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Kultur im Norden Familienplanung auf St. Pauli
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17:20 09.04.2019
„Wir – Familie ist, was man draus macht!“ mit Janko Danailow, Charlotte Heinke, Stefanie Irmen und Veit Schäfermeier (v. l.) Quelle: Tivoli Theater
Hamburg

Ein Haus bauen, einen Baum pflanzen, irgendwann einmal Kinder kriegen: Was für die meisten Paare selbstverständlich zu sein scheint, stellt Christian, Magnus, Sabine und Natalie vor schier unlösbare Probleme. Die beiden frisch verheirateten Paare sind nämlich homosexuell. Dennoch wünschen sich das schwule beziehungsweise lesbische Ehepaar nichts sehnlicher als ein Kind. Schon bald kommt die Idee auf, ob man die klassische Familienplanung nicht irgendwie auch zu viert umsetzen könnte. „WIR – Familie ist, was man draus macht“ versteht sich als „regenbogenbunte Musicalkomödie um Liebe, Freundschaft und Familienplanung“ und als „modernes Feelgood-Stück“.

Autorin Franziska Kuropka und der für Musik und Regie zuständige Lukas Nimscheck bekamen für das – ebenfalls im Schmidtchen aufgeführte – „Jana & Janis“ im Jahr 2018 den Deutschen Musicaltheaterpreis überreicht bekamen.

Auf die Idee zu „WIR“ kam Franziska Kuropka nicht zuletzt durch ihre Wohnsituation. Kuropka wohnt mit Lukas Nimscheck und dessen Ehemann in einer WG. „Als der Gedanke bei den beiden aufkam, ob sie vielleicht mal ein Kind haben wollten, habe ich mir im stillen Kämmerlein überlegt, dass das eine gute Idee für ein Musical wäre. Eigentlich ist das ja ein modernes Familienbild, das aber kaum abgebildet wird auf Bühnen oder in Filmen“. Im Stück übernimmt Kuropka, aus Schmidt-Produktionen wie „Villa Sonnenschein“, „Heiße Ecke“ und „Cindy Reller“ bekannt, dann auch gleich die Rolle der prototypischen besten Freundin, die keine Lust hat, ein Kind für das schwule Paar auszutragen.

Schwule, Lesben, Samenspender

Insgesamt saß das Autorengespann sieben Monate an der mit reichlich Synthiepop angereicherten Komödie. Schwule und Lesben, Samenspender, ein LGBT-Zentrum und ein Song namens „Bitterfeld“ spielen in dem Sechs-Personen-Stück unter anderem eine Rolle.

„WIR“ sieht sich als Plädoyer für eine offene Gesellschaft und „für alle Outsider mit dem Herz am rechten Fleck“. „Mir ging es um eine bestimmte Thematik, die ich gern auf der Bühne artikulieren und möglichst unterhaltsam verpacken wollte“, beschreibt Franziska Kuropka den Entstehungsprozess des Stücks. Lukas Nimscheck betont jedoch, dass sich das Musical keineswegs nur an Schwule und Lesben wende. „WIR“ sei durchaus auch ein Familienstück. „Die Thematik betrifft eigentlich alle. Niemand hat in dem Stück ja Probleme mit seinem Schwul- oder Lesbischsein an sich. Es entwickelt sich vielmehr ein Stück um Themen wie Freundschaft, Familie, die Turbulenzen des Umziehens, vollmundige Versprechen und enttäuschte Erwartungen“.

„WIR“ ist die bislang größte Eigenproduktion des Schmidtchen. Die dritte Spielstätte der Schmidt-Theater-Gruppe (nach Schmidt und Tivoli) wurde 2015 eingeweiht, fasst rund 200 Zuschauer und befindet sich im Klubhaus St. Pauli. In dem fünfgeschossigen Neubau samt der als Eyecatcher fungierenden Multimediafassade gehörte das Schmidtchen zu den ersten Etablissements, die noch während der Bauphase besucht werden konnten. Neben Theater- Musik- und Comedyvorstellungen werden hier auch Filme gezeigt. Beim allwöchentlichen Stand Up am Freitag wird nach dem Motto „Zahlt doch, was ihr wollt“ erst nach der Show bezahlt – so viel, wie dem Zuschauer der jeweilige Auftritt wert erscheint. Der Bezahlmodus „Pay what you want“ ist bereits von Hutkonzerten bekannt.

Info „WIR- Familie ist, was man draus macht!“ Schmidtchen (Klubhaus St. Pauli) Uraufführung 11.4. 19 Uhr 30, bis 15.6., Mi/ So 19 Uhr, Di/Do 19.30 Uhr, Fr/Sa 20 Uhr. Karten von 23 bis 36 Euro unter T. 040/31 77 88 99 und über www. tivoli.de

Alexander Bösch

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