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Kultur im Norden Rockstar statt Zahnarzt: Roger Taylor wird 70
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18:00 25.07.2019
Mit acht Jahren die erste Band gegründet: Roger Taylor.d Quelle: dpa/epa
London

Roger Taylor hat Grund zu klagen. „Ich bin jetzt ein bisschen taub“, sagte der Schlagzeuger dem „Telegraph“. „Ohne mein Hörgerät entgehen mir viele Nebengeräusche. Ich hatte auch eine Zeit lang Tinnitus.“ Das geht anderen vielleicht auch so, wenn sie 70 werden. Das ist normal. Aber nicht jeder feiert seinen Geburtstag – am 26. Juli – mit einer Rockband wie Queen auf einer Tour durch Nordamerika.

Geboren wurde Taylor in der mittelalterlichen ehemaligen Hansestadt King’s Lynn in Norfolk. „Ich ging in eine Domschule mit einem Chorstipendium, was bedeutete, dass ich ein bisschen gesungen habe und meine Eltern nicht für meine Ausbildung blechen mussten“, erinnerte er sich in „Reader’s Digest”. Doch dann entdeckte er Lonnie Donegan, den „King of Skiffle“, und entschied, in einer richtigen Band Schlagzeug zu spielen. Mit acht Jahren gründete er The Bubblingover Boys, mit 13 The Cousin Jacks.

„Zahnarzt wäre die Hölle gewesen“

Er studierte dann aber doch Zahnmedizin in London, weil sein Biologielehrer sagte, das sei gut bezahlt. Und weil er in London eine Band gründen wollte. Zahnarzt zu sein, sagte er, „wäre die Hölle gewesen. Das zu tun, was ich getan habe, war ein Privileg.“

Während des Studiums traf er seinen späteren Bandkollegen: „Eines Tages bin ich auf diesen Typen namens Brian May gestoßen, der in Astronomie promovierte“, erinnerte er sich in „Reader’s Digest“ an ihre Anfänge mit der Band Smile. „Er erzählte mir, dass er Gitarre spielte. Also haben wir uns ein paar Mal getroffen und, verdammt, war er gut!“

1969 eröffnete Taylor im Londoner Mode-Treffpunkt Kensington Market mit seinem WG-Genossen Freddie Mercury einen Stand für Vintageklamotten. Der Sänger überredete Taylor und May schließlich, eine Band zu gründen – Queen.

Dann kam „Bohemian Rhapsody“

Es war hart, sagte er mit britischem Understatement. „In der Anfangszeit konnten wir nicht mal Auftritte bekommen. Aber wir blieben dran, hatten ein paar Hits, ein paar Leute kamen, um uns zu sehen.“ Und dann veröffentlichten sie 1975 „Bohemian Rhapsody“.

Der Song wurde einer der erfolgreichsten Hits weltweit, verkaufte sich millionenfach und katapultierte sie in eine andere Liga: „Wir waren nicht länger nur eine anständige Rockband. Wir waren berühmt.“ Queen wurde ebenso bekannt für ihre Rockhymnen und bombastischen Liveauftritte in ausverkauften Stadien wie für ihre exzessiven Partys, die Limousinen, Polizeieskorten und ausrastenden Menschenmengen. Roger Taylor wehrt ab: „Ich hatte immer ein eingebautes Überlebensgefühl. Ich erinnere mich, wie ich ab und zu dachte: „Jetzt ist es genug““, sagte er dem „Telegraph“.

Die Band schaffte den seltenen Spagat zwischen Teamgeist und Egos: Jedes Bandmitglied schrieb Hits, Taylor steuerte unter anderem „Radio Ga Ga“ und „A Kind Of Magic“ bei. Anders als die Stones und Beatles zerstritten sie sich nicht: „Wir alle fühlten uns als Teil des kreativen Prozesses. Ich weiß, dass Schlagzeuger gemeinhin die Zielscheibe für Tausende von Witzen sind“, sagte Taylor, „aber ich hatte immer das Gefühl, eine wichtige Rolle zu spielen.“

Sohn Rufus am Schlagzeug

Er war das erste Queen-Mitglied, das ein Soloalbum veröffentlichte: „Fun In Space“ von 1981. Seither hat er fünf eigene Platten herausgebracht, zuletzt „Fun on Earth“, auf dem sein Sohn Rufus Schlagzeug spielt, eines seiner fünf Kinder aus zwei Beziehungen. „Die meisten Eltern würden sich wahrscheinlich ärgern, wenn ihre Kinder anfangen würden, auf Dinge zu schlagen“, sagte er. „Aber ich habe mich riesig gefreut, wenn er die Möbel wie toll prügelte.“

Nach dem Tod von Freddie Mercury 1991 machte Queen weiter, erst mit Paul Rodgers als Sänger, seit 2012 mit Adam Lambert. Parallel verfolgte Taylor seine Soloprojekte und musikalischen Kollaborationen.

2019 eröffnete er mit Brian May und Adam Lambert die Oscar-Feierlichkeiten in Los Angeles. „Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal machen würde“, sagte er am Morgen nachdem der amerikanische Schauspieler Rami Malek einen Oscar für sein Porträt von Freddie Mercury in „Bohemian Rhapsody“ gewann.

Uli Hesse

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