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Kultur im Norden Rolling Stone Beach Festival am Weissenhäuser Strand: Zwischen Party und Pathos
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18:03 18.11.2019
Der kalifornische Sänger und Gitarrist Nick Waterhouse lieferte mit seiner Band im Baltic Festsaal am Wochenende schweißtreibenden Rhythm & Blues. Quelle: Fotos: Manuel Weber
Wangels

„Willkommen zur Rolling Stone Beach Party“, begrüßt Nick Waterhouse seine Gäste im rappelvollen Baltic Festsaals, wo der kalifornische Sänger, Gitarrist und Songschreiber und seine famose Band schon eine Handvoll Songs gespielt haben. „Das ist die kälteste Beach Party, auf der ich je gewesen bin.“

Dafür kommt der 33-Jährige allerdings gewaltig ins Schwitzen, wie sein tanzendes Publikum. Doch Waterhouse legt – nicht nur in seinem mitreißenden Rhythm & Blues stilbewusst – weder das Jackett seines Fifties-Style-Outfits ab noch lockert er die Krawatte. Er wirft sich in die Songs, singt mit aller Verve, tanzt, kniet sich auf die Bühne.

4000 Gäste im Ferienpark Weissenhäuser Strand

Keine Überraschung, dass auch The Specials auf der großen Zeltbühne des mit rund 4000 Gästen seit Monaten ausverkauften Festivals im Ferienpark Weissenhäuser Strand die Meute in Bewegung bringen. Es ist dieser unverwechselbare, lässige, reggae-basierte Sound der britischen Ska-Veteranen aus Coventry, gegen den das Bewegungszentrum im Hirn machtlos ist.

Die Band schöpft vor allem aus ihrem zeitlosen, 40 Jahre alten Debütalbum und dem diesjährigen mit dem Titel „Encore“. Klassiker wie „A Message to you Rudy“, „It doesn’t make it Alright“, „Rat Race“ oder „Concrete Jungle“ sind schlicht zeitlos.

„Stereotypes“ mutiert zu einer disco-artigen Version mit reichlich Rub-a-Dub-Style, das Zelt hüpft. Für den neuen Reggae-Track 10 „Commandments“ kommt Sängerin Saffiyah Kahn auf die Bühne, verströmt flächig Charisma, ihr Sprechgesang bleibt leider komplett unverständlich.

„You’re wondering now“ setzt als Zugabe den perfekten Schlusspunkt: „You’re wondering now, what to do, now you know, this is the end.“

Hier gibt es Tickets für 2020

Das nächste Festival findet am 13. und 14. November 2020 in Weißenhäuser Strand statt. Tickets gibts unter www.rollingstone-beach oder unter 01806 – 853 953.

Babys und Kinder unter 6 Jahren haben darum freien Eintritt, dürfen aber währen der musikalischen Darbietung nicht mit in die Veranstaltungsstätten mitgenommen werden. Das Kind zahlt nichts und wird dementsprechend nicht in die Aufzählung der zahlenden Personen aufgenommen. Die vier Erwachsenen zahlen also trotz der Tatsache, dass ein Kind mitreist, den Preis für die Anreise mit Erwachsenen

Die Apartments werden nur komplett vermietet. Einander unbekannte Festivalgäste werden nicht im gleichen Apartment untergebracht.

Elbows entschuldigt sich für den Brexit-Wahnsinn

Vollfettstufe im Sound hat Elbows mächtig bratzender Konzerteinstieg mit Dexter & Sinister, auch Opener ihres neuen Albums „Giants of alle Sizes“. „Irgendjemand zu cool für eine dumme Sache?“, fragt der Sänger (im großkarierten Flanellhemd) listig.

Viele nicht, und so lassen sie zu „Mirrorball“ ihre erhobenen, wackelnden Hände wie Sterne funkeln, schwenken dann beide Arme im Takt. Um Entschuldigung für den „Brexit-Bullshit“ bittet Garvey passend vor dem Song „Empires“. „Wir waren gern Europäer“.

Auch zum Mitsingen der meist hymnisch angelegten Songs vermag er Sonnabend gegen Mitternacht zum Finale des Festivals noch weite Teile des Publikums zu bewegen, etwa beim in seinen Flitterwochen geschrieben und hier seiner kleinen Tochter gewidmeten „Magnificent (She says)“. „Beautiful!“, lobt Garvey den kollektiven Gesang hernach.

Party mit Curtis Harding und Villagers

Eine ausgedehnte Live-Version des psychedelic-soul-rockigen „The Drive“ wuchten US-Soul-Sänger Curtis Harding und Band als erstes auf die Bühne. Prompt fällt auf, dass der Song live nicht die Magie der Studioaufnahme entwickelt.

Ob Harding aus seinem Stax-Soul-Retro-Debütalbum „Soul Power“ schöpft oder dem Modern-Soul-Nachfolger „Face your Fear“ der Auftritt gerät einen Tick zu routiniert, gelegentliche Hitzeaufwallungen wirken kalkuliert. Coolness geht vor.

Doch das Publikum macht Party.

US-Soul-Sänger Curtis Harding und Band. Quelle: Manuel Weber

Verträumte, butterweiche Folkpop-Songs trällert Conor O‘Brien der irischen Villagers. Manchmal legt er die Akustikgitarre weg, bläst in eine gestopfte Trompete. Keyboardsounds umflirren einen Song wie Glühwürmchen. Hin und wieder übertreiben sie das Sentiment.

Zwar erntet „No one to to Blame“ stürmischen Applaus, doch wenn O‘Brien schluchzend „excuse me while I die a million times before I meet your eyes with mine“ singt, wirkt das Pathos unfreiwillig komisch.

Sexy Performance von Joan Wasser

„Some really quiet music“ kündigt Joan Wasser alias „Joan As A Police Woman“ im Baltic Festsaal an. Mutig, zumal der Laberpegel an den Rändern zunächst hoch ist.

Vereinzelt wird im Publikum mit „Schschscht!“ zu mehr Ruhe gemahnt – beglückend für die Sängerin in ihrem grün-samtigen Hosenanzug: „A dream come true“. Im Wechsel zwischen Klavier und pinkfarbener Fender Telecaster singt sie – die im dritten Stück „Flash“ eingesetzte Drum-Machine stellt danach defekt die Mitarbeit ein – ausdrucksvoll ihre Pop-Songs wie „Tell me“, auf den Kern derer Seele entblößt.

US-Sängerin Joan Wasser alias Joan As A Police Woman spielte im Baltic Festsaal ein mutiges Solo-Set. Sie ist versiert am Klavier, spielt aber auch seit ihrer Kindheit Violine. Quelle: Manuel Weber

Schlicht atemberaubend ist ihre Version des Prince-Hits „Kiss“, bluesig umgedeutet und auf eine feminine Art extrem sexy.

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