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Kultur im Norden So feiert das Günter-Grass-Haus 60 Jahre „Blechtrommel“
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17:06 18.12.2018
„Ein Museum für alle“: Grass-Haus-Leiter Jörg-Philipp Thomsa. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Im Grass-Haus wird umgebaut. Wer die Ausstellung betritt, findet im Vorraum künftig einen Kolonialwarenladen. Und zwar nicht irgendeinen, sondern den aus der „Blechtrommel“. Der Roman feiert im nächsten Jahr seinen 60. Geburtstag, und der Laden erinnert daran ebenso wie an das kleine Geschäft, das Grass’ Eltern im Danziger Labesweg betrieben haben.

Man findet alte Persilschachteln und Ata-Scheuersalz in den Regalen, alles aufwendig recherchiert und originalgetreu wie in den Zwanziger- und Dreißigerjahren. Korbflaschen stehen da, Tüten, Töpfe und Schachteln. Würste hängen aufgereiht, aus Säcken gucken Zwiebeln und Kartoffeln – wenn auch aus Plastik. Spielkarten erinnern an den legendären „Blechtrommel“-Skat im zerschossenen Danziger Postamt. Es gibt Kastanien, Teppichklopfer und Bonbons mit Blechtrommel-Logo. Und Blechtrommeln gibt es natürlich auch, fein gestapelt in rot-weißer Lackierung. Auf dem Tresen steht eine wuchtige alte Waage, und wenn man klein ist wie Oskar Matzerath, kann man durch eine Tür im Tresen verschwinden und durch eine andere wieder hinausschlüpfen.

Das kommt nicht von ungefähr, sagt Grass-Haus-Leiter Jörg-Phillip Thomsa. Das Haus solle „ein Museum für alle“ sein und Kinder und Erwachsene gleichermaßen ansprechen. Und man werde weiter verstärkt auf moderne Medien setzen. So gibt es in dem Ladennachbau zwar auch Hör- und Riechstationen, die einen den Roman sinnlich erfahren lassen, man kann durch ein Stofftürchen greifen und raten, was man da plötzlich in der Hand hat, aber im nächsten Raum soll ab dem Frühsommer aus der analogen eine virtuelle Welt werden. Mit Virtual-Reality-Brillen wird man dann erleben können, wie Oskarchen schicksalhaft die Kellertreppe hinunterstürzt und noch so einiges mehr. „Wir versuchen Literatur auf eine neue Art und Weise zu vermitteln“, sagt Thomsa. Das Grass-Haus werde zwar nicht zur Gamer-Hochburg, aber in den neuen Medien stecke „unheimlich viel Potenzial“.

Peter Intelmann

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