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Kultur im Norden LN-Filmtipps: Das sind die besten Filme im Wettbewerb
Nachrichten Kultur Kultur im Norden LN-Filmtipps: Das sind die besten Filme im Wettbewerb
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12:05 01.11.2019
Hohe Berge, tiefe Gefühle: „Der Sohn des Vogelfängers“ von Richard Hobert. Quelle: NFL
„Der Sohn des Vogelfängers“

Klein und gottesfürchtig stehen die Menschen auf den Färöern in der gewaltigen Natur. Als Esmar eine Tochter geboren wird, sagt seine Frau“Vergib mir!“, und der Vogelfänger geht nach draußen und brüllt den Himmel an. Denn er braucht einen Sohn, um sein Land zu behalten. Und dann haben sie einen Plan.

„Der Sohn des Vogelfängers“ ist ein Arrangement wie in einer klassischen Tragödie, der Kaukasische Kreidekreis vor 200 Jahren. Der schwedische Regisseur Richard Hobert macht daraus ein Kammerspiel am Rande der Welt. Hohe Berge, tiefe Gefühle, aber auf Rührseligkeit wird verzichtet, glücklicherweise.

Vorstellungen: 30. 10., 19 Uhr, Cinestar Kino 5; 31. 10., 10 Uhr, Kolosseum; 1. 11., 16.30 Uhr, Cinestar Kino 3; 3. 11., 19 Uhr, Kolosseum

„Meister Cheng“, ein chinesischer Meisterkoch, revolutioniert die finnische Küche in Sirrkas Diner. Quelle: The Yellow Affair

„Meister Cheng“: Im finnischen Nirgendwo hält ein Bus. Zwei Chinesen, Vater und Sohn, steigen aus. „Sirrkas Diner“ an der Bushaltestelle ist ihr ersten Anlaufpunkt. „Was hat die hierher verschlagen?“, fragen sich die dort Anwesenden – Dauergäste, die zum Inventar gehören, und ein paar Hungrige, die sich daran gewöhnt haben, das Sirrkas Speisekarte ausschließlich Würstchengulasch mit Kartoffelbrei bereit hält.

Was den Chinesen Cheng mit seinem Sohn Nunjo ins finnische Pohjanjoki verschlagen hat, wird sich erst im Verlauf des Films aufklären. Weil sie an diesem Tag nicht mehr weiterkommen, bringt Sirrka die beiden Gestrandeten für die Nacht unter – und als an nächsten Tag ein Reisebus mit Chinesen an Bord beim Diner eine Panne hat, kann Cheng sich erkenntlich zeigen. Sirrkas Würstchengulasch findet bei seinen Landsleuten wenig Anklang. Glücklicherweise ist Cheng ein Meisterkoch und überzeugt nicht nur die Gaumen der Chinesen. Sirrka mach an diesem Tag das Geschäft ihres Lebens, und Cheng bleibt.

Mika Kaurismäki, der ältere Bruder vom Meister der Melancholie, Aki Kaurismäki, hat einen leise erzählten Film vom Ankommen in der Fremde erzählt, vom Überwinden der Trauer und einem Neuanfang. Wie sein Bruder beherrscht er die finnische Kunst der Reduktion – kein Wort zu viel wird hier gesprochen, aber auch keines zu wenig. Hier wirken Bilder, Schauspieler und die überwältigende weite und Schönheit der Natur. Ein Film, der Kopf, Herz und Seele weitet. Ansehen!

Vorstellungen: 30.10., 19.30 Uhr, Cinestar, Kino 3; 1.11., 10 Uhr Cinestar, Kino 5; 2.11., 13 Uhr, Kolosseum; 3.11., 10 Uhr Kolosseum

„Herzdame“: Das Leben von Anne (l.) wird durch ihren Stiefsohn Gustav (r.) wild durcheinander geschüttelt. Quelle: Rolf Konow/NFL

„Herzdame“: Alles in bester Ordnung beim dänischen Ehepaar Anne (Trine Dyrholm) und Peter (Magnus Krepper). Die beiden sind Mitte 40, Eltern von ansehnlichen Zwillingsmädchen, sie leben in einem gepflegten Haus am Waldrand, haben angesehene Berufe. Anne kümmert sich als Anwältin um Minderjährige, die von ihren Eltern vernachlässigt werden, Peter ist Mediziner.

