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Kultur im Norden Gelungener Einstand für den Orchesterchef
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17:47 04.02.2019
Der gebürtige Wiener Stefan Vladar wird ab August dieses Jahres das Philharmonische Orchester der Hansestadt Lübeck als Generalmusikdirektor leiten. Quelle: Olaf Malzahn
Lübeck

Stefan Vladar heißt der neue GMD der Lübecker Philharmoniker. Am Sonntag dirigierte er das erste Abonnement-Konzert mit „seinem“ neuen Orchester. Auf dem Programm standen ausnahmslos Werke der Wiener Klassik, die auf die österreichische Herkunft und kulturelle Heimat Vladars hinwiesen. Doch mehr als das bilden die „Sonnen am Wiener Himmel“ Ausgangspunkt und Zentrum der Konzertprogramme in aller Welt.

In Joseph Haydns B-dur-Symphonie Hob. I:68 von 1778 überzeugte sogleich der federnde, straffe und transparente Klang bei großer dynamischer Differenziertheit (gerade im piano-Bereich). Immer wieder gewährt der Mikrokosmos der Haydn’schen Symphonik neue Entdeckungen. Hier mussten die Hörner anfangs noch mit etwas Nervosität kämpfen, wobei insgesamt der offene Klang der Blechbläser in den Werken der Klassik heutzutage selbst in die traditionellen philharmonischen Orchester Eingang gefunden hat. Einige der Tutti-Sforzati hätten etwas weniger kompakt ausfallen können, doch wirkten Vladar und das Orchester beim auftaktseligen Menuett und dem wunderbar gelösten langsamen Satz in ihrem Element. Schließlich verfehlten auch die Haydn-typischen Witze im Finale (Fagotte!) ihre Wirkung nicht.

Anschließend war Vladar in Beethovens 2. B-dur-Klavierkonzert (das ja eigentlich chronologisch das erste ist) in Personalunion als Dirigent und Pianist zu erleben. Angemessen uneitel, mit lockerem jeu perlé und technischer Souveränität – bis auf eine verpatzte Fortspinnung in einem Eingang im Schluss-Rondo, der allerdings kaum bemerkt Solist und Orchester sofort wieder zueinander brachte, überzeugte Vladar auch als Pianist, der bei sparsamem Pedalgebrauch stets die ausgefeilte Balance zum Orchester wahrte. Hier reagierte das ungewöhnlich zahlreich erschienene Publikum mit einer Ovation im Stehen.

Nach der Pause erklang Schuberts 4. „tragische“ c-moll-Symphonie, die wiederum ihre Vorbilder Haydn, Mozart und Beethoven nicht verleugnet. Dabei waren durchaus auch tiefere Abgründe unter der Klangoberfläche zu vernehmen, so im Ernst der langsamen Einleitung oder in der flirrenden Begleitung der 2. Violinen und Violen im Finale, die an Mendelssohn denken ließ. Am Ende war das Publikum spürbar zufrieden mit diesem gelungenen Einstand. Immer wieder war großes Lob für dieses „schöne“ Programm wie auch für den Dirigenten/Pianisten und sein Orchester zu hören. Es bleibt Stefan Vladar und seinen Philharmonikern zu wünschen, dass sie auch mit den Meisterwerken der Romantik und des 20. Jahrhunderts und der Moderne einen ebenso natürlichen und überzeugungsstarken Zugang finden mögen.

Dieter Kroll

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