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Kultur im Norden „Immenhof“ nicht an Originalplätzen gedreht – das sagt die Regisseurin
Nachrichten Kultur Kultur im Norden „Immenhof“ nicht an Originalplätzen gedreht – das sagt die Regisseurin
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16:59 21.01.2019
Sharon von Wietersheim schrieb das Drehbuch und setzte den neuen Immenhof-Film in Szene – allerdings nicht vor der Original-Kulisse in Schleswig-Holstein. Quelle: Kai von Kroecher, Berlin
Lübeck

Mit ihrer NeuverfilmungImmenhof – das Abenteuer eines Sommers“ will Sharon von Wietersheim an den Erfolg der mehr als 60 Jahre alten Immenhof-Klassiker anknüpfen. Im LN-Interview erklärt die Regisseurin, warum die alten Heimatfilme eine Fortsetzung in der Neuzeit verdient haben.

Frau von Wietersheim, reiten Sie eigentlich selbst?

Ja, ich habe mit fünf Jahren angefangen, zu reiten und war aktive Reiterin. Mein Vater hat für mich die wahrscheinlich kleinsten Reitstiefel anfertigen lassen, die es je gab.

Und die alten Immenhof-Filme kennen Sie wahrscheinlich auch schon aus Ihrer Kindheit?

Das war bei uns Familientradition: Als meine Kinder noch klein waren, habe ich mir zwischen Weihnachten und Neujahr immer eine kleine Auszeit genommen. Da saßen wir dann im Hausanzug daheim und haben Filme geguckt: Immenhof, Sissi und Dornenvögel, wirklich jedes Jahr, das war die schönste Zeit. Was ich an den Immenhof-Filmen so mochte, war diese Verbundenheit zur Heimat, das Reiten, das Wasser. Heute ist das Thema Heimat gar nicht mehr so in unserem Bewusstsein – ich wollte mit dem Immenhof-Film auch ein bisschen dahin zurück.

Die Immenhof-Filme sind Kult, seitdem die erste, an den Erfolg des Romans „Dick und Dalli“ angelehnte Verfilmung mit Heidi Brühl 1955 ins Kino kam. Es folgten 1956 „Hochzeit auf Immenhof“, 1957 „Ferien auf Immenhof“, sowie 1973 und 1974 „Die Zwillinge vom Immenhof“ und „Frühling auf Immenhof“. In den 70er Jahren wurde nicht mehr auf Gut Rothensande bei Malente am Kellersee gedreht, das den ersten drei Filmen als Drehort diente.

Sie haben auch das Drehbuch geschrieben und es sehr dicht an den ersten Immenhof-Film, „Die Mädels vom Immenhof“, angelehnt.

Ja, genau, wir haben nur auf die Großmutter rausgenommen. Dadurch ist eine andere Dynamik entstanden, weil nicht die Oma Jantzen die Probleme löst, sondern die drei Schwestern, die Waisenkinder sind und ums Überleben des Hofes kämpfen, alle Probleme eben selbst lösen müssen.

Was hat Sie an einer filmischen Neuauflage des „Mythos Immenhof“ so gereizt?

Die Rückkehr zur Natur. Ich wollte auch den Unterschied zum Hochleistungssport zeigen, weg von den Kandaren, von den Sporen, von den Peitschen. Das sind alles Werkzeuge, mit denen der Mensch dem Tier seinen Willen aufzwingt. Es geht mir um den artgerechten Umgang mit Tieren. In den alten Immenhof Filme haben die Isländer-Pferde eine ungeheure Aufmerksamkeit erhalten. Ich würde mir wünschen, dass wir die Menschen für die artenrechte Haltung von Pferden und auch für den Hochleistungssport, denen viele Pferde ausgesetzt sind, sensibilisieren. Aus diesem Grund haben wir uns für großbewachsene Pferde entschieden, obwohl sich auf dem Immenhof natürlich auch Isländer und Ponys tummeln. 

Haben Sie mit filmerfahrenen Pferden gedreht?

Absolut. Bei zwei Drittel des Films waren allein 75 Leute vor Ort, die für die Pferde verantwortlich waren. Was ich aber gar nicht wusste, war, dass es für „Cagliostro“ die erste große Rolle war. Und er hat das hervorragend gemacht, er musste ja immer das Gegenteil von dem tun, was die Schauspieler in ihrer Rolle von ihm wollten. Das sind dann Glücksmomente, wenn ein Pferd dann genau das tut, was du für den Schnitt brauchst. Nur die Szene im Moor konnten wir, da er so ein Heißblüter ist, nicht mit ihm drehen, der wäre uns ausgeflippt. Dafür haben wir dann Arron, ein Double, genommen, der genauso aussieht, aber ein ruhigeres Temperament hat. Wir haben einen Riesenaufwand mit den Pferden betrieben, aber es ist auch eine besonders schöne Atmosphäre, mit den Tieren zu drehen.

War Ihre Hauptdarstellerin Lou bereits eine erfahrene Reiterin oder musste sie das Reiten erst lernen?

Leia Holtwick reitet seit ihrer Kindheit, das ist so nicht in wenigen Wochen zu erlernen. Allerdings hatte ich bis vier Wochen vor Drehbeginn noch keine Hauptdarstellerin. Ich hatte über 2500 Mädchen für die Rolle gecastet, aber nicht die Richtige gefunden. Daran hing natürlich alles. Ich brauchte ein Mädchen, das Ecken und Kanten hat, eine, die vielleicht nicht so verbindlich mit Menschen ist, aber sehr warmherzig und verbindlich mit Tieren. Ich habe dann bei einer mir bekannten Model-Agentur angerufen und gefragt: Habt ihr nicht ein Mädchen, das reiten kann? Zwei Tage später kam die Leia, machte das Casting – und ich habe zum ersten Mal Gänsehaut bekommen und gewusst: Die ist es! Mit der Reitszene am Strand habe ich ihr dann später einen großen Traum erfüllt, ohne dass ich es wusste.

War das der erste Film für Leia Holtwick?

Ja, sie hatte überhaupt keine Erfahrung, stand vorher noch nie vor der Filmkamera.

Sie haben die ganzen Szene aber nicht am Originalschauplatz auf Gut Rothensande in Schleswig-Holstein gedreht?

Nein, das ging ja nicht, weil Gut Rothensande seit fast zwei Jahren umgebaut wird, das ist eine Baustelle. Wir haben in Mitteldeutschland, Bayern und Belgien gedreht.

Abenteuer Immenhof

Auf Gut Rothensande am Kellersee wurden die beliebten drei Immenhof-Filme der 50er Jahre gedreht. Das Gut steht seit 2010 unter Denkmalschutz; es wird derzeit umfassend saniert und zu einer Hotelanlage umgebaut. Der neue Film „ImmenhofAbenteuer eines Sommers“ ist am Donnerstag angelaufen.

Waren Sie selbst denn schon einmal auf dem Original-Immenhof?

Ja klar! Wir haben ja recherchiert und uns da oben alles angeschaut. Wir lieben die Landschaft dort, es ist eine wunder-wunderschöne Gegend.

Wo haben Sie dann ein zweites Immenhof gefunden?

Der Immenhof war ja weiß und hatte diese Türmchen, und wir haben dann nahe Augsburg einen Hof gefunden, der auch dieses Weiß hatte, die runden Türbögen und diese einzigartigen Türmchen. Das war gar nicht so einfach, den richtigen Schauplatz zu finden.

Mehr zum Thema: Neuer Immenhof-Film ohne Original-Drehorte

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