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Kultur im Norden Heiner Müllers „Quartett“ am Theater Lübeck
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17:18 27.05.2019
Arbeitet zum zweiten Mal am Theater Lübeck: die Regisseurin Friederike Harmstorf. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
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Lübeck

„Gefährliche Liebschaften“ heißt der Roman, mit dem sich Choderlos de Laclos 1782 in die Literaturgeschichte schrieb. Es war am Vorabend der Französischen Revolution, unruhige Zeiten.

200 Jahre später nahm sich Heiner Müller den Stoff vor und machte daraus ein Stück für die Bühne: „Quartett“. Am Mittwoch (29. Mai) hat es im Jungen Studio des Theaters Lübeck in der Inszenierung von Friederike Harmstorf Premiere. Es ist nach „Rückkehr nach Reims“ im vergangenen Jahr die zweite Lübecker Arbeit der Hamburger Regisseurin.

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Ein scharfes Schwert

Zwei Figuren sezieren sich und den anderen an diesem Abend, die Marquise de Merteuil (gespielt von Susanne Höhne) und der Vicomte de Valmont (Michael Fuchs). Sie inszenieren eine böse Wette um Verführung und Tugend und schonen sich nicht. Das Wort ist hier ein scharfes Schwert. Es entwickelt sich ein Spiel um Liebe, Macht und was man dafür hält. Es geht um Leere und Gefühle, um den Ausgang aus selbstverschuldeter Unmündigkeit und damit natürlich immer noch und immer wieder um die Gegenwart. Das Stück sei auch ein Kommentar zur Zeit, sagt die Regisseurin. Es habe nichts von seiner Aktualität verloren, eher im Gegenteil. Und sie hoffe, dass es am Ende keinen Sieger gebe.

Friederike Harmstorf war unter anderem Assistentin des bulgarischen Regisseurs Dimiter Gotscheff, dem vor sechs Jahren verstorbenen großen Heiner-Müller-Kenner. Er hatte selbst Mitte der Achtzigerjahre „Quartett“ in Köln inszeniert, als er sich entschied, in der Bundesrepublik zu bleiben. Sie sei daher ganz intensiv mit Müller in Berührung gekommen.

Raum ohne Ausweg

Es spiele entweder in einem Salon vor der Französischen Revolution oder in einem Bunker nach dem Dritten Weltkrieg, hat Müller seinem Stück mit auf den gegeben. In Lübeck werde es auf jeden Fall ein hermetischer Raum sein, aus dem die Kombattanten nicht hinauskönnen, sagt die Regisseurin. Sie schätze Wände, so könne die Energie nicht verfliegen. Und in diesen Salonbunker, während draußen alles um sie zusammenbreche, spielten die beiden ihr wenig romantisches Spiel weiter.

Sie halte sich dabei eng an Müllers Text und habe nur eine Handvoll Wörter gestrichen. Und sie habe auch zum ersten Mal darauf verzichtet, fremdes Material hineinzuarbeiten. Das Stück sei von vorn bis hinten durchkomponiert und biete reichhaltige Möglichkeiten.

Info: Premiere am 29. Mai um 20 Uhr im Jungen Studio des Theaters Lübeck. Weitere Termine: 7. und 14. Juni (zum letzten Mal in dieser Spielzeit), jeweils 20 Uhr.

Peter Intelmann

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