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Kultur im Norden Wie ein Flieger aus Bargteheide zum erfolgreichen Autor wurde
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06:00 24.06.2019
Da ging er baden: „Quax der Bruchpilot“, verfilmt mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle, kam 1941 in die Kinos. Quelle: Fotos: Friedrich-Wilhelm-Murnau Stiftung, Albrod
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Bargteheide

„Quax, der Bruchpilot“ kommt aus Bargteheide: Dr. Hermann Grote, Sohn des Bargteheider Arztes Dr. Carl Grote, hat sich die Geschichte 1936 ausgedacht, die 1941 als Film mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle in die Kinos kam. Darin verarbeitete Hermann Grote seine Erfahrungen als Flieger und Fluglehrer. Den Erfolg seiner Geschichte um einen anfangs undisziplinierten Flugschüler, der allmählich lernt, mit der Verantwortung umzugehen, konnte sich Hermann Grote wahrscheinlich nicht in seinen kühnsten Träumen vorstellen. Quax, der Bruchpilot“ wurde zum Kassenschlager und ist heute einer der Klassiker der Filmgeschichte.

Um sein Hobby auch im Film leben zu können, hatte der begeisterte Hobbypilot Heinz Rühmann einen Film über das Fliegen geplant, fand aber kein passendes Buch. Daraufhin beschloss die Produktionsfirma, zusammen mit der Zeitschrift „Filmwelt“ ein Preisausschreiben auszurufen: „Filmstoff für Heinz Rühmann als Sportflieger gesucht“. Das berichtet Rühmann-Biograf Fred Sellin und hält fest: „Den Zuschlag erhält der Fliegermajor Hermann Grote, der sich gleich mit zwei Texten bewirbt.“ „Quax“ machte das Rennen und brachte seinem Autor als ersten Preis neben der Verfilmung seines Buches und 3000 Reichsmark Preisgeld auch einen Rundflug mit dem Schauspieler in dessen Privatmaschine ein.

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Der Bargteheider Hermann Grote, Sohn des Bargteheider Arztes Dr. Carl Grote, hatte nach Schule, Ausbildung und Abitur Leibesübungen in Berlin studiert und arbeitete anschließend von 1930 bis 1933 als Sportlehrer an der Universität Hamburg, wo er zusätzlich Student der Philosophie und Naturwissenschaften war. 1929 legte er sein Flugzeugführerexamen ab und war 1930 bis 1933 zunächst als Fluglehrer, später auch als Ausbildungsleiter an der Akademischen Fliegergruppe in Hamburg tätig. Hier promovierte er 1936 zum Thema „Das fliegerische Gefühl, seine Erforschung und Bedeutung“. Im Jahr seiner Promotion schrieb Grote auch die Erzählung „Quax, der Bruchpilot“. Sein Neffe Karl-Heinz Grote, der in Bargteheide lebt, erinnert sich aus Kindertagen an den fliegenden Onkel.

„Ich weiß, dass er im Krieg Flugzeugführer beim Militär war und habe ein paar seiner Gedichtbände und die Fortsetzung zu Quax mit Widmung“, erzählt Grote. „Mein Onkel war immer literarisch tätig, und durch die Verfilmung seines Buches hat er Heinz Rühmann persönlich kennen gelernt.“ Viel mehr wisse er nicht über Hermann Grote, weil die Familie keinen Kontakt mehr zu ihm gehabt habe. Grote habe aus erster Ehe einen Sohn und aus zweiter Ehe einen Sohn und eine Tochter gehabt. „Er ist dann nach Bayern gezogen. Dort ist er am 1. Mai 1980 in Geretsried gestorben.“

Mit „Quax,der Bruchpilot“ hat Hermann Grote offenbar eine wahre Begebenheit verarbeitet. Eine Flieger-Zeitschrift berichtet: „Ab 1932 widmete sich die Gruppe (eine studentische Fliegergruppe in Stettin) auch dem Motorflug. Doch wurde ihre Klemm L 20 bereits im September 1932 auf einem Deich bei Greifenhagen zerstört, worauf der Fluglehrer Hermann Grote ein Buch mit dem Titel „Quax, der Bruchpilot“ verfasste, das als Grundlage für den gleichnamigen Film mit Heinz Rühmann diente.“ In Grotes Erzählung gewinnt Otto Groschenbügel, der Quax genannt wird, bei einem Preisausschreiben eine Ausbildung zum Sportflieger. Wegen Disziplinlosigkeit und Angeberei verweist ihn der Fluglehrer nach kurzer Zeit von der Schule. Später kehrt Quax reuig zurück und wird zu einem guten Kameraden und Sportflieger, der auch noch seine große Liebe für sich erobert.

Heinz Rühmann bestand damals darauf, bei den Filmaufnahmen selber zu fliegen, nachdem sein Double durch einen Beinbruch ausgefallen war. Der Inhalt des Films war politisch harmlos, vertrat aber Werte, die man sich damals bei der Jugend wünschte. „Quax, der Bruchpilot“ spielte fünf Millionen Reichsmark ein und erhielt von der Filmprüfstelle des „Dritten Reichs“ das Prädikat „künstlerisch wertvoll“. Beflügelt durch seinen Erfolg schrieb Hermann Grote eine Fortsetzung der Geschichte: Aus dem Drehbuch „Quax auf Abwegen“ wurde „Quax in Fahrt“, das zwischen 1943 und 1945 im Auftrag von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels ebenfalls mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle unter dem Titel „Quax in Afrika“ verfilmt wurde. Die Aufführung des Films wurde vom Oberkommando der alliierten Besatzungsmächte verboten und erst nach Gründung der Bundesrepublik wieder freigegeben. Er kam 1953 in die Kinos.

Dem Schreiben blieb der Bargteheider treu: 1951 veröffentlichte Grote den Science-Fiction-Roman „Zum Mars in 44 Stunden“. Als „Hinterhofpoet Quax der Ältere“ legte Grote außerdem noch zwei Gedichtbändchen vor. Den belletristischen Ansatz kann er auch in seiner „Chronik von Bargteheide“ nicht verleugnen, die 1974 erschien und anekdotenhaft die Entwicklung seiner Heimatstadt beschreibt. Der Bargteheider Klaus Andresen hat Grote selber kennen gelernt. „Hermann Grote und meine Mutter sind zusammen zur Schule gegangen“, erzählt er. „Sie standen noch eine Weile brieflich in Kontakt, weil meine Mutter eine Chronik schreiben sollte und dafür viel Material gesammelt hat.“ Das stellte sie Grote zur Verfügung. Grote sei während des Kriegs Luftwaffenoffizier gewesen und habe Transportmaschinen geflogen. Nach dem Krieg habe er als Sachbearbeiter beim Spionagedienst in Pullach gearbeitet. Grotes Bücher sind heute nur noch antiquarisch verfügbar.

Bettina Albrod