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Kultur im Norden Michael Jackson in der Musikhochschule
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16:00 08.07.2019
Im Herbst wurde mit den Arbeiten an der Pop-Revue begonnen, zum Schluss gab es Standing Ovations. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

„Wir sind gescheitert“, erklärte Bernd Ruf seinen Zuhörern im voll besetzten Großen Saal der Lübecker Musikhochschule. Gescheitert damit, Michael Jackson auf die Bühne zu bringen. „Wir bilden hier Musiker aus, keine Schauspieler.“ So habe man sich beschränkt – auf die Songs des King of Pop, der vor zehn Jahren an einer Überdosis Schlafmitteln starb, die ihm sein Hausarzt fahrlässig verabreicht hatte.

Am 10. Juli in Timmendorf

Die Pop-Revue der Musikhochschule hat Tradition. Zum Ende des Sommersemesters wird unter der Leitung des Popularmusik-Professors Bernd Ruf ein Projekt auf die Beine gestellt, an dem Mitglieder aller Studiengänge beteiligt sind. Im vergangenen Oktober haben sie sich an die Arbeit gemacht und zum zehnten Todestag von Michael Jackson dessen Werk auf die Bühne gebracht. In den vergangenen Jahren drehte sich die Pop-Revue unter anderem um Musik der 20er und 30 er Jahre, die Beatles, den Weltraum und Rockmusik mit einem Schwerpunkt in den 60er und 70er Jahren. Am 10. Juli hat man noch einmal Gelegenheit, „Man in the Mirror“ zu hören: unter freiem Himmel und in konzertanter Form auf dem Timmendorfer Platz in Timmendorfer Strand (20 Uhr).

Gerade diese Beschränkung machte die drei Konzerte „Man in the Mirror“ mit dem Untertitel „Karaoke in der 8-Bar“ zu einem grandiosen Erfolg, denn die Songs konnten ihre musikalische Wirkung unverfälscht entfalten. Es war ein großes Projekt, an dem mehr als hundert Personen mitwirkten: Studierende wurden zu „PopsSingers“, zum „PopsOrchestra“, zur Musikhochschulband, es gab Vocal-Coaches, Tanz-Coaches, Arrangeure, eine Choreographin, Technik und etliche Lehrende in der musikalischen Leitung. Die Projektbetreuung der Mammutveranstaltung lag bei Bernd Ruf, dem Professor für Popularmusik, der das Ganze souverän und entspannt handhabte. Beeindruckend war, dass nahezu jeder solistisch in Erscheinung trat. Das Mikro wurde sogar während einzelner Songs weitergereicht.

Laszive Gäste

Im Hintergrund der Bühne stand die Band in einem futuristischen Kubus. Davor war die „8-Bar“ aufgebaut, eine gemütliche Szene-Kneipe mit Bistrotischen, einem Sofa, einem Tresen in der Ecke und jeder Menge lasziven Gästen und beschäftigtem Servicepersonal. Im Vordergrund saß dann noch ein ansehnliches klassisches Orchester.

Grandios war die Spielfreude der Studierenden: Vor allem die jungen Frauen wuchsen sängerisch über sich hinaus, trafen den hohen, glasklaren und so eigenwillig effektvollen Klang der Jackson-Songs und brachten alle großen Hits wie „Black or White“, „Thriller“ oder „Man in the Mirror“ auf die Bühne. Die jungen Männer glänzten vor allem innerhalb der Band. Nur wenige trauten sich zu singen. Die Tanzeinlagen fielen im Vergleich zum Gesang stark ab, schmälerten aber nicht das hervorragende Gesamtbild.

Nur die Kunstfigur

Im Vorfeld war viel diskutiert worden: Soll die Musikhochschule einen Künstler mit einer abendfüllenden Show ehren, obwohl die Missbrauchsvorwürfe seit 2019 wieder im Raum stehen? Entschieden wurde schließlich, das Werk und den Menschen voneinander zu trennen: „Den Menschen Michael Jackson kennen wir nicht“, sagte Bernd Ruf bei seiner Begrüßung. Man kenne nur die Kunstfigur, zu der er sich stilisiert habe, und sein Werk, das in den 1980er und 1990er Jahren für Musik, bildende Kunst und Mode prägend gewesen sei.

Neben der musikalisch-mitreißenden gab es auch eine nachdenkliche Seite: Poetry-Slam-Texte von Yiman Liu forderten die Hörer auf, aktiv zu werden: „Wir selbst müssen die Veränderung sein, die wir in der Welt sehen wollen.“ Immer wieder wurde dazu ermutigt, Fehler als einen Weg zu betrachten, als die Möglichkeit, sich zu entwickeln. Viele große Denker wurden zitiert, so auch Bert Brecht: „Wer A sagt, der muss nicht B sagen, er kann auch erkennen, dass A falsch war.“

Die Studenten und ihre Lehrer bekamen Standing Ovations für ihr großes und mutiges Projekt.

Cornelia Schoof

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