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Kultur im Norden Poesie und Akrobatik
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18:10 16.08.2018
Lübeck

Zeit ist das Thema, das sich über alle Aktionen spannt. Das liegt mal offen zutage, mal ist es eher gut verborgen. Aber es beginnt schon vor dem Eintritt in die Halle, wo einem stumme Diener in grauen Anzügen kleine Kärtchen in die Hand geben und wie die grauen Herren aus Michael Endes „Momo“ wirken, die die Zeit stehlen.

Drinnen dann beginnt das Extemporieren über die Zeit, die wie irr verrinnt, die nicht vergehen mag, die einfach stehen zu bleiben scheint. „Die Zeit ist ein absoluter Maßstab“, heißt es an einer Stelle. Raum sei Chaos und Zeit Ordnung, dennoch – oder deshalb – wünschte man sich manchmal zu vergessen, die Uhr zu stellen. Dazu bewegen sich Figuren zwischen Installationen, als würden sie schweben, und am Ende der Halle melden sich hinter hohen Toren die Jongleure von „critical mess“ zu Wort.

Die Berliner waren schon bei der ersten „CirQle“-Ausgabe in St. Annen dabei, wie die meisten der Akteure, nur mit einem anderen Programm. Die künstlerische Leitung haben erneut Sigrid Dettlof und Ulli Hausmann vom Theater Combinale bei diesem Projekt, das zwischen poetischer Akrobatik und akrobatischer Poesie pendelt, zwischen ätherischem Gesang (Brita Rehsöft) und ratternden Motorrollern, die immer wieder mal durch die Szene fahren.

Es gibt acht Stationen in diesen etwa 80 Minuten, in denen einen die grauen Herren von „Grotest Marus“ durch die Hallen und übers Gelände führen. Shiao Ing Oei vom TanzOrtNord etwa hat sich eine Choreographie ausgedacht, bei der vier große Bälle an elastischen Bändern hängen und Ulla Benninghoven, Anna Fingerhuth und Kim Tassia Kreipe zur Musikbegleitung mit ihnen umgehen, als wären es Weltkugeln.

Sie werfen sie fort und lassen sie los, sie tragen sie auf ihren Schultern, sie weichen ihnen aus und versuchen nicht von ihnen umgeworfen zu werden. Draußen sitzen dann Sigrid Dettlof und Christian Glockzin an einem langen Tisch, sehen als Wladimir und Estragon in Becketts „Warten auf Godot“ der Zeit beim Vergehen zu und können keinen rechten Sinn darin erkennen, während vor dem alten Turm zwei graue Herren mit dem großen Zeiger kämpfen.

Die Breakdancer von „Concrete 3“ sind auch dabei und zeigen zur Bassklarinette von Nora-Louise Müller, wozu sich die Schwerkraft manchmal überreden lässt. Sie stehen still auf Podesten wie eine Statue, wie ein Uhrwerk, sie wirbeln herum und durch die Luft, sie pendeln im Handstand wie ein Metronom. Zeit ist eben auch Bewegung, und dann dreht man sich im Kreis und weiß nicht mehr, wo man ist. Unterwegs sitzt Ulli Hausmann auf einem Stuhl, reißt Zettel ab mit der Aufschrift „jetzt“ und sagt: „Vorbei.“

Tom Lindenberg von „Concrete 3“ gesellt sich zu Ana Jordão am Vertikalseil, und es entwickelt sich zwischen ihnen unter dem Skelett des offenen Gollan-Dachs eine gefährliche Liebschaft. Sie ziehen sich an, sie stoßen sich ab, sie können nicht mit-, und sie können nicht ohneeinander.

„Time to go, time to stay“ heißt diese Szene, in die sich die Jongleure von „critical mess“ mischen, bevor sie nebenan zur eigenen Vorstellung bitten. Es ist die letzte Station vor dem Raum, in dem Tom Birringer mit seinem Cyr Wheel kreist. Wie Leonardos vitruvianischer Mensch steht er da in seinem großen Metallring und zieht zu Cello- und elektronischen Klängen seine Bahn. Eine schöne Kunst.

Info: An drei Tagen ist „CirQles 2“ noch zu erleben, jeweils mit zwei Vorstellungen: heute und morgen jeweils um 19 und um 21 Uhr, am Sonntag um 18 sowie um 20 Uhr. Karten gibt es für 28 (ermäßigt 18) Euro unter www.combinale.de oder unter der Telefonnummer 0451 / 78817.

Von Peter Intelmann

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