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Kultur im Norden Stadt-Bilder von Ralph Fleck
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17:25 25.06.2019
Ansichten und Draufsichten: Die Bilder von Ralph Fleck entstehen nach Fotografien. Quelle: Lutz Roeßler
Eutin

Das Thema will auf den ersten Blick so gar nicht in die grüne Idylle des Schlossplatzes passen: „Stadt“. Doch in der Ausstellung geht es dann ins pralle Leben, wenn auch fast ohne Menschen darin.

Ralph Fleck, geboren 1951 in Freiburg, Peter-Dreher-Meisterschüler, 2003 bis 2015 Professor für Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg und mehrfach ausgezeichnet, hat seine Eindrücke von Städten, Stadtvierteln und einzelnen Bauten zunächst fotografiert. Diese Fotos, erläutert Museumsleiterin Julia Hümme, hatten ihm im Atelier als Vorlagen gedient. Daraus entstanden An- und Draufsichten, die oft so plastisch wirken, dass sich der Betrachter das Berühren der hervorstehenden Farbnasen strengstens verbieten muss.

Schrottplätze und Müllhaufen

Ralph Fleck arbeitet mit Nähe und Ferne“, sagt Hümme, das Ergebnis sei spannend, vielschichtig und teilweise fast abstrakt. Er nutzt den Zoom-Effekt, wenn er wertfrei gewählte Motive wie Fahrzeuge, Schrottplätze oder Müllhaufen aus der Distanz dem Betrachter direkt vors Auge holt. Der Künstler überrascht in vielerlei Weise. Manchmal braucht es mehrere Momente, bis sich ein Bild ganz preisgibt, etwa bei der „Kaffeetasse“ aus dem Jahr 1998. Die Objekte heben sich beim Anschauen aus dem Hintergrund hervor, bis sich ein Ganzes formt.

Hümme und ihr Team haben sichtbar sorgfältig Sichtachsen geplant, die die räumlichen Dimensionen der großformatigen Stadtbilder unterstreichen. Das geordnete Straßenmuster von Paris, ein scheinbar in Hitze flirrendes Genua oder ein hässlich aufragender Hochbau in Londons City laden ein, die Arbeiten abzusuchen nach Details.

Studentenjob in der Papierfabrik

Wie bei den dreiteiligen Packpapierbildern. Hintergrund, erzählt Hümme, sei Flecks Job als Student in einer Papierfabrik gewesen, wo er dieses Material entdeckte und sich fast zu eigen machte. Aber nur fast, denn zwei bis drei Tage nach dem Malen mit Öl, erläutert die Museumsleiterin, verteile sich ein Teil der Fette rund um das Motiv, und die Bilder erhielten Rahmen wie Schattenwürfe, die nochmals Tiefe verleihen.

Bis zum 25. August

Eröffnet wird die Ausstellung „Stadt“ am Donnerstag (27. Juni) um 19 Uhr im Beisein des Künstlers mit einführenden Worten von Björn Engholm. Die Begrüßung übernimmt Kreispräsident Harald Werner.

Das Ostholstein-Museum (Schlossplatz 1) hat dienstags bis sonntags sowie an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Die Ausstellung läuft bis zum 25. August. Telefon: 04521/788 520.

Auch wenn die Motive nahezu frei von Menschen sind, ist ihr Tun und Wirken sehr präsent. Selbst die detailreichen Balkonbilder, die der Museumsleiterin übrigens den ersten Anstoß gaben, Ralph Fleck in Eutin zu zeigen. Die Balkone des Berliner „Sozialpalasts“ von 2006 während der WM mit zahlreichen Fahnen unterschiedlicher Nationen geschmückt, scheinen gerade erst von ihren Bewohnern verlassen worden zu sein. Wäschestücke hängen dort und Sonnenschirme sind aufgeklappt, einige Balkontüren und Fenster stehen offen. Menschliche Züge finden sich dagegen bei den Schaufensterpuppen aus den achtziger Jahren, die Silhouetten wie aus den besten Zeiten des „Denver Clan“ mit Schulterpolstern und volumiger Stufenfrisur, dazu überlappend die Reflektionen von parkenden Autos.

Echte Typen

Und dann dies: „Touristen und Portugiesen“. Echte Typen, wie man sie im urbanen Milieu an jeder Straßenecke antrifft. So authentisch individuell und doch so unglaubwürdig klischeehaft, dass wir sie alle persönlich zu kennen glauben, zumindest aber vom Sehen. Und uns wundern, wie sie in eine Kunstausstellung geraten sind.

Margitta True

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