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Kultur im Norden Premiere für neuen Buchpreis
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21:46 28.03.2018
Mariana Leky bei einer Lesung in Lübeck.
Mariana Leky bei einer Lesung in Lübeck.  Quelle: FELIX KÖNIG
Bad Schwartau

Immer, wenn die alte Selma im Traum ein Okapi sieht, stirbt am nächsten Tag jemand. Nun ist es wieder soweit, und die Unruhe ist groß. „Die Leute im Dorf beargwöhnten ihr Herz, das so viel Aufmerksamkeit nicht gewöhnt war und deshalb verstörend schnell klopfte.“ Verschwiegene Wahrheiten wollten herausrücken, denn „bevor man stirbt, sollte man wenigstens auf den letzten Drücker Wahrhaftigkeit ins Leben bringen.“ Briefe wurden geschrieben, in denen von „immer“ und „niemals“ die Rede war. Mariana Leky beschreibt die Menschen in dem kleinen Dorf, ihren Umgang mit einem Todesfall, mit den Ängsten und Macken der anderen voller Humor und Wärme und hat sich damit gegen mehr als 60 andere Kandidaten durchgesetzt. „Das Buch ist sprachlich wundervoll und beschreibt so schön, wie die Alten die Jungen behüten, wie wichtig es ist, einfach da zu sein. Und dass sich das Sterben nicht aus dem Leben heraushalten lässt“, begründet Dr. Volker Rohde die Wahl Lekys. „Das kann Literatur besser vermitteln als wir Mediziner.“

 

Lesung

Der Preis wird am Freitag, 4. Mai, um 18 Uhr im Gymnasium am Mühlenberg in Bad Schwartau verliehen. Mariana Leky liest aus ihrem Buch. Restkarten können bestellt werden unter: kontakt@palliativversorgung-bad-schwartau.de

Mariana Leky, „Was man von hier aus sehen kann“, Dumont , 320 S. 20 Euro

Volker Rohde ist Urologe, hat sich auf Palliativmedizin und Psychotherapie für Krebskranke spezialisiert und die Palliativstation am Helios Agnes Karll Krankenhaus in Bad Schwartau mit aufgebaut. Die Betreuung von Schwerstkranken und Trauernden unterstützt seit 2014 der Förderverein wohnortnahe Palliativversorgung Bad Schwartau. „Wir erleben in der täglichen Arbeit immer wieder, wie sehr die Themen Tod und Sterben verdrängt werden. Natürlich ist immer Hoffnung da, aber der Glaube, dass alles heilbar ist, ist eine Illusion. Ebenso der Traum von der absoluten Gesundheit, wenn man nur alles richtig macht.“

Ein neues Bewusstsein für die Endlichkeit des Lebens könne am besten die Literatur schaffen, sagt Volker Rohde. Deshalb lädt der Förderverein seit drei Jahren zu Buchlesungen mit entsprechenden Autoren ein: der Philosoph Wilhelm Schmid („Gelassenheit“) war ebenso zu Gast wie Henning Scherf („Das letzte Tabu: Über das Sterben reden und den Abschied leben lernen“).

Mit dem Buchpreis geht der Verein nun neue Wege: 4000 Euro aus der Vereinskasse wurden für den „1. Literaturpreis Bad Schwartau – Via Communis“ ausgelobt. In Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus Hamburg wurden Verlage in Deutschland, Österreich und der Schweiz angeschrieben und Autoren gesucht, „die das Sterben und mögliche Formen des Umgangs mit dem Thema vielschichtig behandeln und so ins tägliche Leben zurückführen“. Die Resonanz war enorm: „Mehr als 60 Buchtitel wurden eingereicht“, sagt Rohde. Daraus hat eine Jury (die Literaturwissenschaftlerin und Autorin Wiebke Porombka, der Leiter des Hamburger Literaturhauses, Rainer Moritz, und Volker Rohde) zunächst eine Shortlist erstellt und dann den Siegertitel ermittelt, der am 4. Mai ausgezeichnet wird.

Wie es mit dem Preis weitergeht, ist noch nicht entschieden. „Vielleicht gibt es in zwei Jahren wieder eine Ausschreibung“, sagt Rohde.

Petra Haase