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Kultur im Norden Für die Republik! – Ausstellung im Hansemuseum
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18:11 24.05.2019
Vor der Schlutuper Reichsbanner-Fahne: André Dubisch (l.) und Harm Schwerdtfeger, die Projektleiter der Ausstellung. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Gemeinhin gilt, dass die erste deutsche Demokratie ihren fehlenden Abwehrkräften erlag. Aber es gab Menschen, die hinter ihr standen. Und sie waren zahlreich. Mehr als drei Millionen sollen es gewesen sein. So viele Mitglieder jedenfalls hatte das Reichsbanner eigenen Angaben zufolge. Aber als es darauf ankam, versagte die Führung.

Eröffnung am 26. Mai

Am Sonntag (26. Mai) wird die Ausstellung „Für Freiheit und Republik!“ um 11 Uhr eröffnet. Sie läuft bis zum 7. Juli und wird von einigen Veranstaltungen begleitet. So spricht am 12. Juni der Geschäftsführer der Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung, Meik Woyke, über das „Reichsbanner im Gau Mecklenburg-Lübeck“. Am 19. Juni gibt es eine Podiumsdiskussion zum „Umgang mit (Rechts-)Populismus)“. Schulklassen können die Ausstellung kostenlos besuchen.

Das Reichsbanner wurde 1953 neu gegründet und hat heute einige hundert Mitglieder. Bundesvorsitzender ist der Hamburger SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs. Schleswig-Holstein ist dem Hamburger Landesverband angeschlossen.

Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold hatte sich am 22. Februar 1924 in Magdeburg gegründet. Es war der Geburtstag August Bebels, des Ahnherrn der SPD. Die Organisation war zwar zusehends sozialdemokratisch dominiert, aber dennoch überparteilich. Es fanden sich in ihr auch Anhänger des katholischen Zentrums und der liberalen DDP, ehemalige Frontsoldaten vor allem, loyal gegenüber dem Staat und der Verfassung. Die Organisation „hatte nicht ihresgleichen in irgendeiner Demokratie der Zeit“ schrieb der Historiker Karl Dietrich Bracher. Sie habe das Schlagwort von der „Republik ohne Republikaner“ widerlegt.

Lokale Bezüge

Im Hansemuseum wird morgen eine Schau zum Reichsbanner eröffnet. Es ist eine Wanderausstellung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, ergänzt um lokale und regionale Bezüge. Denn entschiedene Kämpfer für die Republik hat es auch in Lübeck gegeben.

So wird unter anderem von Edmund Fülscher erzählt, 1915 geboren und Seemann von Beruf. Unter seiner Führung hatten sich junge Leute zur Revolutionären Arbeiterjugend (RAJ) zusammengeschlossen: Arbeiter, Handwerker, Lehrlinge, Schüler. Mehr als 40 sollen es gewesen sein. 1935 wurde die Organisation wie fast der gesamte Widerstand in Lübeck zerschlagen. Mitglieder wurden gefoltert, verurteilt, ins Gefängnis und ins KZ geworfen. Vier von ihnen kamen dabei um.

Gefängnis, KZ, Hinrichtung

Die jungen Kämpfer teilten das Schicksal Julius Lebers, des großen Lübecker Sozialdemokraten und Ziehvaters Willy Brandts, an dem der spätere Kanzler sich heftig abarbeiten sollte. Leber saß im Reichstag, wurde verhaftet, kam in Haft, ins KZ und wurde im Januar 1945 hingerichtet. Edmund Fülscher überlebte und starb 2007 in Lübeck.

Das Reichsbanner kämpfte ab 1931 mit Gewerkschaften, der SPD und anderen in der Eisernen Front, wurde aber 1933 verboten. Es habe einen tiefen Hass der neuen Machthaber gegen die Organisation gegeben, sagt Harm Schwerdtfeger, neben André Dubisch Projektleiter der Ausstellung. Anfangs zwar militärisch organisiert, aber auch offen für Sport und Kultur, war das Reichsbanner immer mehr bereit, sich bei Wahlkämpfen oder Veranstaltungen massiv gegen rechte Angriffe zu wehren. Zumal mit den eigens gegründeten Schutzformationen (Schufos), die auch mit dem Schlagstock umzugehen wussten.

Arzt und Erbe

Als 1932 die Papen-Regierung beim Preußenschlag die Führung des weitaus größten deutschen Landes absetzte, warteten die Reichsbanner-Leute auf ein Zeichen zum Losschlagen. Aber die SPD mochte vom Glauben an Legalität und Rechtsstaat nicht lassen und zog stattdessen vor Gericht. Arzt und Erbe am Krankenbett des Kapitalismus zu sein – die Partei kam aus dieser Doppelrolle nicht heraus.

„An der Basis war man zum Kampf bereit“, schrieb später Willy Brandt, der in Lübeck in anderen Organisationen den Nazis die Stirn bot. Der Befehl würde schon kommen, hätten sie gedacht. Aber er kam nicht. Viele Tausende seien „in ihrer Seele schwer verwundet“ gewesen. Vor allem aber: „Nach jenem 20. Juli wusste die Führung der Nazis, dass die Kampfkraft der Demokratie gebrochen war.“

In den Städten sehr präsent

Wie viele Mitglieder das Reichsbanner in Lübeck hatte, ist nicht bekannt. Es dürften aber Tausende gewesen sein, sagt Harm Schwerdtfeger. Die Organisation sei in den Städten des Nordens ohnehin sehr präsent gewesen. Auch der Fischer, der Willy Brandt auf dessen Flucht nach Dänemark gebracht habe, habe dazugehört. Der Historiker Jürgen Weber schätzt die Zahl für das gesamte Schleswig-Holstein auf bis zu 40 000.

Aus Lübeck ist in der Ausstellung die Fahne des Reichsbanners aus Schlutup zu sehen. Es gibt alte Mitgliedsbücher, eine Ausgabe der Reichsbanner-Zeitung zum zehnten Jahrestag der Weimarer Reichsverfassung, ein Platte mit dem „Reichsbanner-Marsch“. Nebenan ist der Schöffengerichtssaal zu besichtigen, in dem Widerständler abgeurteilt wurden. Und es sind zwei von etwa zwei Dutzend Zellen erhalten aus jener Zeit. Zellen, in denen auch Julius Leber und andere Reichsbanner-Kämpfer eingekerkert waren, weil sie sich für Demokratie und Republik eingesetzt hatten.

Peter Intelmann

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