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Kultur im Norden Rasanter „Diener zweier Herren“
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08:24 22.07.2019
Herausragend: Iuliia Tarasova als Beatrice – hier in einer Szene mit Simon Rudoff als Pantalone und Sonja Pitsker als Clarice (v.l.).
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Lübeck

Zum 25-jährigen Bestehen der Sommeroperette hatte Intendant und Gründer Michael P. Schulz das Werk bei Michael Töpel in Auftrag gegeben, Schulz führte auch Regie. Er ließ das herrlich überdrehte Spiel um den stets hungrigen Diener Truffaldino auf einer fast leeren Bühne spielen. Nahezu einziges Requisit war eine große Kiste auf Rollen, aus der die Darsteller sich während der Ouvertüre ihre Kostüme nahmen, um dann wieder hinter der Bühne in der Aula des Johanneums zu verschwinden und anschließend in voller Montur wieder zu erscheinen. Ein gelungener Gag gleich zu Beginn, dem Michael P. Schulz noch zahlreiche folgen ließ. Ständig war Bewegung auf der Bühne, die großartig getanzten Balletteinlagen (Choreografie: Sarah Schneider) lockerten das Geschehen noch weiter auf.

Wie in einer Hollywood-Komödie

Die Geschichte um Truffaldino, der sich gleich bei zwei Herren verdingt, ist so verwirrend und spaßig, dass man sich an die Screwball-Komödien aus den großen Jahren Hollywoods erinnert fühlt. Einer von Truffaldinos Herren ist eine als Mann verkleidete Frau, es geht drunter und drüber, schließlich verhaken sich die Handlungsstränge so sehr, dass sogar der gewitzte Truffaldino den Überblick verliert und fast eine Katastrophe anrichtet. Am Ende aber lösen sich alle Probleme, drei Paare finden sich und alles ist gut. Michael P. Schulz bringt die Handlung geschickt und mit viel Liebe zum Detail auf die Bühne, ihm ist mit dieser Inszenierung ein großer Wurf gelungen.

Die Musik – ein großer Wurf

Ein großer Wurf ist auch die Musik von Michael Töpel, der auch das Libretto schrieb. Ein neunköpfiges Orchester, geleitet von Klaus Meyers, hat Töpel vorgeschrieben, diese neun Musikerinnen und Musiker hatten ein hartes Stück Arbeit zu bewältigen. Es gibt unendlich viele Taktwechsel in dieser Partitur, der straffen Leitung von Klaus Meyers war es zu verdanken, dass es zu keinen ernsthaften Patzern kam. Töpels Musik ist tonal mit leichten Anklängen an die klassische Moderne, etwa an Hindemith. Vor allem aber ist sie frisch und lebendig und bietet trotz der kleinen Besetzung des Orchesters eine erstaunliche Fülle an Klangfarben. Es macht ganz einfach Freude, sich diesem musikalischen Geschehen hinzugeben und den vielen Anspielungen nachzulauschen. Anspielungen gibt es auch in Michael Töpels Libretto reichlich, von Hölderlin bis Wittgenstein. Der Text ist witzig und spritzig, auch die Form des Singspiels mit gesprochenen Dialogen ist richtig gewählt. Dem Komponisten/Librettisten ist ebenfalls ein großer Wurf gelungen.

Glänzende Stimmen

Sängerisch bot das achtköpfige Ensemble viel. Johannes Pietruska als Truffaldino führte seinen sonoren Bariton sicher, ebenso Florindo-Darsteller Joscha Blatzheim. Überzeugend in ihren Nebenrollen waren Simon Rudoff (Pantalone), Tom Kessler (Dottore), Stefan Schmitz (Silvio) und Jana Thomas als Smeraldina. Herausragend sangen und spielten Sonja Pitsker als Clarice und vor allem Iuliia Tarasova als Beatrice. Sie war ein Wirbelwind auf der Bühne, gesanglich stets auf der Höhe und schauspielerisch hinreißend. Sonja Pitsker gab die Seelenqualen der unglücklich Liebenden jungen Frau überzeugend und eindringlich. Eine fabelhafte Leistung des Ensembles.

Das Publikum war am Ende dieses Höhepunktes der Jubiläumsspielzeit der Lübecker Sommeroperette begeistert und applaudierte stürmisch. Wer sich wegen des Begriffes „Uraufführung“ vor allzu neuen Klängen gefürchtet hatte, wurde eines Besseren belehrt. Dieser „Diener zweier Herren“ hat wahrlich ein großes Publikum verdient.

Die nächsten Aufführungen finden am Donnerstag, 25. Juli, um 18 Uhr und am Sonnabend, 27. Juli, um 14.30 Uhr statt. Tickets unter Telefon 0451-69813.

Jürgen Feldhoff

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