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Kultur im Norden Kämpfen für die Krume
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12:05 01.11.2019
„The County“: Inga (Arndís Hrönn Egilsdóttir) hat die Nase voll, von der Abhängigkeit, in der die Kooperative die Bauern hält. Quelle: Foto: Icelandic Film Centre
Lübeck

Island war viele Jahrhunderte ein bäuerlich geprägtes Land – wie auch der Norden Deutschlands. 70 Prozent der Isländer waren zu Beginn des 18. Jahrhunderts in der Landwirtschaft tätig. Heute sind es noch zwei Prozent. Es war und ist ein hartes Leben für die Bauern, für die es nach Gründung der ersten Kooperative im Jahr 1882 wirtschaftlich langsam aufwärts ging; die genossenschaftliche Vermarktung ihrer Erzeugnisse löste die Abhängigkeit von dänischen Kaufleuten. Das ist die gute Seite der Genossenschaften, die zum Teil bis heute existieren. Aber es gibt auch eine andere, dunkle Seite der Macht.

Eine Milchbäuerin probt den Aufstand

Davon erzählt der Isländer Grimur Hákonarson in seinem Film „The County“ („Milchkrieg in Dalsmynni“), der bei den Nordischen Filmtagen im Wettbewerb steht: Nach dem Tod ihres Mannes nimmt Inga auf dem hoch verschuldeten Hof das Heft in die Hand. Die Bosse der Genossenschaft drohen ihr wie anderen Bauern auch, ihr den Hof zu entziehen, wenn sie nicht weiterhin ihre Milch an die genossenschaftseigene Molkerei verkauft und überteuerte Preise für Dünger und Futter bezahlt. Das lässt die widerspenstige Milchbäuerin nicht mit sich machen. Sie initiiert die Gründung einer neuen, unabhängigen Kooperative.

Hier sehen Sie den Trailer zu „The County“

Es ist nicht der erste Film des jungen Regisseurs über das Landleben auf Island. In „Sture Böcke“, der NFL-Eröffnungsfilm 2015, dreht sich um zwei Schafzüchter, in „Wrestling“ (2007) begeben sich zwei junge Landwirte als Ausgleich zur Feldarbeit auf die Ringermatte. Grimur Hákonarson weiß, wovon seine Filme erzählen, er ist mit der Landwirtschaft aufgewachsen und versichert im LN-Gespräch, dass die mafiösen Machenschaften der Kooperative in „The County“ auf realem Vorbild beruhen – „einer großen und wirtschaftlich mächtigen Genossenschaft in Skagafjördur im Norden Islands“. Die kleine Gemeinde von Landwirten, in der seine Geschichte spielt, könne aber auch in andere, größere Zusammenhänge übertragen als Beispiel für die Strukturen von Machtmissbrauch und wirtschaftlicher Unterdrückung, sagt der Regisseur.

Weg vom Subventions-Tropf

Für die Bauern in Schleswig-Holstein heißt es wachsen oder weichen, wenn sie wirtschaftlich überleben wollen. Das erfährt auch Arne Sierck, der sich darauf vorbereitet, zusammen mit seinem Bruder Malte einmal den elterlichen Hof zu übernehmen – und den Familienbetrieb in siebter Generation zu führen. Weiter wachsen um jeden Preis – in stetiger Abhängigkeit von Agrarsubventionen – wollen sie nicht, da sind sich Eltern und Söhne einig.

„Born for Korn“: Der Dokumentarfilm zeigt, wie sich ein bäuerlicher Familienbetrieb in Schleswig-Holstein für die Zukunft aufstellt. Quelle: NFL

„Wenn man mit der Produktion von Nahrungsmitteln nicht mehr wirtschaftlich arbeiten kann, dann stimmt etwas nicht“, sagt Altbauer Arne Sierck. Er hat den Betrieb neu aufgestellt – mit einer eigenen Molkerei und Direktvertrieb. „Als Bauern sind wir Unternehmer, wir müssen wirtschaftlich erfolgreich arbeiten und uns dementsprechend aufstellen“, sagt Arne Sierck. Der Weg ist in die Zukunft ist bereitet für die nächste Generation – weg vom ewigen Subventions-Tropf.

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Von Regine Ley