Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Kultur im Norden Heiner Müllers „Quartett“ im Theater Lübeck
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Heiner Müllers „Quartett“ im Theater Lübeck
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:43 31.05.2019
„Gefühle sind nicht zu erwarten“: Susanne Höhne und Michael Fuchs. Quelle: Falk von Traubenberg
Lübeck

Sie kommen von unten durch eine Bodenluke auf die Bühne, als stiegen sie aus der Unterwelt oder aus noch ganz anderen teuflischen Bereichen. Ein Mann und eine Frau, beide in die Jahre gekommen. Sie waren Geliebte einst, Spielgefährten wohl eher. Jetzt sind sie wieder beieinander und wollen vom Spielen nicht lassen. Aber es sieht ganz nach einem Endspiel aus.

Über den Journalismus zum Theater

Heiner Müller (1929-1995) wurde im sächsischen Eppendorf geboren und fand Ende der Fünfzigerjahre über den Journalismus und als Redakteur zum Theater. 1961 wurde sein Stück „Die Umsiedlerin“ verboten und er selbst aus dem Schriftstellerverband der DDR ausgeschlossen. 1970 wurde er Dramaturg am Berliner Ensemble, bevor er zur Volksbühne wechselte. Nach dem Fall der Mauer war er bis 1993 der letzte Präsident der Akademie der Künste/Ost.

Weitere Termine: 7. und 14. Juni, jeweils um 20 Uhr im Jungen Studio. Karten: Telefon 0451/399 600 oder kasse@theaterluebeck.de

„Gefährliche Liebschaften“ hieß der Briefroman, den Choderlos de Laclos 1782 veröffentlicht hat, wenige Jahre vor der Französischen Revolution. Milos Forman hat daraus einen Film gemacht, ebenso Stephen Frears mit Glenn Close, John Malkovich und Michelle Pfeiffer in den Hauptrollen. Bei Heiner Müller wurde das Buch Anfang der Achtzigerjahre zur Grundlage für sein Stück „Quartett“. Am Mittwoch (29. Mai) hatte es im Jungen Studio des Theaters Lübeck in der Inszenierung von Friedrike Harmstorf Premiere.

Tänzer oder Kämpfer

Die Regisseurin lässt die Marquise de Merteuil und den Vicomte de Valmont in einem transparenten, aber aufs Äußerte reduzierten Raum auftreten. Auch die Kostüme (Ausstattung: Sammy Van den Heuvel) sind karg gehalten, als wäre es ein Stück von Robert Wilson. Susanne Höhne und Michael Fuchs stecken in hellen Monturen und umschleichen einander barfuß wie Tänzer. Oder wie Kämpfer auf der Matte. Denn auf die Beschreibung eines Kampfes läuft es hinaus.

Heiner Müller schaut nicht mit romantischen Augen auf die Welt, auf ihre Bewohner und das, was sie treiben. Optimismus sei nur ein Mangel an Information, hat er mal gesagt, und in diesem Geist sind auch seine beiden Figuren unterwegs. Sie halten nichts von Liebe, allenfalls von deren körperlicher Spielart. „Gefühle“, sagt die Marquise, „sind nicht zu erwarten.“ Es sei nicht sie, sondern ihre Haut, die sich an den einstigen Liebhaber erinnert. Ein Mann und eine Frau, eine urchristliche Szene, wenn man so will. Aber mit dem Paradies hat dies hier wenig zu tun.

„Sklaverei der Leiber“

So entwickelt sich ein Dialog um Sex und Macht, um Sehnsucht, Angst, Tod und Leere. Und das auf hohem Niveau. Es ist eine fortgeschrittene Auseinandersetzung grundsätzlicher Natur. Müller stattet seine Figuren mit wuchtigen Sätzen aus, hinter denen fast immer ein Ausrufezeichen stehen könnte. Es sind Sätze wie: „Es ist die Sklaverei der Leiber, die Qual, zu leben und nicht Gott zu sein.“ Oder: „Das höchste Glück ist das Glück der Tiere.“ Der Mensch ist Trieb und Lust.Er hat etwas Mechanisches.

Susanne Höhne spielt die Marquise mit einer ausgesuchten Kühle und Boshaftigkeit, manchmal ist sie so leise, dass man sie kaum hört. Michael Fuchs steht ihr in seinem schonungslosen Blick in nichts nach. Er hält vornehme Zurückhaltung für Taktik und vermutet, dass sich hinter dem „Mantel der Gottesfurcht“ eine „sehr irdische Leidenschaft“ verbirgt.

Wer spricht gerade?

Aber sie bleiben nicht bei ihren Rollen, sondern spielen auch noch die zwei tugendhaften Figuren, die der Vicomte ihrer Tugendhaftigkeit berauben soll. Da verschwimmen die Identitäten und Geschlechter und werden eins, was verwirrend ist und manchmal schwer zu entziffern. Wer spricht hier gerade? Was ist Rhetorik, was wirklich gemeint? Da würde man als Zuschauer gern mehr an die Hand genommen werden.

Am Ende folgt dann doch noch so etwas wie ein überraschendes Geständnis. „Ich habe Sie geliebt, Valmont“, sagt die Marquise. Diese Liebe jedoch ist kälter als der Tod. Es ist eine Reise ins Herz der Finsternis. Aber, sagt Valmont: „Wer das Licht bringt, darf die Finsternis nicht scheuen.“

Peter Intelmann

Wie jetzt an Himmelfahrt sind die Kirchen etwas voller, sonst herrscht oft große Leere. Der Journalist und Kirchentagspräsident Hans Leyendecker über Wohnzimmer-Gottesdienste, die Chancen des Mitgliederverlusts und das bessere Leben von Christen.

30.05.2019

Im Februar ist Karl Lagerfeld verstorben. Unvergessen bleibt sein Einfluss als Designer und Künstler in der Modewelt – und als Karikaturist wie ein neuer Band jetzt zeigt.

29.05.2019

Die Bigband der Musikhochschule Lübeck hat ein neues Album herausgebracht: „Changing Times“ ist originell und wunderbar gespielt. Dieser Lübeck-Sound macht ganz einfach Freude.

29.05.2019