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Kultur im Norden Wenn es plötzlich Geld regnet
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16:44 16.05.2019
Alles Gute kommt von oben: Tommy Geisler und Britta Thrö spielen ein Ehepaar, das plötzlich Geld wie Heu hat. Quelle: hfr
Lübeck

Bruno ist Anästhesist, seine Frau Laurence leitet eine Schule, beide leben in einer Eigentumswohnung im 15. Arrondissement von Paris. Man gehört zur Mittelschicht, die Wohngegend ist mittelmäßig, so wie das ganze Leben der beiden Protagonisten. Aber plötzlich geschieht Seltsames bei Bruno und Laurence: Es regnet Geld in ihrer Wohnung.

Theater seit 2002 in Lübeck

Das Volks- und Komödientheater Geisler wurde im Oktober 2002 durch Tommy Geisler in seiner Heimatstadt Lübeck eröffnet. Das Theater ist spezialisiert auf Komödien und klassische Schwänke, erst in den letzten Jahren wagte sich Prinzipal Tommy Geisler an ein anderes Repertoire, etwa mit der Produktion „Tschick“ nach dem Roman von Wolfgang Herrndorf., Tommy Geisler gelang es immer wieder, Prominente wie Karl Dall, Ingo Insterburg, Johannes Heesters, Fred Bertelmann, Katja Ebstein, Marianne Sägebrecht oder Chris Howland, zu Gastspielen in sein Theater zu holen.

Das ist die Ausgangslage der Komödie „Als ob es regnen würde“ von Sébastien Thiéry, die am Mittwoch Premiere im Geisler-Theater hatte. Dabei greift der Begriff „Komödie“ eigentlich zu kurz, denn dieses Stück hat Qualitäten, die über das Genre hinausgehen. Es ist absurdes Theater in bester französischer Tradition, es ist auch mehr Farce als Komödie. Oder anders ausgedrückt: Eine völlig abgefahrene, verrückte Geschichte.

Absurder Humor

Das ist ungewöhnlich für das Geisler-Theater, das sich bislang vor allem mit klassischen Schwänken – etwa von Arnold und Bach – und Lustspielen profiliert hat. Prinzipal Tommy Geisler, der in „Als ob es regnen würde“ Regie führt und die Hauptrolle des Bruno spielt, will das Spektrum seines Theaters erweitern, die aktuelle Produktion ist ein Schritt in diese Richtung. Das Publikum war bei der Premiere begeistert von dieser Art absurden Humors.

Plötzlich um 38 000 Euro reicher

Dabei beginnt die Geschichte ganz harmlos. Bruno kommt von der Arbeit heim, legt sich auf das Sofa und schläft ein. Dann kommt seine Frau nach Hause – und auf dem Couchtisch liegt wie von Zauberhand drapiert ein 100-Euro-Schein. Beide wissen nicht, woher er kommt, und investieren das Geld in ein Sushi-Essen. Am nächsten Tag blitzt und donnert es plötzlich in ihrer Wohnung, von der Decke fallen 38 000 Euro – jetzt wird es Laurence langsam unheimlich. Die plötzlich zu Geld gekommenen vernehmen das spanische Hausmädchen Teresa (mit jugendlicher Frische agierend: Zoé Ella Steffen) ein, die kann aber auch nicht weiterhelfen. Dann taucht auch noch ein obskurer und noch dazu bewaffneter Nachbar (sehr schön cholerisch: Jean-Pierre Hintze) auf und behauptet, ihm sei Geld gestohlen worden – die Verwicklungen nehmen ihren Lauf. Der Geldsegen hält an, die Verwirrung steigert sich bis zu einem großartigen Finale, das Tommy Geisler selbst in das Stück eingebracht hat. Verraten wird die Schluss-Volte hier natürlich nicht.

Vergnüglich – mit etwas Ernst

Wie Tommy Geisler diese Farce inszeniert, ist professionell und kurzweilig. Er erzählt stringent die Geschichte, ohne auf Kalauer zu verzichten, die sich in diesem absurden Stück ausgesprochen gut platzieren lassen. Geisler ist ein Erz-Komödiant, die Rolle des frustrierten Narkosearztes, dem plötzlich Massen von Geld auf den Kopf fallen, erfüllt er mit Leben. Britta Thrö als immer skeptischer werdende Ehefrau Laurence zeigt den Wandel der Figur auf, ihr nimmt man Freude wie Zweifel am Geldregen und –segen ab.

Ein sehr vergnüglicher Abend, witzig und unterhaltsam. Und doch mit einem ganz kleinen bisschen Ernst. Und ohne den funktioniert ja keine Komödie.

Nächste Vorstellungen: 17., 19. Mai

Jürgen Feldhoff

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