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Kultur im Norden Einmal „Große Freiheit“ mit Rocko Schamoni
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10:41 13.06.2019
Autor Rocko Schamoni (53) stellte in Lübeck seinen Roman „Große Freiheit“ vor. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

„Ganz Lübeck“, sei da, freute sich der Autor zu Beginn seiner Lesung am Mittwochabend in den Kammerspielen. Und mit jeweils zwei Besuchern auch „ganz Ratzeburg“ und sogar „ganz Lütjenburg“ – Schamonis alter Heimat. Hauptsache aus „scheiss Kiel“ sei niemand da, sagte Schamoni augenzwinkernd und setzte sich mit einem Bier an sein Pult, wo er die nächsten zwei Stunden aus seinem Roman „Große Freiheit“ las, immer wieder den Gaumen mit dem Hopfensaft spülte und mit dem Publikum ins Hamburger Rotlichtviertel der 60er und 70er Jahre abtauchte.

Schamoni nahm die Zuhörer mit auf eine Zeitreise in eine Ära, in der das horizontale Gewerbe mit Bars und Clubs und ersten „Mädchenpensionen“ ihren großgewerblichen Anfang nahm – mit illegalen Sex-Kinos, mystischen Travestiefiguren und Luden, die ihre Frauen auf den Strich schickten, um das Geld zu verzocken.

Drogen spielten eine große Rolle, frustrierte Freier, die man am besten in der „Melkmaschine Reeperbahn“ ausnehmen konnte und jede Menge unentdeckter Musiker, wie die Beatles, die hier den Anfang ihrer Karriere machten, auch.

Kiez-Insider und Hamburger Nachtjargon

Mittendrin: Wolfgang Köhler, ein sächsischer Ausreißer, der die „große bunte Welt“ auf dem Kiez für sich entdeckt hatte und sich hier durchschlagen konnte. Für Schamoni eine so interessante Persönlichkeit, dass er ihn die letzten Jahre seines Lebens immer wieder besuchte, um so authentisch wie möglich für seine Geschichte zu recherchieren.

Warum? „Weil Köhler ein literaturbegeisterter Kommunist und Künstler war.“ Hinter der Faszination fürs schnelle Geld auf dem Kiez, interessierte Köhler sich sehr für Politik und Literatur und konnte im Laufe seiner „Karriere“ immer wieder Kontakte und Freundschaften in den anarchisch, intellektuellen Bewegungen Hamburgs aufbauen.

So wurde das Publikum kulturhistorisch und mit vielen ironisch-lustigen Einlagen des Autors mit in eine andere Welt genommen – sehr gut vorgelesen von Schamoni und mit genügend Bildmaterial zu Personen im Buch, das Schamoni an die Großleinwand hinter ihm warf.

Theater Lübeck Kammerspiele - Rocko Schamoni: Große Freiheit King Rocko Schamoni liest aus seinem neuen Roman: Große Freiheit Quelle: Lutz Roeßler

„Ein Lübecker für drei Nudelfilme – jetzt wisst Ihr, was gemeint ist“, sagte Schamoni, nachdem er einmal den Hamburger Nachtjargon, also die Kiezsprache, vorgestellt hatte. „Genau. Fuffzig Mark nannte man damals auch einen Lübecker, weil das Holstentor auf dem Schein war. Und Nudelfilme sagt man heute zwar nicht mehr, aber Ihr wisst jetzt, worum es geht.“

Diese und weitere sehr sympatische Exkurse gab es nebenher zur Geschichte – von einem norddeutschen Jung in norddeutschem Slang, mit norddeutschem Bier und norddeutschem Humor.

Schabnam Tafazoli

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