promi-Stoff nach dem anderen auf die Bühne bringt, aber zuletzt kaum eine erfolgreiche Originalshow inszenieren konnte. Aber der Reihe nach.

Der Elefant im Bühnenbild thront über den Rängen im oberen Teil des Theaters, mehrere Meter hoch ragt sein Rüssel hinunter in den Zuschauerraum. Ihm gegenüber steht die rote Windmühle des Pariser Revuetheaters, bekannt aus Baz Luhrmanns Musicalfilm von 2001. Unter den beiden liegt eine Bühne mit gigantischer Tiefe und einigen der atemberaubendsten Aufbauten, die derzeit auf der berühmtesten Theatermeile der Welt zu sehen sind.

So alt wie der Eiffelturm

Das Moulin Rouge gilt als das berühmteste Cabaret der Welt. 1889 wurde es im Pariser Künstlerviertel Montmartre von Joseph Oller gegründet, im selben Jahr übrigens, in dem Gustave Eiffel den nach ihm benannten Turm eröffnete. Das Moulin Rouge war Varieté, Ballsaal, Revuetheater und Kino, in dem Künstler wie Colette, Edith Piaf, Yves Montand und Jean Gabin zu sehen waren. Henri de Toulouse-Lautrec malte 1891 das erste Werbeplakat für das Haus mit der roten Mühle auf dem Dach.

Die Dimensionen des 130 Minuten langen Stückes sind für deutsche Verhältnisse kaum vorstellbar: Die Wirtschaftsseite Bloomberg schreibt von einem Budget in Höhe von 28 Millionen Dollar (25 Millionen Euro) – für eine ähnliche Größenordnung wird in Deutschland eine komplette Staffel der opulenten Weimarer-Republik-Serie „Babylon Berlin“ gedreht.

Hier in New York aber, da knallt das Feuerwerk, da schnurren die Tänzerinnen in engen Glitzerkostümen über die Bühne, und es dröhnen die bekannten Pophits. Wie schon im zweifach oscarprämierten Film aus dem Jahr 2001 wird die Geschichte mithilfe von erfolgreichen Hits erzählt. 60 Songs sind es insgesamt, darunter auch einige neue Lieder wie die überzeugend eingebauten „Fireworks“ oder „Shut Up and Dance with me“. Und die Story? Die ist beinahe zweitrangig.

Prekäre Existenz

Erzählt wird die Liebesgeschichte der unheilbar kranken Satine, Tänzerin im Revuetempel Moulin Rouge, und des verarmten Autors Christian, Ende des 19. Jahrhunderts gerade frisch in Paris angekommen. Im Vergleich zum Film dimmt das Musical die prekäre Existenz der Hauptfiguren herunter, das verletzlich von Nicole Kidman und Ewan McGregor gespielte Paar im Mittelpunkt wird hier von zwei blendend aussehenden und technisch versierten Pop-Musicalstars verkörpert, Karen Olivo und Aaron Tveit.

Beide machen ihre Sache für sich genommen sehr gut, und doch stehen sie für den zweiten Elefanten im Raum: Ihre Chemie passt zumindest in den Preview-Wochen noch nicht, manche der überdrehten Gags lassen noch das letzte Stückchen Timing vermissen. Dieses Vergnügungspark-Spektakel ist das Bunteste und Größte, das der Broadway derzeit zu bieten hat und schon deshalb lohnenswert, aber am Ende ist das Ganze auch ein klein bisschen weniger als die Summe all seiner Einzelteile.

Zweites Leben

Das Stück steht aber auch beispielhaft für die großen Broadway-Trends der vergangenen Jahre, den dritten Elefanten, über den zunehmend diskutiert wird: Neue Stoffe wie das charmante Highschool-Stück „The Prom“ oder das aufgedrehte Science-Fiction-Pop-Musical „Be More Chill“ holen ihre Millionen-Budgets nicht rein. Sie schließen in New York nach wenigen Monaten und müssen hoffen, in einem zweiten Leben auf Tour durch die USA doch noch einen Gewinn zu erzielen.

Aber auch groß angekündigte Titel, die auf bekannten Filmmarken oder Superstars aufbauen, haben es schwer. „King Kong“ und „The Cher Show“ schließen bald mit Verlust, und auch für „Pretty Woman“ senkt sich in wenigen Tagen zum letzten Mal der Vorhang. Am 18. August ist in New York Schluss, aber das Stück mit der Musik von Bryan Adams hat bereits die Zweitverwertung im Blick: Am 29. September ist Premiere einer deutschen Version in Hamburg.

Tickets für 400 Dollar

Ein Grund für die kommerziellen Probleme vieler Musicals könnten auch die für deutsche Verhältnisse kaum vorstellbaren Ticketpreise sein: „Moulin Rouge“ verkauft seine Eintrittskarten im Schnitt für 189 Dollar, weite Teile des Parketts an einem Sonnabend kosten sogar um die 400 Dollar. Wie singt dazu der Moulin-Rouge-Betreiber im Stück? „Spectacular! Spectacular!“

Christian Fahrenbach

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