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Kultur im Norden Psycho-Drama in starken Bildern
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00:00 13.01.2013
Hexen oder Hebammen: Macbetto (Gerard Quinn) verliert in seinem blutigen Spiel um die Macht zunehmend die Orientierung. Quelle: Fotos: Lutz Roeßler
Lübeck

Die Handlung der Oper, die Giuseppe Verdi nach William Shakespeares düsterem Drama „Macbeth“ schuf, ist eigentlich in wenigen Worten erzählt. Feldherr Macbeth ermordet den König, usurpiert den Thron, ermordet ebenfalls seinen Konkurrenten Banquo und wird am Ende selbst getötet. So einfach ist das — oder auch nicht. Regisseur Alberto Triola macht aus „Macbetto“ ein Psycho-Drama, das in seiner Intensität und Bildstärke seinesgleichen sucht. Dass dabei vor allem in den ersten beiden Akten das Erzählen der Geschichte von Lord und Lady Macbeth zeitweise etwas vernachlässigt wird, kann man dabei verschmerzen. Denn die Ästhetik dieser Inszenierung überwiegt alle Schwächen.

Triola stellt Lady Macbetto ins Zentrum seiner Interpretation. Sie will die Macht im Lande, sie will sie für sich und für ihre Familie. Dazu braucht sie ein Kind, und an Kindern mangelt es in der kalten Welt der Oberschicht. In der Unterschicht hingegen wimmelt es von Nachwuchs, und es sind Hebammen, die neben Macbetto als einzige die Grenze zwischen den beiden Welten überschreiten können.

Regisseur Triola bringt mit seiner Darstellung der Lady Macbetto einen psychoanalytischen Prozess auf die Bühne, der für die Fürstin fatal endet. Irgendwo zwischen Hysterie und Paranoia endet sie schließlich, nachdem sie ein totes Kind zur Welt gebracht hat. Zuvor hat sie ihre Obsessionen ihrem Mann aufgedrängt, sie hat ihn immer wieder zu blutigen Taten gedrängt, bis er schließlich auf dem Thron saß.

Dem ist in den ersten beiden Akten nicht immer leicht zu folgen. Da verwandeln sich Hebammen in Hexen, Kammerzofen erscheinen im Reformkleid des frühen 20. Jahrhunderts und die militärischen Herren tragen schwarze Husarenuniformen (Kostüme: Manuel Pedretti). Sogar etwas überladen mit symbolischer Fracht erscheint die erste Hälfte der Inszenierung, schon dadurch entsteht der leicht kryptische Eindruck. Wie sich die Zuspitzung der finsteren Geschichte bis zum bitteren Ende von Lord und Lady Macbetto im faszinierend-strengen Bühnenbild von Tiziano Santi darstellt, ist dafür umso eindrucksvoller. Immer wieder gab es Bilder, die im Gedächtnis bleiben. Macbettos Ende mit riesiger roter Schärpe allein auf der Bühne, der Tod der Lady im Untergeschoss am gedeckten Tisch: Optisch ist diese Inszenierung sensationell.

Musikalisch stellt diese Oper hohe Anforderungen, die vor allem die Darsteller der Hauptpersonen eindrucksvoll meistern. Die Italienerin Alessandra Rezza ist eine Lady Macbetto von Format, in jeder Hinsicht. Sie singt in allen lagen großartig und ausdrucksstark, man merkt ihr an, dass sie die Partie schon häufig bewältigt hat. Ihre schauspielerische Leistung ist ebenfalls beeindruckend: Rabiate Machtpolitikerin und verzweifelte Frau mit unstillbarem Kinderwunsche, Alessandra Rezza nimmt man alle Facetten der von ihr dargestellten Figur ab.

Das gilt auch für Gerard Quinn. Sein Macbetto pendelt zwischen Verzagtheit und falscher Euphorie, die große Bühnenpräsenz dieses Sängers wird immer wieder deutlich. Seine sängerischen Qualitäten sind bekannt, Quinn gestaltete seine Partie äußerst differenziert und mit vorbildlicher Textgestaltung — am Ende gab es Ovationen für den Sänger.

Martin Blasius als Banquo hingegen geriet stimmlich an seine Grenzen, er klang etwas angeschlagen. Ganz anders Dmitry Golovnin: Sein aggressiver Macduff strahlte geradezu vor Energie und Willen. Eine kleine Partie, die großen Eindruck hinterließ. Der von Joseph Feigl einstudierte Chor wurde ebenfalls vom Publikum bejubelt.

Als hochbegabter Dirigent erwies sich der junge Italiener Matteo Beltrami. Er wählte forsche, gelegentlich sogar etwas zu forsche Tempi. Vor allem aber gelang es ihm, die Philharmoniker durchaus italienisch klingen zu lassen. Temperamentvoll, farbenreich, dynamisch differenziert und fast immer sehr präzise war diese Wiedergabe.

Ein eindrucksvoller Abend, der etwas schwer in Gang kam, aber letztlich überzeugte. Das Publikum war begeistert.

Nächste Aufführungen: 18. und 31. Januar.

Titan der Oper
Giuseppe Verdi (1813-1901) war als der bedeutendste Opernkomponist Italiens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Er gilt auch als der große Antipode zum gleichaltrigen Richard Wagner. Seinen ersten großen Erfolg hatte Verdi 1842 mit „Nabucco“, die drei Opern „Rigoletto“, „Il Trovatore“ und „La Traviata“ gehören zu den weltweit am häufigsten gespielten Opern überhaupt.

Jürgen Feldhoff

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