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Kultur im Norden Der ganz normale Wahnsinn – Theaterpremiere von „Vor Sonnenaufgang“
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18:09 02.12.2019
Hochschwanger: Rachel Behringer als ältere Tochter Martha Krause. Quelle: Kerstin Schomburg
Lübeck

„Vor Sonnenaufgang“ von Ewald Palmetshofer nach Gerhart Hauptmann ist ein seltsames Stück. Es übernimmt die Personenkonstellation von Hauptmanns Sozial-Drama, erzählt jedoch eine völlig andere Geschichte. Bei der Premiere am Sonnabend in den Kammerspielen gab es für diese Version von „Vor Sonnenaufgang“ freundlichen Applaus.

Hauptmann zeigt die Entwicklung einer reich gewordenen Bauernfamilie, die mit Ausnahme einer Tochter dem Alkohol verfällt. Bei Palmetshofer wird zwar auch kräftig gezecht, aber die flüssigen Rauschmittel stehen nicht im Mittelpunkt des Geschehens. Es sind – scheinbar – ganz normale Menschen, die hier im Zentrum stehen.

Weitere Termine

Die nächsten Vorstellungen in den Kammerspielen: 3. Dezember (20 Uhr, Einführung um 19.30 Uhr im Mittelrangfoyer), 15. Dezember (16 Uhr), 9. Januar (20 Uhr, Einführung um 19.30 Uhr im Mittelrangfoyer), 10. Januar (18 Uhr), 16. Januar (20 Uhr). Die Termine reichen bis in den Juni. Karten gibt es u. a. in den LN-Geschäftsstellen.

Eine mittelständische Unternehmerfamilie, der Firmengründer hat die Fabrik an seinen ehrgeizigen Schwiegersohn übergeben und sitzt lieber im Wirtshaus als zu Hause. Die ältere Tochter ist hochschwanger, die jüngere hat gerade eine Pleite hinter sich, die zweite Frau des Alten versucht verzweifelt, Familie und Firma am Laufen zu halten. Eine alltägliche Szenerie, könnte man annehmen.

Aber es kommt überraschend Besuch, ein alter Studienfreund von Schwiegersohn Thomas. Alfred heißt er, und er bringt die Welt der Familie durcheinander. Alfred arbeitet für ein linkes Magazin, sein alter Kumpel Thomas hat sich den Rechtspopulisten zugewandt und agitiert im Gemeinderat mit rechten Phrasen. Hier liegt der Kern von Palmetshofers Geschichte: Er will das Auseinanderdriften der Gesellschaft zeigen, die zu einer allgemeinen Sprachlosigkeit und Einsamkeit führt.

Manchmal Retro-Theater

Regisseurin Mirja Biel hat Palmetshofers Text stark gekürzt. Dadurch stehen manche Textpassagen fast ohne Kontext wie Monolithen im literarischen Raum, aus dessen Tiefe sie plötzlich kommen. Die politische Diskussion zwischen Thomas und Alfred wirkt deshalb aufgesetzt und fast wie ein Fremdkörper in diesem Familienporträt. Palmetshofers „Vor Sonnenaufgang“ hat in gewissem Sinne etwas von Retro-Theater, es erinnert an Tennessee Williams und an das absurde Theater der 1950er Jahre, in dem auch die Unfähigkeit zur Kommunikation thematisiert wurde.

Im von ihr selbst gestalteten eindrucksvollen Bühnenbild führt Regisseurin Mirja Biel ihr Personal sicher über die Untiefen des Textes hinweg. Die Versammlung einsamer Menschen auf der Bühne ist eindringlich gestaltet, die schwarzen Luftballons, die den Kisten mit Babyausstattung entquellen, sind ein eindrucksvolles Mittel, um auf die bevorstehende Katastrophe der Totgeburt hinzuweisen. Auch die per Live-Kamera eingefangenen Bilder der Protagonisten schaffen Atmosphäre.

Haben wir genug Alkohol?

Diese Geburtsszene im strömenden Regen macht Rachel Behringer zu einem schauspielerischen Kabinettstück. Man leidet geradezu mit der jungen Frau, die ihr Kind aufgrund der Unfähigkeit des Arztes (sehr kultiviert: Sven Simon) verliert und der Familie das Prinzip Hoffnung nimmt. Andreas Hutzel ist ein überzeugender Familienvater, den außer ausreichenden Alkohol-Vorräten kaum noch etwas interessiert. Johanna Falckner als seine Ehefrau überzeugt als Retterin in der Säufernot ebenso wie als zupackende Familien-Managerin.

Lilly Gropper als jüngere Tochter Helene spielt eine Frau an der Grenze des Nervenzusammenbruchs, eindringlich und pointiert. Jan Byl ist ein ebenso überzeugender arroganter Unternehmer, Henning Sembritzki als Studienfreund Alfred besticht durch seine Virilität und seine Präsenz. Alle Darsteller sprechen – über Microport – mit großer Präzision und treffen den speziellen Sprach-Duktus von Palmetshofer. Der Applaus am Schluss war freundlich für diesen düsteren Theaterabend.

Von Jürgen Feldhoff

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