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Kultur im Norden Musik unter dem Kreuzbogen
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17:29 25.01.2019
Maike Albrecht und Hans-Jürgen Schnoor in ihrem Studio bei den Proben für das Konzert am 31. Januar.
Maike Albrecht und Hans-Jürgen Schnoor in ihrem Studio bei den Proben für das Konzert am 31. Januar. Quelle: Agentur 54°
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Lübeck

Die Konzertreihe müsste eigentlich einen anderen Namen tragen, „Konzerte im Museumsquartier St. Annen“ zum Beispiel. Als Hans-Jürgen Schnoor vor elf Jahren die Tradition der regelmäßigen Remter-Konzerte wieder einführte, da gab es schon die Kunsthalle (Fertigstellung 2003), die zusammen mit dem St. Annen-Museum seit 2013 das „Museumsquartier St. Annen“ bildet, und je nach Programm bezieht Schnoor mitunter auch das Foyer der Kunsthalle als Aufführungsort mit ein.

Die Anfänge der Remter-Konzerte liegen bei Walter Kraft, einem der überregional bekanntesten Lübecker Organisten des 20. Jahrhunderts. Walter Kraft war Marienorganist von 1929 bis 1973. Mit seinem Kirchenorchester, einer gut ausgebildeten Gruppe von 16 Sängern und Instrumentalisten, bespielte Kraft nicht nur die Marienkirche, sondern auch andere geeignete Lübecker Räume. So sorgte er für Veranstaltungen etwa in der Katharinenkirche, im Heilig-Geist-Hospital und eben im Remter des St. Annen-Museums. Der Remter als größter Saal des spätmittelalterlichen Gebäudes beherbergt eine große Sammlung an sakraler Kunst aus Norddeutschland. Er bietet so eine wundervolle, authentische Atmosphäre für Alte Musik

Die Remter-Konzerte überlebten das Bestehen des Kirchenorchesters und auch Walter Kraft selbst. Erst in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts fand sich niemand mehr, der diese Tradition weiterführen wollte, bis Hans-Jürgen Schnoor zunächst in unregelmäßigen Abständen und schließlich jeden letzten Donnerstag im Monat mit ausgezeichneten Musikern die Remterkonzerte wiederbelebte.

Hans-Jürgen Schnoor war Orgelschüler von Walter Kraft und in dessen letztem Jahr an St. Marien sein Assistent. Schnoor studierte Kirchenmusik, Klavier, Dirigieren und Cembalo. Vier Jahre war er der Organist an St. Jakobi in Lübeck, 32 Jahre Organist an der Vicelinkirche in Neumünster. Er leitet verschiedene Chöre und Instrumentalensembles, an der Lübecker Musikhochschule unterrichtet er die Fächer Generalbass, historische Tasteninstrumente und leitet das Projekt „Alte Musik“.

Doch nicht nur vorbarocke und barocke Musik steht auf seinen Programmen, auch klassische und romantische Kompositionen waren bei den Remterkonzerten schon zu hören. Für das Konzert am 31. Januar (18 Uhr) haben sich Schnoor und seine Frau, die Sopranistin Maike Albrecht, etwas ganz Besonderes vorgenommen: Mit ausgewählten Liedern von Johannes Brahms und Arnold Schönberg werden sie im Foyer der Kunsthalle die Verbindung zwischen den beiden Komponisten demonstrieren. Besonders freuen darf man sich auf op. 15 von Schönberg, das eher selten aufgeführte, aber musikgeschichtlich bahnbrechende Schlüsselwerk „Das Buch der hängenden Gärten“ auf Gedichte von Stefan George, komponiert 1908/09.

Die Remter-Konzerte finden bei freiem Eintritt statt – Spenden allerdings sind erwünscht. Hans-Jürgen Schnoor und Maike Albrecht möchten einerseits, dass Menschen, die wenig Geld haben, ebenfalls in den Hörgenuss kommen können und dass jeder so viel gibt, wie ihm das Konzerterlebnis wert war.

Svea Feldhoff