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Kultur im Norden Die „Weiße Rose“ als Kammeroper
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16:18 24.06.2019
Die letzten Stunden vor der Hinrichtung: Sophie und Hans. Quelle: Olaf Malzahn
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Lübeck

Das Schicksal der Geschwister Sophie und Hans Scholl und der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ stellte der Dresdner Komponist und Dirigent Udo Zimmermann in den 1980er Jahren in seiner 75-minütigen Kammeroper dar. Dabei handelt es sich weniger um ein theatralisches Werk als um eine reflektierend-epische Komposition. Auch wenn sich bei der Aufführung in der Musikhochschule am Sonntagnachmittag (23. Juni) gelegentlich der Eindruck von Betroffenheitspathos nicht von der Hand weisen ließ – dabei ohne irgendeinen dramatischen Gang einer „Handlung“ in diesen Szenen –, so beeindruckte doch die Intensität in der Nachzeichnung der psychologischen Vorgänge der beiden Hauptfiguren, die 1942 von den Nazis hingerichtet wurden.

Vielleicht verstärkte sich diese Nachdrücklichkeit noch durch den Einfall des Regisseurs Selcuk Cara, die beiden Gesangspartien für Sopran und Bariton auf sieben Sängerinnen und zwei Sänger zu verteilen. Somit schlug er einen Bogen zur Gegenwart, wo inzwischen gesellschaftliches Engagement bei jungen Menschen ein globales und über die Parteipolitik weit hinausweisendes Phänomen darstellt.

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Hier überzeugten die jungen Gesangsstudentinnen und -studenten, die sich teilweise in den Stimmtimbres verblüffend ähnelten: Lea Bublitz, Celina Denden, Misaki Kobayashi, Tania Renz, Rocio Reyes Romero, Maria Skandalidou, Christin Stanowsky, Hussain Atfah und Martin Trømborg wurden mit sicherer Hand auch musikalisch durch die beiden anspruchsvollen Partien von Robert Roche geleitet, der die reduzierte Orchesterfassung mit Savina Marinova (Flöte), Mana Tabata (Horn), Yun-Fang Shen (Schlagzeug), Stefan Veskovic (Klavier), Iora Kama (1. Violine), Esther Hermann (2. Violine und Viola) souverän zu realisieren vermochte.

Dieter Kroll