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Kultur im Norden Herr Panzer sucht das Glück
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17:17 28.01.2019
„Ich habe viel rettscherttiert“: Paul Panzer.
„Ich habe viel rettscherttiert“: Paul Panzer. Quelle: Olaf Malzahn
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Lübeck

„Glücksritter – vom Pech verfolgt“ heißt das aktuelle Bühnenprogramm des Comedian Paul Panzer. Im Rahmen seiner Deutschland-Tournee spielte der schräge Vogel mit dem unverwechselbaren Sprachfehler am Sonntag in der ausverkauften Muk.

Das Bühnenbild strahlt Erhabenheit aus: Elemente einer Burgruine bilden die theaterhafte Kulisse, am Rand ist ein überdimensionaler steinerner Ritter mit den Gesichtszügen Paul Panzers aufgebaut. Die linke Hand umklammert ein Schwert, auf der rechten Hand hat ein Schmetterling Platz genommen – Symbol für das flatterhafte Glück. Komisch schon der Kontrast zum leibhaftigen Paul Panzer: eher ein Ritter von der traurigen Gestalt, mit gewohnt knalligem Blümchenhemd, beuteliger Nadelstreifen-Hose, wirrem Haar und Nerd-Brille.

Körpersprache und Mimik taten ein Übriges und untermauerten Panzers Aussage, der Untertitel der Show hätte vollkommen gereicht. Ängstlich, gehetzt, letztlich der Resignation ergeben: All das verstand Panzer mit feinen Nuancen darzustellen und erwies sich als hervorragender Schauspieler. Er ist ein wahrer Komödiant.

Auch als „Glückritter“ ließ Paul Panzer, bürgerlich Dieter Tappert, sein Publikum an seinem bekannten Mikrokosmos teilhaben. Auf der Suche nach dem Glück („Ich habe viel rettscherttiert“) muss man von der Familie reden. Also in Paul Panzers Fall von seiner Frau Hilde, seinem Sohn Bolle (mittlerweile schon ein „Tennattscher“), der Tochter Susaka. Letztere behütet er und nimmt es für sie beim Abholen von der „Ditzkothek“ um 22 Uhr mit mürrischen „Chicorées“ (Security-Angestellten) auf. Bolle spricht ihn nur noch mit „Yo, Bro“ an, was die Kommunikation erschwert. Hilde will das Eheleben aufpeppen und schleppt ihn auf die Hamburger Reeperbahn, wo sich der arme Gatte im vermeintlichen Motorrad-Bedarfsladen wiederfindet. Und doch: Durch all die Widrigkeiten des Alltags hindurch blitzt das kleine Glück doch immer wieder auf.

Paul Panzer schildert Situationen, die alltäglich sind und in denen sich viele Zuschauer wiederfinden können. Wie er die Situationskomik seiner Anekdoten auf die Spitze treibt, sich in sie schauspielerisch hereinsteigert, ist urkomisch. Ein Highlight zum Beispiel die Geschichte mit Hilde, die eine 37-minütige Sprachnachricht per Whatsapp an Paul verschickt. Die meiste Zeit sind Autofahrgeräusche zu hören. Paul Panzer lieferte auch den perfekten Sound dazu – samt Hildes rabiater Einpark-Versuche.

Immer wieder bezog Paul Panzer sein munteres Publikum mit ein, forderte Beispiele für das Glück. Die Themen Familie, „Libbe“, Freundschaften, Essen und Hobbys boten jede Menge Stoff für skurrile Geschichten – und die Erkenntnis, dass das Glück höchstens mal auf einen Kurzbesuch vorbeischaut. Die dankbaren Zuschauer amüsierten sich köstlich.

Oda Rose-Oertel

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28.01.2019