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Kultur im Norden Das Böse ist immer und überall
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16:42 25.01.2019
„Alles, was man für einen Krimi braucht, ist ein guter Anfang und ein Telefonbuch, damit die Namen stimmen“, fand Georges Simenon.
„Alles, was man für einen Krimi braucht, ist ein guter Anfang und ein Telefonbuch, damit die Namen stimmen“, fand Georges Simenon. Quelle: Foto: lassedesignen /Stock.adobe.com
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Frankfurt

Gänsehaut-Bücher sind weltweit beliebt, deshalb widmen sich die Frankfurter Literaturtage an diesem Wochenende der Kriminalliteratur. Unter dem Motto „Global Crime“ werden zehn Autoren aus Lateinamerika, Asien, Afrika, Australien und Deutschland erwartet. Krimis gehörten in vielen Kulturen zu den meistgelesenen Romanen, böten aber eine immense Vielfalt der Sujets und Erzählformen, sagte der Kurator der Literaturtage, Thomas Wörtche.

Lebendig begraben in der Mongolei

Die Verlage haben sich drauf eingestellt und halten für das erste Halbjahr ein großes Repertoire an Spannungsliteratur bereit. Einen ungewöhnlichen Roman legt der in Paris lebende Ian Manook im Blanvalet Verlag vor. In seinem Debüt „Der Mongole. Das Grab in der Steppe“ muss Kommissar Yeruldelgger ein in der mongolischen Steppe lebendig begrabenes Mädchen ausbuddeln. Aus demselben Haus taucht zur Jahresmitte J.D. Barkers „The Fourth Monkey“ wieder auf, dieses Mal mit „Das Mädchen im Eis“. Nicht zu vergessen Marc Elsbergs neuer Roman „Gier“. Der Wiener Autor hat die soziale Ungleichheit zum Thema gemacht.

Der dritte Fall für Emmerich

Noch im Januar werden im Schwesterverlag Limes die schwedischen Ermittler Alex Recht und Frederika Bergmann in Kristina Ohlssons „Sündengräber“ aktiv. Im Mai serviert das Haus ein Kleinod: Autorin Alex Beer lädt wieder ins Wien der 1920er Jahre ein. Dort muss sich der kriegsversehrte Kriminalinspektor August Emmerich nicht nur gegen Eiseskälte aus Natur und Gesellschaft durchsetzen, sondern einen skrupellosen Mörder jagen. Nach „Der zweite Reiter“ und „Die rote Frau“ ist „Der dunkle Bote“ nun der dritte Krimi der Emmerich-Reihe. Noch einmal in den Norden führt der Schwede Matthias Edvardsson im März seine Leser in „Die Lüge“ – eine mörderische Familiengeschichte, erzählt aus drei Perspektiven. „Unfassbar gute düstere Spannung mit Südstaatenflair“ gesteht die „Times“ der Amerikanerin Laura McHugh zu, die ihren Roman „Im Sog der Schuld“ am Mississippi ansiedelt. Dort reißt ein Verbrechen eine Familie in den Abgrund.

Mord im Heidelberger Schloss

Längst kommt ein Großteil der Genre-Lektüre auch aus heimischen Landen. Wohl allen gerecht wird da eine Geschichte aus dem Südwesten Deutschlands mit einem schwäbischen Touch: „Eiskalt weggewischt“ heißt der humorige Krimi des Autorenteams Yvonne Schwegler und July Sjöberg, der im März im Pfefferkorn Verlag erscheint. In den dunklen Gängen des Heidelberger Schlosses geschieht ein Mord. Und zwei Putzfrauen sind irgendwie darin verwickelt.

Im Hause Droemer Knaur steht in diesem Jahr ebenfalls eine Reihe neuer deutscher Krimis auf dem Verlagsprogramm, angefangen bei Katja Bohnets „Krähentod“ im März, in dem das bewährte Ermittlerteam Saizew und Lopez Morde in Berlin aufklären muss. Unter dem Namen Hazel Frost feuert Bohnet im Juli ihren „Last Shot“ ab. Kerstin Cantz lässt in „Fräulein Zeisig und der frühe Tod“ im März eine der ersten Kriminalkommissarinnen Deutschlands in den 60er Jahren ermitteln, und Alexander Oetker wird im April mit den Zwillingen „Zara und Zoë“ in eine neue Serie starten. Nicht zuletzt präsentiert Deutschlands bekannter Rechtsmediziner Michael Tsokos im März mit „Abgeschlagen“ den Auftaktroman zu einer neuen True-crime-Serie.

Ingrid Noll und Martin Walker

Auf gute Bekannte greift Diogenes wieder zurück. Den Auftakt macht im Februar Deutschlands Krimi-Legende Ingrid Noll, die einen „Goldschatz“ hebt. Und noch ein diabolischer Vorgeschmack: Der Amerikaner Dennis Lehane lässt sein Ermittlerduo Kenzie & Gennaro an religiöse Fanatiker geraten in „Alles, was heilig ist“. Für April hat der Schotte Martin Walker zum elften Mal ins Périgord eingeladen, wo ein „Menu surprise“ serviert wird. Bruno gibt sich hier sozusagen in einer Doppelrolle: als Chef de Police und als Chef de Cuisine. Im Mai macht Commissario Brunetti wieder von sich Reden, zum 28. Mal. In „Ein Sohn ist uns gegeben“ kommt ihm einiges spanisch vor. Donna Leon holt dazu einen alten iberischen Kunsthändler nach Venedig.

Rund um das Kennedy-Attentat

HarperCollins schickt mal wieder Bestseller-Garant Tim Erzberg ins Rennen. In „Geisterfahrt“ muss die Helgoländer Polizistin Anna Krüger erleben, dass der Hamburger Dom mitunter alles andere als Volksbelustigung bietet. Interessant ganz sicher auch das Märzangebot des Verlagshauses: In „Destination Dallas“ des Amerikaners Lou Berney wird im November 1963 ein Mann zum Verschwörer wider Willen rund ums Kennedy-Attentat. Alex Lake, ein in den Staaten lebender Brite, ist mit seinem Roman „Wovon du nichts ahnst“ seit Jahresbeginn auf dem Markt und zugleich hochaktuell, denn es geht um Identitätsdiebstahl.

Ein sinnlicher Debütroman

Dass ein Thriller auch Appetit macht, beweist neben den Gourmets Martin Walker und Donna Leon nun auch Florian Harms. Die Jagd nach dem perfekten Geschmack führt seine Privatermittlerin Calanda in „Versuchung“. Der „sinnliche“ Debütroman des deutschen Journalisten erscheint im Februar bei Benevento publishing. Der österreichische Verlag lässt im März zu, dass Autor Martin Wehrle in „Die Ratte“ Brancheninterna preisgibt, natürlich fiktiv und keinesfalls aus dem eigenen Haus – Startschuss zu einer neuen Krimi-Reihe.

Frauke Kaberka