Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Kultur im Norden Oliver Lück: Die große Freiheit Europa
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Oliver Lück: Die große Freiheit Europa
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:00 09.09.2019
Mobiles Zuhause: Der blaue Bulli begleitet Oliver Lück auf seinen Reisen durch Europa. Quelle: R. Ley
Ulzburg

Oliver Lück ist ein Geschichtenerzähler. Er trägt sie heim im Reisegepäck, eingesammelt auf den Straßen Europas in Bildern, in Notizen und Gesprächsaufzeichnungen. Zu Hause in Ulzburg bringt er sie zuerst in Form, gibt ihnen einen Anfang, ein Ende, eine Gestalt – und dann bringt er sie zu den Leuten. Drei Bücher sind so entstanden: 2012 „Neues vom Nachbarn“, 2016 „Flaschenpostgeschichten“, 2018 „Buntland“, und gerade ist sein viertes erschienen: „Zeit als Ziel“.

Große Freiheit Europa: 2008 auf den Lofoten-Inseln am nordwestlichen Ende Norwegens. Quelle: Oliver Lück, "Zeit als Ziel", Conbook Verlag

„Ich muss reisen, um die Perspektive zu wechseln“

Im Herbst geht es auf Lesereise, dann erzählt er bei 80 bis 100 Terminen die Geschichten aus Europa den Menschen in ganz Deutschland. An gut 400 Abenden hat Oliver Lück seine Zuhörer in den letzten Jahren mit auf Reisen genommen. Das sei wie eine Welle, die ihn trage: Fernweh – Heimweh. Hinaus in die Welt und wieder zurück an heimische Gestade. Ohne die Verankerung hier im Norden, wo er aufgewachsen ist, wo Freunde und Familie leben, hätte er so lange Reisen nicht unternehmen können, sagt Oliver Lück. „Gerade unterwegs fühle ich mich ganz stark mit der Heimat verbunden.“ Irgendwo habe ein Kneipenphilosoph ihm einmal gesagt, wer zu Hause nicht zufrieden sei, werde auch auf Reisen nicht glücklich. „Das stimmt natürlich, aber: Wer den Kopf nicht aus dem Fenster steckt, bekommt auch nichts mit. Ich muss reisen, um die Perspektive zu wechseln, um einen neuen Blick zu bekommen auf die Heimat und auf mich selbst.“

Europa, das langt für zwei Leben

Also ist er losgezogen, zuerst als Backpacker nach dem Abitur, ab 1996 mit seinem ersten Bus, „einem Bulli Baujahr ’73 – wie ich!“. 20 Reisen, eine halbe Million Kilometer durch 32 Länder Europas in 20 Jahren, immer ohne GPS, immer der Nase nach. „Und ich habe immer noch nicht alle europäischen Länder gesehen. Europa, das langt für zwei Leben – so viele Länder auf so wenig Platz gibt es sonst nirgends auf der Welt. Europa ist weit, ist wild, ist bunt.“ Und ja, das habe seine Perspektive verändert, die vielen Begegnungen mit so unterschiedlichen Menschen und Leben haben den Blick geweitet und geöffnet.

Die Hallig Langeneß, Heimat für gut 100 Menschen: „Zeit bekommt hier eine andere Bedeutung“, schreibt Oliver Lübeck. Quelle: Oliver Lück, "Zeit als Ziel", Conbook Verlag

Ins Netz gegangen: Flaschenpostgeschichten

„Der Schlüssel zu allem ist die Zeit“, sagt Oliver Lück. Gespräche brauchen Zeit, Menschen brauchen Zeit, bis sie Vertrauen fassen und sich öffnen. Ein Interview mit Arne Nordström, Fischer auf der winzigen schwedischen Insel Ungskär, dauerte acht Stunden, erinnert sich Lück. Dreieinhalb Stunden wurde gegessen. Und geschwiegen. Gegessen. Geschwiegen. Dann erzählte Arne von seinem Leben auf der Insel, vom Lachsfischen, von der Flaschenpost, die ihm immer wieder ins Netz ging. Für Oliver LücksFlaschenpostgeschichten“, die sich mit großem Erfolg verkauften, spielte Arne dann eine wichtige Rolle – aber das ist eine andere Geschichte.

Mildes Feuer aus dem Baskenland: In Espelette baut Chilibauer André Curutchet seine scharfen Schoten an. Quelle: Oliver Lück, "Zeit als Ziel", Conbook Verlag

Heimwehküche – immer an Bord

Oliver Lück ist ein aufmerksamer Mann, zugewandt und offen. Unkompliziert und handfest. Wuschelfrisur, grauer Kinnbart, leichtes T-Shirt, feste Wanderschuhe, dazu ein interessierter Blick aus blauen Augen. Der blaue, angejahrte VW-Bus passt zu seinem Fahrer, kein unnötiger Schnickschnack, aber alles Notwendige an Bord. Der Bulli ist Lücks feste Konstante unterwegs – und „Fluchtfahrzeug“, wenn nach so intensiven Begegnungen die Gespräche erst einmal sacken müssen. Dann suche er sich Plätze, wo er eine Weile bleibe, auftanke und für sich sein könne, erzählt Oliver Lück. Unter der Sitzbank ist die Bordküche verstaut: Zwei Gaskocher, Töpfe, Gewürze. Wenn das Heimweh ihn packe, dann erde ihn ein gutes Essen. In seiner Küche – im Bus wie zu Hause – haben inzwischen die Geschmäcker Europas einen festen Platz: Salz aus Wales, Chili aus Südfrankreich, Weißwein aus der Pfalz. Immer an Bord.

Bild aus: Oliver Lück: "Zeit als Ziel" Quelle: E-Mail-LN-Redaktion

Oliver Lück,„Zeit als Ziel. Seit 20 Jahren im Bulli durch Europa“, Conbook Verlag, 320 Seiten, 250 Fotos, 24,95 €

Lesung am 26. 9. um 19.30 Uhr in der Stadtbücherei Mölln

Im Netz:
lueckundlocke.de

Von Regine Ley

Der Mythos kommt ins Wanken: Störtebeker hieß Johann und nicht Klaus, stammt aus Danzig, nicht aus Wismar – und war kein Pirat. Er zahlte sogar Hafengebühren, deckt Forscher Gregor Rohmann auf.

09.09.2019

Piratenfans müssen jetzt ganz tapfer sein: Eine neue Ausstellung erschüttert den Mythos Störtebeker und unsere Klischees vom Leben der Piraten. Ab 27. September ist sie im Lübecker Hansemuseum zu sehen.

09.09.2019

Er ist erst 21 Jahre alt, hat bereits etliche Konzertreisen durch Europa und Asien bestritten und freut sich nun über einen besonderen Preis aus seiner Heimatstadt: der Jazzgitarrist Alexander Rueß. Auf dem Travejazz Festival in Lübeck erhielt er den Lübecker Jazzpreis. Und er hat noch viel vor.

09.09.2019