Um aus dieser Wohlanständigkeit heraus eine reizvolle Geschichte zu entwickeln, muss ein Störfaktor her. Dieser heißt Gustav (Gustav Lindh) und ist der 17 Jahre alte Sohn von Peter aus erster Ehe. Er hatte in Stockholm, wo er bei seiner Mutter lebte, Probleme mit der Polizei und soll nun bei Anne und Peter in Dänemark auf den rechten Weg kommen.

Allerdings gerät nun Anne auf Abwege. Es dauert einige Zeit, fast bis zur Hälfte des gut zweistündigen Films von May el-Toukhy, bis die Ehefrau und Mutter das neue Familienmitglied mit kühler Erotik erobert. Schauspielerin Trine Dyrholm (in Deutschland mit der Filmbiografie „Brecht“ bekannt geworden, sie spielt Ruth Berlau, die dänische Geliebte und Mitarbeiterin des Dichters) bewältigt diese Rolle mit Bravour. Sie scheut keine noch so intime Sexszene – im Bett des Jungen, im Wald, im ehelichen Schlafzimmer, im Bad fallen die beiden über einander her. Nebenbei betört sie ihren Mann mit erstaunlichem Furor.

Anne gerät natürlich in arge Kalamitäten – der Liebhaber-Stiefsohn wird allmählich zu zudringlich. Die Affäre läuft damit aus dem Ruder und auf eine Katastrophe hin. „Meine größte Angst ist, dass einfach alles verschwindet“, sagt Anne einmal. Auswegslos gefährdet scheint die heile Fassade, die Ehe, das Familienglück, das ganze bürgerlich Leben von Anne und Peter.

Vorstellungen: Mi., 30. 10., 10.30 Uhr, Cinestar, Kino 3; Fr., 1. 11. 22 Uhr, Cinestar, Kino 5; Sa., 2. 11., 19 Uhr, Kolosseum; So., 3. 11., 16 Uhr, Kolosseum

„Ausnahme“: In der Bibliothek gehen seltsame Dinge vor sich – und bringen vier Frauen an den Rand des Nervenzusammenbruchs. Quelle: NFL

„Ausnahme“:Wer reale Verbrechen genau untersucht, stellt bald fest, dass Gut und Böse nicht eindeutig zu unterscheiden sind. Iben (Danica Ćurčić) und Malene (Amanda Collin) wissen das aus ihrer Arbeit, die beiden erforschen in einem Kopenhagener Institut die Völkermorde in aller Welt. Und beide haben ihre dunklen Seiten: Iben hat eine Geiselnahme in Kenia überlebt, nun wird sie vom Bild eines schwarzen Kindersoldaten mit umgehängter Waffe und forschendem Blick verfolgt. Malene leidet unter Arthritis und dem mangelnden Mitgefühl ihres Partners.

Als die beiden Frauen anonyme E-Mails mit einer Todesdrohung bekommen, haben sie zunächst einen serbischen Kriegsverbrecher, gegen den sie ermitteln, im Verdacht. Dann stellt sich heraus, dass jemand Malenes Medikamente vertauscht hat. Und als ihr Lebensgefährte, der für sie im Internet Ermittlungen angestellt hat, aus dem Fenster fällt und stirbt, wird das überwiegend in einer Bibliothek angesiedelte dänische Kammerspiel „Ausnahme“ zum Thriller.

