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Kultur im Norden NordArt: Kunst-Stücke XXL
Nachrichten Kultur Kultur im Norden NordArt: Kunst-Stücke XXL
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18:00 01.06.2019
In Schieflage: XI Jianjuns Arbeit „Babylonian“. Quelle: Björn Schaller
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Rendsburg/Büdelsdorf.

Allein in der Carlshütte stehen mehr als 22.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung – ein Pfund, mit dem sich trefflich wuchern lässt. Aus den für 2019 anfangs 200 geplanten Teilnehmern sind 340 geworden, bereits im Pavillon zum diesjährigen Länderschwerpunkt Frankreich sind Arbeiten von 171 Künstlerinnen untergebracht.

Bis Oktober

Die NordArt auf dem Gelände der Carlshütte in Rendsburg/Büdelsdorf ist bis zum 13. Oktober jeweils Di. bis So. von 11 bis 19 Uhr zu sehen.

Die Tageskarte kostet 14 Euro, eine Zwei-Tageskarte 22 Euro, die Saisonkarte 50 Euro. Eine Familienkarte gibt es für 17/30 Euro. Für Kinder bis 6 Jahre ist der Eintritt frei.

Führungen finden mittwochs um 15 Uhr, sonnabends um 11 und 13 Uhr zum Preis von 8 Euro plus Eintritt statt. Gruppenführungen nach Vereinbarung 100 Euro + Eintritt. Der Katalog kostet 25 Euro.

Infos unter: www.nordart.de

Markenzeichen der NordArt sind die Kunstwerke im XXL-Format. Sie sind die Hingucker der gigantischen Schau, und wie so oft haben hier wieder Künstler aus China die Nase vorn. „Die Chinesen schätzen die NordArt sehr“, sagt Inga Aru, die Chef-Kurator Wolfgang Gramm als Co-Kuratorin unterstützt. „Weil schon viele namhafte Künstler des Landes bei uns ausgestellt haben, bekommen wir jedes Jahr neue Bewerbungen aus China. Und viele Arbeiten haben politische Konnotationen.“

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H. Chr. Andersen bis Nelson Mandela

Die erste Halle besetzt Xi Jianjun mit „Babylonian“, einem gewaltigen hölzernen Turm, dessen zahllose Fenster von innen mit Zeitschriften aller Herren Länder tapeziert sind. Das begehbare Objekt, in dessen Innenraum Bilder bekannter Persönlichkeiten von Hans Christian Andersen bis Nelson Mandela hängen, thematisiert Vor- und Nachteile der Globalisierung und ist nach dem Vorbild eines Pagodentempels konstruiert, in dem östliche und westliche Kulturelemente miteinander verschmelzen.

Im hintersten Teil der Halle bricht Xis Landsmann Deng Guoyuan mit „Noah`s Garden“ eine Lanze für die Rettung der Pflanzenwelt. Sein Kabinett aus Glas und Spiegeln hat er mit einem floralen Innenleben aus bunten Fantasiepflanzen ausgestattet. Auch dieses Kunstwerk ist begehbar, der Besucher sollte jedoch einigermaßen trittsicher sein, denn das Objekt dreht sich langsam – inmitten all der Spiegel könnte man leicht die Orientierung verlieren.

Äste und Kabelbinder

Zwischen diesen beiden Großinstallationen ist jede Menge Raum für Kunst aus aller Welt. Ein eigener Bereich ist 22 Teilnehmern aus der Mongolei vorbehalten, ein weiterer Schwerpunkt der 21. NordArt. Breit ist das Spektrum der Protagonisten aus Chinas Nachbarland, es reicht von traditioneller Porträtmalerei im märchenhaften Gewand bis zur (verblüffend poetischen) Installation aus Ästen und Kabelbindern.

Besondere Berücksichtigung finden wie immer die Preisträger des Vorjahres. Teilweise sind ihnen eigene Kabinette reserviert, darunter die Chinesin Xiang Jing, die mit „Wut in Bewegung“ eine wehrhaft aufgerichteten Riesenschlange aus rotem Fiberglas aufgestellt hat. Ihr Landsmann Zhang Dali lässt lebensgroße Aktfiguren kopfüber von der Decke baumeln.„Chinesischer Nachwuchs“ heißt die Arbeit – ein Mahnmal für jene Bauen, die sich als Wanderarbeiter ihr Brot verdienen müssen. Mit flüchtigem Strich hat die Russin Ekaterina Zacharova impressionistisch anmutende Großstadtszenen festgehalten, der Tscheche Michal Gabriel, dem zur heutigen Eröffnung der NordArt-Preis 2018 in Höhe von 10.000 Euro überreicht wird, lässt gefleckte Raubkatzen durch die Gänge streifen und geflügelte rote Hirsche fliegen.

Trabbi auf Beinen

Ebenfalls aus Tschechien kommt David Černy - ein alter Bekannter für Kenner der NordArt. Der 52-Jährige hat einen ganzen Strauß von Arbeiten mitgebracht. Besondere Aufmerksamkeit dürfte „Quo Vadis“ erregen (1990), ein DDR-Trabbi, der auf vier menschlichen Beinen steht.

Hier und da sind in der Carlshütte natürlich auch künstlerische Positionen aus Deutschland vertreten. Eine geballte Auswahl findet man in der Wagenremise, wo mit 14 Künstlerinnen und Künstlern der Norddeutschen Realisten ein regionaler Akzent gesetzt wird.

Sabine Tholund

01.06.2019
01.06.2019