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Kultur im Norden Linde Fröhlich: „Festivals sind Orte der Entdeckung“
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12:03 01.11.2019
Die Plakate sind da – aber einige Filme fehlen noch: Linde Fröhlich ist zuversichtlich, dass sie rechtzeitig ankommen. Quelle: Agentur 54°
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Lübeck

Seit 2001 ist Linde Fröhlich als künstlerische Leiterin verantwortlich für die Nordischen Filmtage Lübeck. Einen Tag vor der Eröffnung der 61. Filmtage haben wir sie getroffen.

Frau Fröhlich, wie ist der Stand der Dinge, sind alle Filme da?

Nein, aber, es gibt immer Filme, die noch zwischendrin ankommen. Aber diesmal sind es noch recht viele Filme, auf die wir noch warten. Zum Beispiel lag eine ganze Palette mit norwegischen Filmen beim Zoll in Hannover, aber einer der Filme ist irrtümlich in Lüttich gelandet, so dass der Zoll die Palette nicht abfertigen konnte. Dann stellte sich heraus, dass insgesamt sogar zwei Pakete aus Norwegen verschollen sind. Wir können nur hoffen, dass sie schnellsten gefunden werden, bemühen uns aber gleichzeitig um Ersatzlieferungen. Der Eröffnungsfilm ist mittlerweile eingetroffen, allerdings ohne Untertitel. Die müssen wir nun auch noch herbeischaffen.

Können Sie trotzdem ruhig schlafen?

Ich habe wunderbar geschlafen, denn wir haben ein tolles Team, und ich habe vollstes Vertrauen.

Wie viele Filme haben Sie in Vorbereitung des Festivals gesehen?

Ich habe knapp 400 gesehen, aber meine Kolleginnen und Kollegen haben weitere Filme angeschaut.

196 haben es ins Programm geschafft. Was muss ein Film haben, um in Lübeck gezeigt zu werden.

Er muss natürlich in die unterschiedlichen Sektionen passen, und es muss ein guter Film sein.

Was ist ein guter Film?

Ein Film, der gut gemacht ist, der eine gute Geschichte erzählt oder eine interessante Formsprache hat. Das Thema muss berühren oder  einen nachdenken lassen oder die Augen für Neues öffnen.

 Gibt es einen Schwerpunkt?

Wir legen besonderes Augenmerk auf Norwegen, das war ja auch gerade Gastland der Frankfurter Buchmesse. Wir haben in allen Sektionen tolle norwegische Beiträge,  etwa die internationale Premiere des Spielfilms „Die Spionin“ oder die sehr kuriose Serie „Magnus“ Oder Dokus über norwegische Schriftsteller wie Tomas Espedal und Ove Knausgard. Letzterer wird als Kurator einer Munch-Ausstellung porträtiert, die jetzt in Düsseldorf zu sehen ist, und Munch bringt ja wieder die Verbindung zu Lübeck, die besonders im Film „Munch in der Hölle“ herausgestellt wird.

Haben Sie versucht, Ove Knausgard nach Lübeck einzuladen?

Nein, er war ja gerade auf der Frankfurter Buchmesse, und im Literatursommer waren viele norwegische Autoren in Lübeck. Es ist auch schwer, während eines Filmfestivals einem Autoren die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken und zu garantieren.

 Die Klimadebatte war im vergangenen Jahr sehr dominant, Greta Thunberg kommt aus Schweden. Wie spiegelt sich das Thema bei den Filmtagen wider?

Über Greta ist ein Dokumentarfilm in Arbeit, den haben wir dann vielleicht nächstes Jahr. Die Debatte spiegelt sich stark im Dokumentarfilm- und Specials-Programm in vielen Naturfilmen. „Aquarela“ widmet sich dem Wasser in allen seinen Aggregatzuständen – in seiner Schönheit, aber auch  Gefährdung. So gibt es Bilder vom Baikalsee, über den die Menschen immer mit Autos gefahren sind. Aber das Eis hält nicht mehr überall und es gibt viele Unfälle. Auch die Bilder von den abbrechenden Gletschern sind sehr eindrücklich. Auch im Kinderprogramm gibt es wunderbare Naturszenen, etwa in „Eias Abenteuer im Eulenwald“, in dem ein Mädchen mit seinen Freunden einen Wald vor der Rodung bewahren will.

Lübeck ist ja auch Schaufenster des norddeutschen Films im Filmforum. Können Sie da aus dem Vollen schöpfen?

Die Zusammenarbeit mit dem NDR ist sehr gut,  aber bei uns können sich ja auch unabhängige Filmemacher bewerben und Filme einreichen. Es ist eine sehr kreative Szene,  gerade bei den Dokumentar- und Kurzfilmen. Viele Beiträge wechseln zwischen den Genres, wie bei dem Film „Coup“, der sich zwischen Spiel- und Dokumentarfilm bewegt und Animationssequenzen beinhaltet. 

 Seit Sonnabend gibt es Tickets, 17 000 sind schon verkauft, mehr als im Vorjahr. Was raten Sie den Kurzentschlossenen, die spontan zu den Filmtagen kommen?

Einfach gucken, was es gibt, es sind immer noch Karten übrig. Wir haben ja neun Spielstätten. Wenn eines nicht klappt, muss man woanders gucken. Festivals sind auch immer Orte der Entdeckung.

Das Programm, Hintergründe und Interviews finden Sie hier

 

Von Petra Haase