Oder zum Psycho-Drama? Denn da gibt es noch die neue, sonderliche Kollegin am Institut, Anne-Lise, die über Iben und Malene in ihr Tagebuch schreibt „Sie zerstören mich“ und „Ich muss zurückschlagen“. Von der vierten Frau im Projekt, der Sekretärin Camilla, stellt sich heraus, dass sie eine Beziehung zu einem Serben hatte, den die Gruppe eigentlich verfolgen sollte. Alle vier belastet die Gruppensituation, sie sind überfordert und bespitzeln einander. Als zwei serbische Gangster dann Iben und Malene überfallen, tritt die Mobbing-Spur in den Hintergrund. Zunächst. Denn das Böse ist in dieser Geschichte nicht so offensichtlich.

Der Film des Dänen von Jesper W. Nielsen ist die Verfilmung eines Romans des Soziologen und Schriftstellers Christian Jungersen, der in Dänemark monatelang auf der Bestsellerliste stand. Nielsen und Jungersen beweisen: Das Grauen muss nicht immer mit greller Action auf die Leinwand kommen.

Vorstellungen: Mi., 30. 10., 13 Uhr, Kolosseum; Do., 31. 10., 16.30 Uhr, Cinestar, Kino 3; Sa., 2. 11., 19 Uhr, Cinestar, Kino 5; So., 3. 11., 10.30 Uhr, Cinestar, Kino 3

„Pferde stehlen“: Trond (l.) erlebt mit seinem Vater einen unvergesslichen Sommer in Norwegen.  Quelle: Zentropa Entertainment

„Pferde stehlen“: Der Film beginnt mit einem Rückblick – der alte Trond zieht in eine kleine Hütte in Norwegen und erinnert sich an den Sommer 1948. Er war damals 15 Jahre und verbrachte den Sommer mit seinem Vater und einem Nachbarsjungen. Es sind archaische Bilder vom Sensen, Bäumefällen, Pferdestehlen. Die dramatischen Naturaufnahmen deuten immer wieder Unheil an. Mehrere Menschen sterben, die Familie zerbricht, die erwachende Liebe endet nicht glücklich. Es sind eindrucksvolle Bilder und starke Schauspieler, die Geschichte zieht einen in den Bann. Man muss aufmerksam sein, um die vielen Ebenen zu durchschauen, und denkt noch länger darüber nach – Indiz für einen guten Film. Er hat immerhin schon den Silbernen Bären bei der Berlinale gewonnen.

Vorstellungen:30.10., 13.30 Uhr, Cinestar, Kino 3, 31. 10., 16 Uhr, Kolosseum, 1. 11., 22.30 Uhr, Cinestar, Kino 3, und 3. 11., 19.45 Uhr, Cinestar, Kino 2

„Kongo“: Die Odyssee norwegischer Söldner durch den Kongo ist nichts für schwache Nerven. Quelle: NFL

Kongo“: Die norwegischen Ex-Soldaten Joshua French und Tjostolv Moland sind professionelle Söldner in Afrika. 2009 sollen sie in der Demokratischen Republik Kongo für einen exilierten kongolesischen Politiker verlorenes Vermögen sichern – doch dabei scheitern sie schnell, nachdem sie in einen Hinterhalt gelockt wurden. Jahrelang verbringen sie in kongolesischen Gefängnissen. Ein spannend erzählter Polit-Thriller, der auf realen Begebenheiten basiert. Neben Einblicken in die kongolesische Geschichte und Gesellschaft erzählt der Film auch von der Freundschaft zweier Männer, denen die norwegische Gesellschaft zu langweilig ist, die keinen Halt in ihrer Heimat haben und deswegen gemeinsam das Abenteuer suchen. Nichts für schwache Nerven!

Vorstellungen: 30. 10., 13 Uhr, Cinestar, Kino 5, 31.10.,16.45 Uhr, Cinestar, Kino 2, 1. 11., 10.30 Uhr, Cinestar, Kino 3, und 3. 11., 19.30 Uhr, Cinestar, Kino 3

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Von LN