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Kultur im Norden Ein fabelhafter „Maskenball“
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11:16 13.07.2019
Rahmenhandlung: Große Bilderrahmen bestimmten das Bühnenbild auf dem grünen Hügel. Quelle: Agentur 54°
Eutin

Was für ein Opernabend am Grünen Hügel von Eutin! Die Inszenierung von Giuseppe Verdis „Ein Maskenball“ durch die scheidende Intendantin Dominique Caron war ein Erlebnis. Intensität und musikalischer Glanz dieser Produktion erreichten ein Niveau, das auch große Opernhäuser nur selten bieten. Und sogar das Wetter spielte mit: Es blieb trocken.

„Ein Maskenball“ ist eine schwierig zu inszenierende Oper. Bis auf die letzte Szene ist sie ausgesprochen handlungsarm, Spannung kann eigentlich nur durch die Musik erzielt werden. Dominique Caron und ihrem Bühnenbildner Jörg Brombacher gelang es, mit den geringen zur Verfügung stehenden Mitteln eine enorme Wirkung zu erzielen.

Trümmer auf der Bühne

Die Regisseurin hielt ihre Darsteller wann immer es möglich war in Bewegung, der in dieser Oper so häufig zu erlebende Rampen-Gesang kam nur sehr selten vor. Das Bühnenbild basierte auf stilisierten Bilderrahmen. Die Trümmer des größten bedeckten den Bühnenboden, ein Symbol einerseits für die Brüchigkeit der gesellschaftlichen Verhältnisse. Andererseits aber auch ein Hinweis darauf, dass die Befreiung aus den sozialen Zwängen bereits ihren Anfang genommen hat.

Im Hintergrund der Bühne kamen wechselnde Elemente zum Einsatz, Tarot-Karten, Herrscher-Poträts, von denen die Farbe abblätterte: Es ist etwas faul in dem Staat, in dem die Geschichte spielt. Eine Geschichte, die politische Revolte mit einer unglücklichen Liebe vermengt und die tragisch enden muss. Und die alle Personen als Menschen darstellt, die dem Schicksal nicht entkommen können. Das wird am deutlichsten in der Ball-Szene am Ende, in der der Herrscher Gustavo ermordet wird. Die Ballsaal-Szenerie ist in blutrotes Licht getaucht, das Drama wirkt wie unausweichlich – hier ist Regisseurin Dominique Caron ganz dicht an Verdis Musik.

Wenn ein König die Ehefrau des besten Freundes liebt, sollte er aufpassen! Kann die Liebe zwischen König Gustav III. von Schweden und Amelia, der Gattin von Graf Anckarström, bestehen?

Schon allein dieses Bühnenbild ist ein eindrucksvoller Beweis dafür, was auf der Eutiner Seebühne machbar ist. Denn Jörg Brombacher bezog im zweiten Akt Bäume und Sträucher als Hintergrund des Spiels mit ein – eine großartige Nutzung der natürlichen Gegebenheiten am Grünen Hügel von Ostholstein. Die Kostüme von Martina Feldman waren strikt im Rokoko-Stil gehalten und stimmig. Auch hier waren es Details, die begeisterten.

Musikalisch war diese Produktion über alle Zweifel erhaben. Hillary Griffiths dirigierte an seiner alten Wirkungsstätte die großartig aufspielende Lübecker Kammerphilharmonie mit viel Geschick und viel Gefühl, Sängerinnen und Sänger führte er präzise und ließ ihnen Raum und Atem. Das war vorzüglich anzuhören. Der von Romely Pfundt einstudierte Chor sang und spielte hochprofessionell – das war in Eutin längst nicht immer so gut und eindrucksvoll.

Liebend und todtraurig

Das musikalische Glanzlicht des Abends aber setzte die junge dänische Sopranistin Signe Ravn Heiberg in der Rolle der Amalia. Sie setzte ihren angenehm timbrierten Sopran, der auch in der Höhe nie scharf klang, ungemein geschickt ein. Sie war überzeugend als Liebende, als todtraurige Mutter, als Verzweifelte: Neben ihrer sängerischen Leistung bestach sie auch durch schauspielerisches Können und Engagement. Eine solch zentrierte und präzise geführte Stimme erlebt man bei derart jungen Sängerinnen nur selten – auch das war ein Erlebnis an diesem Abend.

Angelos Samartzis als Gustavo war ihr ein ebenbürtiger Partner. Er ist ebenfalls ein Sänger, der seine Tenorstimme elegant und sicher zu führen weiß. Er erreichte auch die exponierten Töne mühelos, in den tiefen Lagen war seine Stimme wohl fundiert. Tomohiro Takada als Renato bot auch eine starke Leistung, er konnte die wechselnden Gemütszustände der von ihm verkörperten tragischen Figur glaubhaft vermitteln. Milana Butaeva war eine wunderbare Wahrsagerin und Hexe. Sie begann in der Tiefe etwas unsicher, steigerte sich jedoch ungemein. Ihre Bühnenpräsenz und ihre darstellerische Qualität jedoch machten diese leichten anfänglichen Probleme schnell vergessen.

In der Hosenrolle

Bis in die kleinsten Nebensollen war dieser „Maskenball“ hervorragend besetzt. In diesen war es vor allem Hale Soner in der Hosenrolle des Oscar, die sich auszeichnete. Ihr Gesang und ihr Spiel bestachen durch Vielfältigkeit und Geradlinigkeit. Milcho Borovinov und Philip Björkqvist überzeugten als Verschwörer, Jeunggeun Choi als Christiano und Masanori Hatutse (Richter) und Luis Araos-Gutierrez als Diener ebenso.

Dominique Caron ist mit dieser Inszenierung zum Ende ihrer Zeit als Eutiner Intendantin ein großer Wurf gelungen. Ein großartiger Opernabend, voller Emotionen, voll musikalischer und darstellerischer Höhepunkte: Mehr kann Oper am Grünen Hügel von Eutin nicht bieten. Das Publikum applaudierte und bejubelte diesen fabelhaften „Maskenball“ am Ende begeistert.

Info: Nächste Termine: 19 und 26. Juli (jeweils 19 Uhr)

Jürgen Feldhoff

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